Die Durchführung des Projekts
Während der Projektdurchführung wird aus dem genehmigten Plan ein nachvollziehbares Arbeitsergebnis. Für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration zählen dabei nicht möglichst viele Konfigurationsschritte, sondern eine fachlich begründete Vorgehensweise, kontrollierte Änderungen, aussagekräftige Tests und eine geregelte Übergabe.
FISI-Projektarbeit: Integration statt Installationsprotokoll
Die fachliche Leistung liegt in der Beherrschung des Gesamtsystems. Zu einer Änderung gehören deshalb neben der Zielkomponente auch Kommunikationsbeziehungen, Namensauflösung, Identitäten, Berechtigungen, Protokollierung, Datensicherung, Überwachung und die Einbindung in vorhandene Betriebsprozesse. Die Durchführung zeigt, welche Abhängigkeiten vorab erkannt und wie Auswirkungen begrenzt wurden.
Als durchgehendes Beispiel kann die Einführung eines neuen zentralen Dateidienstes dienen: Kapazität und Berechtigungen werden analysiert, On-Premises-, Appliance- und Cloud-Varianten verglichen, Zielarchitektur und Migration geplant, Pilotdaten übertragen, Rechte und Zugriffspfade getestet, Rückfallkriterien bewertet und der Dienst anschließend dokumentiert übergeben. Das Kopieren der Daten ist dabei nur ein Arbeitsschritt – nicht das gesamte Projekt.
| Projektphase | FISI-spezifischer Arbeitsnachweis |
|---|---|
| Analyse | Ist-Netzplan, Dienstabhängigkeiten, Schutzbedarf, Kapazitäts- und Verfügbarkeitsdaten |
| Entscheidung | Gewichteter Vergleich zu Sicherheit, Kompatibilität, Kosten, Wartbarkeit und Betriebsaufwand |
| Umsetzung | Freigegebener Change, gesicherter Ausgangszustand, Konfigurationsstand und Rückfallmöglichkeit |
| Kontrolle | Funktions-, Rechte-, Negativ-, Leistungs-, Wiederanlauf- und gegebenenfalls Restore-Tests |
| Übergabe | Betriebsdokumentation, Monitoring, Backup, Patchweg, Zuständigkeit und Abnahme |
Verbindlicher Rahmen der Durchführung
Das Projekt darf erst nach der Genehmigung und innerhalb des von der zuständigen IHK freigegebenen Zeitraums bearbeitet werden. Projektarbeit und Dokumentation mit praxisbezogenen Unterlagen dürfen bei Systemintegration zusammen höchstens 40 Stunden beanspruchen. Regionale Vorgaben können zusätzliche Nachweise, Portale und Formate bestimmen.
Ändern sich im Projekt Details, wird nicht stillschweigend vom Antrag abgewichen. Die Änderung, ihre Ursache, die geprüften Folgen und die Entscheidung werden festgehalten. Verändert sich der wesentliche Projektgegenstand oder ist die genehmigte Durchführung nicht mehr möglich, muss vor einer eigenmächtigen Fortsetzung der vorgesehene Kontaktweg der zuständigen IHK genutzt werden.
- Genehmigung, Auflagen, Durchführungszeitraum und Abgabefrist vor dem Start prüfen.
- Den genehmigten Eigenanteil von Tätigkeiten des Teams, des Kunden und externer Dienstleister trennen.
- Projektzeit und Dokumentationszeit fortlaufend gegen die genehmigte Planung kontrollieren.
- Betriebliche Freigaben, Wartungsfenster, Datenschutz, Arbeitsschutz und Geheimhaltung beachten.
Vom Lastenheft zum Pflichtenheft
Das Lastenheft beschreibt aus Sicht des Auftraggebers, was erreicht werden soll. Das Pflichtenheft beschreibt aus Sicht des Auftragnehmers, wie und womit diese Anforderungen umgesetzt und geprüft werden. Ob beide Dokumente verlangt werden und welchen Umfang sie besitzen, richtet sich nach Projekt, Betrieb und IHK. Entscheidend ist die eindeutige Verbindung von Anforderung, Umsetzung und Abnahmekriterium.
Für ein FISI-Projekt gehören dazu beispielsweise Verfügbarkeit, Leistung, Benutzer- und Administrationszugänge, Netzwerkzonen, Protokollierung, Datensicherung, Wiederherstellung, Kompatibilität, Wartbarkeit und IT-Sicherheit. Anforderungen wie „sicher“ oder „schnell“ sind erst verwertbar, wenn sie messbar oder eindeutig prüfbar formuliert werden.
| Lastenheft: Was wird benötigt? | Pflichtenheft: Wie wird es umgesetzt? |
|---|---|
| Ziel, Umfang und Abgrenzung | Lösungsarchitektur, Komponenten und Verantwortungsgrenzen |
| Funktionale und nicht-funktionale Anforderungen | Konkrete technische Spezifikation und Konfiguration |
| Betriebliche und technische Rahmenbedingungen | Voraussetzungen, Schnittstellen, Migrations- und Rückfallweg |
| Zielgruppen und notwendige Dokumentation | Betriebs-, Benutzer-, Wartungs- und Übergabedokumente |
| Qualitäts- und Abnahmeanforderungen | Testfälle, erwartete Ergebnisse, Abnahme- und Freigabekriterien |
| Risiken und Annahmen | Schutzmaßnahmen, Überwachung und Ausweichmaßnahmen |
Projektstart und Arbeitsgrundlage
Vor dem ersten produktiven Eingriff werden Auftrag, Ansprechpartner, Kommunikationsweg, Zugänge, Abhängigkeiten und Abnahmekriterien gemeinsam geprüft. Ein kurzes Projektstartprotokoll verhindert, dass wichtige Annahmen erst während der Umsetzung auffallen.
Ist-Zustand, relevante Versionen, Netz- und Systembeziehungen sowie vorhandene Sicherungs- und Rückfallmöglichkeiten erfassen.
Berechtigungen, Wartungsfenster, Material, Lizenzen, Namens- und IP-Plan, Backup, Ansprechpartner und Freigaben kontrollieren.
Arbeitspakete, Meilensteine, Kommunikationspunkte und Abbruch- beziehungsweise Rückfallkriterien festlegen.
Testfälle vor der Umsetzung aus den Anforderungen ableiten und erwartete Ergebnisse festlegen.
Das Projekttagebuch als Gedächtnisstütze
Ein Projekttagebuch ist kein zweiter Projektbericht. Es hält während der Arbeit knapp fest, was tatsächlich passiert ist, und liefert später belastbare Angaben für Soll-Ist-Vergleich, Entscheidungen und Dokumentation. Zugangsdaten, personenbezogene Daten und vertrauliche Inhalte werden darin nicht ungeschützt gespeichert.
| Täglich festhalten | Beispiel aus der Systemintegration |
|---|---|
| Arbeit und Ergebnis | VLAN und Firewall-Regel im Testnetz eingerichtet; Erreichbarkeit wie geplant geprüft |
| Zeit und Abweichung | Treiberinkompatibilität verursachte 45 Minuten Mehraufwand; Puffer genutzt |
| Entscheidung und Grund | Stufenweise Migration gewählt, damit der bestehende Dienst bis zur Abnahme verfügbar bleibt |
| Gespräch und Freigabe | Änderungsfenster und Testkonto mit Betrieb abgestimmt |
| Problem und Lösung | DNS-Auflösung schlug fehl; fehlerhaften Suchsuffix erkannt und korrigiert |
| Nachweis | Testprotokoll T-04, Konfigurationsstand C-03, Abnahmeprotokoll A-01 |
Änderungen sicher und nachvollziehbar umsetzen
Produktive Änderungen benötigen einen kontrollierten Ablauf. Vorher wird geprüft, was betroffen ist und wie der vorherige Zustand wiederhergestellt werden kann. Während der Umsetzung werden nur projektbezogene Konfigurationen dokumentiert; Passwörter, Schlüssel und andere Geheimnisse gehören in vorgesehene sichere Systeme, nicht in Screenshots oder den Projektbericht.
- Konfigurationsstand oder Systemzustand vor der Änderung nachvollziehbar sichern.
- Änderungsreihenfolge, Abhängigkeiten und Rückfallkriterien vorab festlegen.
- Änderungen möglichst zuerst in einer geeigneten Test- oder Staging-Umgebung prüfen.
- Herstellerfreigaben, Kompatibilität, Lizenzen und Supportfähigkeit berücksichtigen.
- Administrationszugriffe mit minimal notwendigen Rechten und protokollierbar durchführen.
- Nach jedem wesentlichen Schritt einen definierten Zwischenzustand kontrollieren.
FISI-spezifische Qualitäts- und Sicherheitsprüfung
Ein erfolgreicher Ping beweist nur einen kleinen Teil der Funktion. Testfälle werden aus den Anforderungen abgeleitet und enthalten Ausgangslage, Durchführung, erwartetes Ergebnis, tatsächliches Ergebnis und Bewertung. Auch ein fehlgeschlagener Test ist wertvoll, wenn Ursache, Korrektur und Wiederholung nachvollziehbar sind.
| Prüfbereich | Geeignete Nachweise |
|---|---|
| Funktion | Dienststart, Namensauflösung, Anmeldung, Datei- oder Anwendungszugriff und definierte Geschäftsprozesse |
| Netzwerk | Erreichbarkeit über vorgesehene Pfade, VLAN-/Routing-Trennung, DNS, DHCP und erlaubte Ports |
| Sicherheit | Rollen und Rechte, unerlaubter Zugriff, Protokollierung, Verschlüsselung, Patch- und Härtungsstand |
| Leistung | Messwerte mit definierter Last, Ausgangswert und Zielwert statt subjektiver Eindrücke |
| Verfügbarkeit | Neustart, Ausfall eines vorgesehenen Elements, Monitoring-Alarm und Wiederanlauf nach Konzept |
| Datenschutz und Backup | Datenminimierung, geregelte Zugriffe, Sicherung sowie mindestens ein sinnvoller Wiederherstellungstest |
| Betrieb | Monitoring, Wartung, Aktualisierung, Dokumentation und Übergabe an zuständige Personen |
Abweichungen und Probleme fachlich behandeln
Ein glaubwürdiges Projekt kann Abweichungen enthalten. Bewertbar wird die eigene Leistung durch die Analyse: Was war geplant, was ist eingetreten, welche Möglichkeiten bestanden, welche Entscheidung wurde getroffen und welche Folgen hatte sie für Zeit, Kosten, Sicherheit, Qualität und Projektziel?
Nicht jedes Problem gehört ausführlich in den Projektbericht. Relevant sind Ereignisse, die eine fachliche Bewertung, Anpassung oder Entscheidung zeigen. Flüchtigkeitsfehler werden nicht künstlich aufgebläht; technische oder organisatorische Folgen werden dagegen nicht verschwiegen.
Abweichung mit Zeitpunkt, betroffenem Arbeitspaket und tatsächlichem Zustand erfassen.
Auswirkung auf Ziel, Betrieb, Sicherheit, Termine, Kosten und abhängige Systeme prüfen.
Alternativen vergleichen, Entscheidung fachlich begründen und erforderliche Freigabe einholen.
Korrektur oder angepassten Plan kontrolliert ausführen und erneut testen.
Zeitplan, Risikoübersicht, Konfiguration, Projekttagebuch und spätere Dokumentation aktualisieren.
Übergabe und Projektabschluss
Die Übergabe ist ein eigener Projektschritt. Ein technisch funktionierendes System ist nicht vollständig abgeschlossen, solange Betrieb, Zuständigkeiten, bekannte Einschränkungen, Wartung und Abnahme ungeklärt sind.
- Abnahmekriterien gemeinsam prüfen und Ergebnisse protokollieren.
- Offene Punkte, Restrisiken und vereinbarte Nacharbeiten mit Verantwortlichen und Terminen festhalten.
- Kunden- und Betriebsdokumentation in passender Zielgruppentiefe übergeben.
- Monitoring, Backup, Wiederherstellung, Patchprozess und Eskalationsweg erläutern.
- Zugänge und temporäre Berechtigungen bereinigen; Geheimnisse sicher übergeben oder erneuern.
- Soll-Ist-Vergleich für Leistung, Zeit, Kosten und Zielerreichung vorbereiten.
Tipps aus der Praxis
- Testfälle vor der Konfiguration schreiben: So wird nicht nur geprüft, was zufällig umgesetzt wurde.
- Bei Netzwerkänderungen immer Managementzugang und Rückfallweg getrennt vom zu ändernden Pfad planen.
- Konfigurationsausschnitte nur dann sichern, wenn sie eine Entscheidung oder einen Nachweis tragen; Geheimnisse vorher entfernen.
- Messwerte mit Einheit, Werkzeug, Zeitpunkt und Rahmenbedingungen dokumentieren.
- Bei Migrationen Datenkonsistenz, Unterbrechung, Parallelbetrieb und Rückmigration ausdrücklich behandeln.
- Bei Automatisierung Skriptversion, Eingaben, Fehlerbehandlung und sicheren Wiederholungsfall festhalten.
- Nach jedem Meilenstein sofort zwei Sätze notieren: Was wurde erreicht? Was muss als Nächstes entschieden werden?
Quellen zur fachlichen Prüfung
Vorlagen für Anforderungen und Umsetzung
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PDF-Download nach Anmeldung
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