Der Projektantrag
Der Projektantrag beschreibt, welches reale betriebliche Problem gelöst werden soll, welchen eigenen Anteil der Prüfling übernimmt und wie das Vorhaben innerhalb des zulässigen Zeitrahmens geplant wird. Er ist keine vorweggenommene Projektdokumentation, muss dem Prüfungsausschuss aber bereits eine klare Beurteilung von Berufsbezug, Komplexität, Vorgehen und Machbarkeit ermöglichen.
FISI-Projektideen vom Produkt zur bewertbaren Aufgabe entwickeln
Ein Projektthema wird nicht allein dadurch geeignet, dass eine anspruchsvolle Technik eingesetzt wird. Bewertbar wird es, wenn ein realer betrieblicher Bedarf mehrere eigene Entscheidungen erfordert und das Ergebnis als integrierter, sicher betreibbarer Service übergeben wird. Der Antrag beschreibt daher nicht „Installation von Produkt X“, sondern die Veränderung eines Systemzusammenhangs.
Die 40 Stunden umfassen beim FISI die betriebliche Projektarbeit einschließlich der Dokumentation mit praxisbezogenen Unterlagen. Der Umfang zwingt zu einer klaren Abgrenzung: Ein Standort, ein Dienst oder ein definierter Migrationsabschnitt kann passend sein; die vollständige Erneuerung einer Unternehmens-IT ist es regelmäßig nicht.
| Zu allgemein oder ausführungsorientiert | Als FISI-Projekt sinnvoll konkretisiert |
|---|---|
| „Firewall installieren“ | Segmentierung eines Verwaltungsnetzes mit Schutzbedarfsanalyse, Variantenvergleich, Regelkonzept, Migration, Tests und Übergabe |
| „Server migrieren“ | Ablösung eines Dateidienstes mit Kapazitätsanalyse, Berechtigungskonzept, Migrations- und Rückfallplan sowie Abnahmetests |
| „WLAN einrichten“ | Planung eines getrennten Mitarbeiter- und Gast-WLANs mit Ausleuchtung, Authentisierung, Netztrennung, Datenschutz und Monitoring |
| „Backup einführen“ | Entwicklung und Umsetzung eines Sicherungs- und Wiederherstellungskonzepts mit RPO/RTO, Variantenvergleich und Restore-Test |
| „Monitoring aufsetzen“ | Einführung einer zentralen Überwachung mit Servicezielen, Alarmwegen, Rollen, Pilotierung und Betriebsübergabe |
Einstiegsvoraussetzungen und Zuständigkeit
Das Abschlussprojekt wird im Praktikums- beziehungsweise Ausbildungsbetrieb durchgeführt. Deshalb sollten Projektmöglichkeiten frühzeitig mit der betrieblichen Betreuung besprochen werden. Der Betrieb muss ein reales Einsatzgebiet bieten, die notwendigen Arbeitsmittel bereitstellen und die Durchführung im betrieblichen Umfeld ermöglichen.
Maßgeblich sind immer die Vorgaben der zuständigen regionalen IHK. Formulare, Portalablauf, Einreichungsfristen, Bearbeitungszeitraum und geforderte Anlagen können sich unterscheiden. Nach der Prüfungsanmeldung werden die verbindlichen Informationen in der Regel über das jeweilige IHK-Portal oder durch den zuständigen Standort bereitgestellt.
Portal, Merkblätter, Antragsformular, Bewertungsmaßstab und verbindliche Termine prüfen.
Realen Bedarf, Ansprechpartner, Ausstattung, Berechtigungen und möglichen Durchführungszeitraum klären.
Projektbezeichnung, Ausgangssituation, Ziel, eigener Anteil, Schnittstellen und Zeitplanung ausarbeiten.
Betriebliche Betreuung und eine fachkundige, projektfremde Person auf Verständlichkeit prüfen lassen.
Vollständigkeit kontrollieren, vorgeschriebenes Portal beziehungsweise Formular verwenden und Eingangsstatus sichern.
Erst nach Genehmigung und innerhalb des freigegebenen Zeitraums durchführen; Auflagen oder Ablehnungsgründe vollständig auswerten.
Format, Uploadweg sowie Datum und Uhrzeit der zuständigen IHK verbindlich einhalten.
Projektmanagement: das Modell der vollständigen Handlung
Das Modell der vollständigen Handlung strukturiert den gesamten Arbeitsprozess. Die sechs Schritte müssen im Projekt nicht gleich lang sein, aber fachlich erkennbar und durch geeignete Unterlagen nachvollziehbar werden. Zu jeder wesentlichen Entscheidung gehört die Frage: Warum wurde diese Vorgehensweise gewählt und welche Alternative wurde verworfen?
Die Phasen sind nicht nur Überschriften für die Dokumentation. Sie beschreiben tatsächliche Tätigkeiten, aus denen beispielsweise Gesprächsnotizen, Anforderungsunterlagen, Variantenvergleiche, Pläne, Testprotokolle, Abnahmeunterlagen und eine Abschlussbewertung entstehen.
| Schritt | Leitfrage | Mögliche Nachweise |
|---|---|---|
| Informieren | Was soll getan werden und welche Anforderungen gelten? | Projektstartgespräch, Ist-Analyse, Lastenheft, Ziel- und Schnittstellenklärung |
| Planen | Wie kann der Auftrag umgesetzt werden? | Soll-Konzept, Pflichtenheft, Varianten, Ressourcen-, Termin-, Kosten- und Risikoplanung |
| Entscheiden | Welche Lösung wird aus welchen Gründen gewählt? | Nutzwert- oder Kostenvergleich, Entscheidungsmatrix, Freigabe beziehungsweise Gesprächsprotokoll |
| Ausführen | Wie wird die gewählte Lösung fachgerecht umgesetzt? | Arbeitsnachweise, Konfiguration, Änderungs- und Kundendokumentation |
| Kontrollieren | Entspricht das Ergebnis den Anforderungen? | Testfälle, Testprotokolle, Soll-Ist-Vergleich, Fehler- und Abnahmeprotokoll |
| Bewerten | Was wurde erreicht und was lässt sich verbessern? | Zielbewertung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, Projektabschlussgespräch und Lessons Learned |
Ein geeignetes Projekt abgrenzen
Für die Fachrichtung Systemintegration muss das Projekt einen komplexen IT-Systemzusammenhang betreffen. Geeignet sind beispielsweise das Realisieren oder Anpassen eines Systems sowie das Erweitern eines Gesamtsystems durch neue Komponenten. Anforderungsanalyse, Planung, technische und wirtschaftliche Entscheidungen, Inbetriebnahme und Übergabe müssen zum eigenen Auftrag gehören.
Eine reine Installation nach vorgegebener Schrittfolge besitzt häufig zu wenig eigenen Entscheidungsanteil. Auch eine Migration kann geeignet sein, wenn sie um Analyse, Variantenentscheidung, Testkonzept, Rückfallplanung, Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sowie eine geregelte Übergabe ergänzt wird. Ein Pflichtenheft kann dabei die Verbindung zwischen Anforderungen, Umsetzung, Tests und Dokumentation herstellen.
- Projektbezeichnung nennt Tätigkeit und Gegenstand, nicht nur einen Produktnamen.
- Ausgangssituation erklärt das konkrete betriebliche Problem und die betroffenen Bereiche.
- Projektziel ist erreichbar, berufsbezogen, messbar und nach Projektende überprüfbar.
- Eigener Anteil und Schnittstellen zu Betrieb, Kunden, Dienstleistern oder anderen Teilprojekten sind eindeutig.
- Technische, wirtschaftliche, organisatorische und sicherheitsbezogene Anforderungen werden berücksichtigt.
- Das Projekt ist realistisch, praxisnah, vollständig dokumentierbar und innerhalb der zulässigen Zeit durchführbar.
Grundgerüst des Projektantrags
| Antragsbereich | Was er verständlich beantworten muss |
|---|---|
| Projekttitel | Welche eigene Tätigkeit wird an welchem System oder Prozess durchgeführt? |
| Kurzbeschreibung | Worum geht es, ohne den Antrag mit technischen Einzelheiten oder Wiederholungen zu überladen? |
| Projektumfeld | Wer ist Auftraggeber, wo findet das Projekt statt und welche Systeme oder Beteiligten bilden den Rahmen? |
| Ist-Zustand | Welches Problem, welcher Bedarf oder welche Einschränkung besteht vor Projektbeginn? |
| Soll-Zustand und Ziele | Was soll verbessert werden und woran lässt sich die Zielerreichung später belegen? |
| Eigene Tätigkeiten | Welche Analysen, Planungen, Entscheidungen, Umsetzungen und Prüfungen führt der Prüfling selbst durch? |
| Abgrenzung | Was ist nicht Teil des Projekts und welche Übergabe- beziehungsweise Übernahmepunkte bestehen? |
| Wirtschaftlichkeit | Welcher betriebliche Nutzen entsteht und wie werden Kosten oder Alternativen verglichen? |
| Qualitätssicherung | Welche Testfälle, Abnahmekriterien und Nachweise prüfen die erfolgreiche Umsetzung? |
| Zeitplanung | Wie verteilen sich die nachvollziehbaren Tätigkeiten auf Projektphasen und Teilaufgaben? |
| Dokumentation und Hilfsmittel | Welche praxisbezogenen Unterlagen, Werkzeuge und Dokumentationsformen werden verwendet? |
Zeitplanung nachvollziehbar aufbauen
Für Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration dürfen Projektarbeit und Dokumentation zusammen höchstens 40 Stunden beanspruchen. Die Zeitplanung muss die eigenen Tätigkeiten abbilden und rechnerisch vollständig sein. Große, unspezifische Stundenblöcke erschweren die Bewertung und sollten in aussagekräftige Teilaufgaben zerlegt werden.
Planungs-, Entscheidungs-, Ressourcen-, Kosten-, Risiko-, Test-, Übergabe- und Dokumentationsanteile dürfen nicht fehlen. Tests sind fachliche Projektarbeit: Testfälle müssen aus den Anforderungen abgeleitet, durchgeführt und protokolliert werden. Der konkrete Umfang einzelner Blöcke richtet sich nach dem Projekt und den Vorgaben der zuständigen IHK; starre Musterwerte sind keine allgemeingültige Vorgabe.
| Phase | Typische Tätigkeiten |
|---|---|
| Analyse | Projektstart, Ist-Aufnahme, Anforderungen, Ziele, Risiken und Schnittstellen |
| Planung und Entscheidung | Soll-Konzept, Varianten, Wirtschaftlichkeit, Ressourcen, Termine und begründete Auswahl |
| Durchführung | Technische Umsetzung, Konfiguration, Integration und laufende Arbeitsnachweise |
| Kontrolle | Testvorbereitung, Testdurchführung, Fehlerkorrektur und Soll-Ist-Vergleich |
| Abschluss | Übergabe, Abnahme, Kundendokumentation, Bewertung und Projektdokumentation |
Qualitätsprüfung vor der Abgabe
- Ausschließlich das Formular beziehungsweise Portal der zuständigen IHK verwenden.
- Alle Pflichtfelder, Daten, Bestätigungen und betrieblichen Ansprechpartner vollständig angeben.
- Überschriften und Eingabefelder zuerst vollständig sichten und Inhalte ohne unnötige Dopplungen zuordnen.
- Kurze, eindeutige Sätze verwenden und nur projektbezogene Informationen aufnehmen.
- Berufsbezug, angemessenes Niveau, betriebliche Verankerung und eigener Anteil müssen ohne Vermutungen erkennbar sein.
- Projektziel, Nutzen, Übergabe und Abnahmekriterien müssen messbar beziehungsweise prüfbar sein.
- Stundenplanung addieren und auf vollständige Phasen, realistische Dauer sowie nachvollziehbare Teilaufgaben prüfen.
- Eine projektfremde Person soll nach dem Lesen erklären können, was vorher besteht, was verändert wird und was der Prüfling selbst tut.
Wenn der Projektantrag abgelehnt wurde
Eine Ablehnung bedeutet nicht automatisch, dass das gesamte Thema ungeeignet ist. Zuerst werden Entscheidung, Hinweise und gegebenenfalls Auflagen des Prüfungsausschusses vollständig gelesen. Anschließend wird gezielt die beanstandete Stelle überarbeitet; allgemeine Best-Practice-Hinweise ersetzen dabei nicht die konkrete Rückmeldung der IHK.
Ablehnungsgrund in konkrete Anforderungen übersetzen und bei Unklarheiten den vorgesehenen IHK-Kontaktweg nutzen.
Projektbezeichnung so formulieren, dass Handlung, Systembezug und Berufsbild erkennbar werden.
Zielkriterien ergänzen, die durch Tests, Soll-Ist-Vergleich oder Abnahme nachgewiesen werden können.
Nicht nur den späteren Systemzustand beschreiben, sondern Analyse, Entscheidung, Umsetzung und Prüfung des Teilnehmenden.
Unklare Blöcke aufteilen, fehlende Phasen ergänzen und Dokumentations- sowie Testaufwand realistisch einplanen.
Überarbeitete Fassung mit betrieblicher und fachlicher Betreuung prüfen und fristgerecht neu einreichen.
IBB-interne Projektbegleitung
Neben der betrieblichen Betreuung können Fragen zur Projektvorbereitung über die fachlichen Ansprechpartner der IBB US geklärt werden. Die ILIAS-Benutzernamen stehen in Klammern. Für verbindliche Prüfungsentscheidungen und regionale Vorgaben bleibt die zuständige IHK maßgeblich.
| Ansprechpartner | ILIAS | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Sebastian Regenberg | sregenberg | Anwendungsentwicklung sowie Daten- und Prozessanalyse |
| Mark Kevin Braun | mabraun | Systemintegration |
| Bernd Weißflog | beweissflog | Systemintegration |
| Erik Fries | efries | Allgemeine Projektfragen |
| Tomas Krenz | — | Allgemeine Projektfragen |
Quellen zur fachlichen Prüfung
Dateien zum Projektantrag
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