Das Praktikum
Das Praktikum verbindet die bisherige Ausbildung mit echten betrieblichen Abläufen. Für angehende Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration ist es zugleich die wichtigste Gelegenheit, ein geeignetes Umfeld, mögliche Projektaufgaben und einen betrieblichen Auftrag für die Abschlussprüfung kennenzulernen.
Das besondere Profil der Systemintegration
Systemintegration bedeutet, einzelne Komponenten zu einem dauerhaft betreibbaren Gesamtsystem zu verbinden. Im Praktikum sollte deshalb nicht nur die Bedienung eines Produkts kennengelernt werden. Entscheidend sind die Beziehungen zwischen Netzwerk, Server- und Cloud-Diensten, Identitäten, Endgeräten, Sicherheit, Überwachung, Datensicherung und den betrieblichen Prozessen.
Ein geeigneter Einsatz lässt Auszubildende schrittweise Verantwortung übernehmen: zunächst Systeme und Abhängigkeiten erfassen, danach Änderungen planen, Risiken bewerten, in einer kontrollierten Umgebung umsetzen, mit reproduzierbaren Tests prüfen und schließlich an Betrieb oder Kunden übergeben.
| FISI-Kompetenz | Geeignete praktische Erfahrung |
|---|---|
| Systemzusammenhänge | Datenflüsse, Abhängigkeiten, Schnittstellen und Fehlerfolgen über mehrere Komponenten hinweg nachvollziehen |
| Betriebsfähigkeit | Monitoring, Backup, Patchen, Berechtigungen, Wartung und Wiederanlauf von Anfang an mitdenken |
| Sichere Administration | Netze segmentieren, Rechte begrenzen, Änderungen protokollieren und sensible Daten schützen |
| Serviceorientierung | Anforderungen verständlich aufnehmen und technische Ergebnisse zielgruppengerecht übergeben |
Ein geeigneter Praktikumsbetrieb
Ein geeigneter Betrieb bietet reale Aufgaben der Systemintegration und eine fachliche Betreuung. Typische Einsatzfelder sind Rechenzentren, IT-Servicehäuser, IT-Service-Provider sowie IT-Abteilungen in vernetzten Produktions- und Verwaltungsumgebungen. Für ein späteres Abschlussprojekt muss der Betrieb die Durchführung eines echten betrieblichen Auftrags ermöglichen.
Vor Beginn sollte geklärt werden, wer fachlich anleitet, welche Systeme bearbeitet werden dürfen, welche Sicherheits- und Datenschutzregeln gelten und ob der Betrieb Erfahrung mit der IHK-Ausbildung beziehungsweise der betrieblichen Projektarbeit besitzt.
| Prüfpunkt | Woran ein geeigneter Betrieb erkennbar ist |
|---|---|
| Fachlicher Einsatz | Aufgaben aus Netzwerk, Server, Infrastruktur, IT-Sicherheit, Support oder Systembetrieb |
| Betreuung | Feste Ansprechperson, regelmäßige Rückmeldungen und ausreichend Zeit für Anleitung |
| Betriebliche Realität | Arbeit an echten Anforderungen statt ausschließlich vorbereiteter Übungsaufgaben |
| Projektmöglichkeit | Abgrenzbarer Auftrag mit eigenständiger Planung, Entscheidung, Umsetzung und Übergabe |
| Rahmenbedingungen | Geregelte Zugänge, Datenschutz, Arbeitsschutz, Dokumentation und zulässige Tätigkeiten |
Fachliche Inhalte des Praktikums
Die konkrete Auswahl richtet sich nach dem Einsatzgebiet des Betriebs. Nicht jeder Praktikumsplatz deckt alle Bereiche ab. Entscheidend ist, dass Aufgaben nicht nur beobachtet, sondern unter Anleitung zunehmend selbstständig geplant, umgesetzt, geprüft und dokumentiert werden.
- Anforderungen aufnehmen und in technische sowie organisatorische Arbeitsschritte übersetzen
- vernetzte IT-Systeme installieren, konfigurieren, in Betrieb nehmen und in bestehende Umgebungen integrieren
- komplexe Hard- und Softwaresysteme analysieren, planen, erweitern und betreiben
- IT-Sicherheit und Datenschutz bei Planung, Kundenberatung, Umsetzung und Betrieb berücksichtigen
- neue oder veränderte Systeme einführen, testen, dokumentieren und geordnet übergeben
- Kundinnen, Kunden und Beschäftigte beraten, betreuen, einweisen oder schulen
- Projektplanung, Zeitplanung, Abstimmung, Qualitätssicherung und nachvollziehbare Dokumentation anwenden
- digitale Systeme und Medien verantwortungsvoll einsetzen sowie betriebliche Regeln beachten
Vom Praktikum zum betrieblichen Abschlussprojekt
Ein geeignetes Abschlussprojekt ist ein realer betrieblicher Auftrag oder ein klar abgegrenzter Teilauftrag. Es wird nicht ausschließlich für die Prüfung erfunden und ist keine reine Facharbeit, in der lediglich eine Technik erklärt wird. Ausgangssituation, Auftraggeber, Projektziel und betrieblicher Nutzen müssen erkennbar sein.
Bei einem Teilprojekt werden die Schnittstellen zum Gesamtprojekt, die übernommenen Ausgangspunkte und die eigene Übergabe eindeutig beschrieben. Die eigene Leistung muss fachlich bewertbar bleiben. Für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration stehen für Durchführung und Dokumentation zusammen höchstens 40 Stunden zur Verfügung.
Betriebliche Abläufe, Systeme, wiederkehrende Probleme und geplante Änderungen kennenlernen.
Einen realen Auftrag mit klarer Ausgangssituation, Zielgruppe und nachvollziehbarem Nutzen identifizieren.
Eigene Verantwortung, Schnittstellen, Abhängigkeiten, Ergebnis und Zeitrahmen eindeutig festlegen.
Mindestens sinnvolle Lösungsalternativen technisch, wirtschaftlich und qualitativ vergleichen.
Machbarkeit mit Betrieb, Betreuung und den Vorgaben der zuständigen IHK abgleichen.
Was ein prüfungsgeeignetes Projekt zeigen muss
Die technische Umsetzung allein genügt nicht. Der Arbeitsprozess muss eigene Analyse-, Planungs- und Entscheidungsanteile enthalten. Beschafft oder verwendet der Betrieb nur eine bestimmte Lösung, können trotzdem fachliche Alternativen als Entscheidungsgrundlage betrachtet und begründet ausgeschlossen werden.
| Kompetenz | Möglicher Nachweis im Projekt |
|---|---|
| Anforderungsanalyse | Ist-Zustand, Auftrag, Beteiligte, Muss-Kriterien und Randbedingungen erfassen |
| Lösungsplanung | Alternativen nach Leistung, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Erweiterbarkeit und Support vergleichen |
| Umsetzung | Systemänderung oder -erweiterung fachgerecht durchführen und in die Gesamtinfrastruktur integrieren |
| Qualitätssicherung | Tests, Abnahmekriterien, Fehlerbehandlung und Schutzmaßnahmen nachvollziehbar anwenden |
| Übergabe | Ergebnis dokumentieren, adressatengerecht erläutern und geordnet an den Betrieb übergeben |
Der betriebliche Nutzen
Zu jedem Projekt gehört ein begründeter Nutzen. Dieser muss nicht ausschließlich eine direkte Kosteneinsparung sein, sollte aber zur Ausgangssituation und zum Projektziel passen und soweit möglich messbar werden.
- Arbeitszeit, Betriebs- oder Lizenzkosten reduzieren
- Leistung, Verfügbarkeit oder benötigte Verarbeitungsgeschwindigkeit verbessern
- Fehleranfälligkeit, manuelle Nacharbeit oder Ausfallrisiken verringern
- IT-Sicherheit, Datenschutz, Wiederherstellbarkeit oder Nachvollziehbarkeit erhöhen
- Administration standardisieren oder bisher gebundene Beschäftigte entlasten
- notwendige Migrationen, Herstellerwechsel oder vorgeschriebene Systemumstellungen sicher umsetzen
Mögliche Themenfelder
Die folgenden Felder dienen als Orientierung. Ein Produktname allein macht noch kein Projekt aus. Entscheidend sind der konkrete betriebliche Auftrag, eine angemessene Komplexität und erkennbare eigene Entscheidungen. Die Machbarkeit muss immer mit dem Betrieb und den regionalen IHK-Vorgaben geprüft werden.
| Themenfeld | Beispiele für betriebliche Aufgaben |
|---|---|
| Netzwerk | Standorte koppeln, Netzwerk segmentieren, WLAN-Zugang planen, IP-Adressmanagement oder Monitoring einführen |
| Server und Infrastruktur | Verzeichnis-, Datei-, Druck-, DNS-, Proxy-, Update- oder Softwareverteilungsdienste bereitstellen beziehungsweise modernisieren |
| Virtualisierung und Storage | Virtuelle Infrastruktur erweitern, Workloads migrieren, Hochverfügbarkeit planen oder SAN/NAS einbinden |
| IT-Sicherheit | VPN, PKI, zentrale Authentifizierung, Firewall/DMZ, Verschlüsselung, Schwachstellen- oder Sicherheitsmonitoring umsetzen |
| Betrieb und Verwaltung | Inventarisierung, Konfigurationsmanagement, Incident-Management, Backup oder zentrale Überwachung einführen |
| Cloud und hybride Systeme | Cloud-Backup, Identitätsdienste oder hybride Dienste sicher in vorhandene Prozesse integrieren |
| Kommunikation | VoIP- oder andere Kommunikationsdienste modernisieren und in Netzwerk, Identität und Betrieb einbinden |
Praktikumsaufgaben sinnvoll dokumentieren
Kurze, regelmäßige Aufzeichnungen helfen später bei Projektfindung, Antrag und Dokumentation. Vertrauliche Betriebsdaten, Zugangsdaten und personenbezogene Informationen gehören dabei nicht in private Notizen.
- Datum, Aufgabe, Ziel und beteiligte Systeme festhalten
- eigene Tätigkeit von Beobachtung oder Unterstützung anderer unterscheiden
- Entscheidungen, Probleme, Lösungen und Testergebnisse knapp dokumentieren
- offene Fragen frühzeitig mit der Betreuung klären
- mögliche Projektideen mit Nutzen, Umfang, Risiken und benötigten Freigaben sammeln
Quellen zur fachlichen Prüfung
PDF-Download nach Anmeldung
Zum Schutz der Unterrichtsunterlagen steht der PDF-Download ausschließlich angemeldeten Nutzern zur Verfügung.
