13.1 Software
Software umfasst Programme und die zugehörigen Bestandteile, die ein Computersystem steuern oder eine fachliche Aufgabe lösen. Sie bildet die veränderbare logische Ebene eines IT-Systems und arbeitet über Betriebssystem, Treiber und Firmware mit der Hardware zusammen.
Was Software ist
Der Ausdruck Software wird häufig als Gegenbegriff zu Hardware verwendet. Hardware bezeichnet die physischen Bestandteile eines Systems; Software beschreibt unter anderem ausführbare Programme, Bibliotheken, Konfigurationen und je nach Betrachtung auch die zugehörige Dokumentation und betriebsnotwendige Daten.
ISO/IEC/IEEE 24765 stellt ein gemeinsames Vokabular für System- und Softwareentwicklung bereit. In der Praxis hängt die genaue Abgrenzung vom Kontext ab: Eine Firmware ist Software, wird wegen ihrer engen Bindung an ein Gerät aber oft gesondert betrachtet.
| Bestandteil | Einordnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Programm | Ausführbare Anweisungen zur Verarbeitung von Eingaben und Zuständen | Textverarbeitung, Webserver oder Backup-Programm |
| Bibliothek oder Laufzeitumgebung | Stellt wiederverwendbare Funktionen für andere Programme bereit | Systembibliothek, .NET- oder Java-Laufzeitumgebung |
| Konfiguration | Legt das Verhalten einer Software fest | Konfigurationsdatei, Richtlinie oder Umgebungsvariable |
| Dokumentation | Beschreibt Installation, Bedienung, Schnittstellen und Betrieb | Administratorhandbuch oder API-Dokumentation |
| Daten | Werden von Software verarbeitet, sind aber nicht automatisch selbst Software | Dokument, Datenbankinhalt, Bild oder Messwert |
Softwarearten im Überblick
Die Grenzen sind nicht immer scharf. Ein Datenbankmanagementsystem kann beispielsweise Infrastruktur für Anwendungen, Serverdienst und Entwicklungsplattform zugleich sein. Entscheidend ist die Funktion im betrachteten System.
| Kategorie | Aufgabe | Beispiele |
|---|---|---|
| Anwendungssoftware | Unterstützt Menschen oder Organisationen bei einer konkreten fachlichen Aufgabe | Office, Browser, Warenwirtschaft, Kommunikation, Grafik und Medien |
| Betriebssystem | Verwaltet Hardware-Ressourcen und stellt grundlegende Dienste für Programme bereit | Windows, Linux-Distributionen, macOS, Android und iOS/iPadOS |
| System- und Hilfsprogramm | Verwaltet, schützt, diagnostiziert oder wartet ein System | Backup, Monitoring, Datenträgerverwaltung, Endpoint-Schutz und Archivierung |
| Entwicklungssoftware | Unterstützt Entwurf, Implementierung, Test und Bereitstellung | Editor, IDE, Compiler, Debugger, Versionsverwaltung und Build-Werkzeug |
| Schadsoftware | Führt unerwünschte oder schädliche Funktionen aus | Virus, Wurm, Trojaner, Ransomware, Spyware oder Bot |
Anwendungssoftware: Büro, Web und Kommunikation
| Einsatzgebiet | Heutige und weiterhin relevante Beispiele | Historische Einordnung |
|---|---|---|
| Büroanwendungen | Microsoft 365 beziehungsweise Office sowie LibreOffice; Apache OpenOffice existiert ebenfalls | Microsoft Works und StarOffice wurden eingestellt. |
| Webbrowser | Microsoft Edge, Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari und Opera | Internet Explorer ist als eigenständige Desktop-Anwendung außer Betrieb; IE-Modus in Edge dient nur der Kompatibilität mit Altanwendungen. |
| E-Mail und Groupware | Microsoft Outlook, Mozilla Thunderbird, Apple Mail sowie webbasierte Dienste | Windows Live Mail und Opera Mail wurden eingestellt; Pegasus Mail, The Bat! und SeaMonkey sind eher spezialisierte beziehungsweise weniger verbreitete Angebote. |
| Kommunikation | Chat, Videokonferenz, Kollaboration und soziale Plattformen | Die Funktion verteilt sich heute häufig auf Web-, Desktop- und Mobilanwendungen. |
| Warenwirtschaft und Fachverfahren | ERP-, CRM-, Ticket-, Lern- und Branchenlösungen | Diese Anwendungen können lokal, als Client-Server-System oder als SaaS betrieben werden. |
Anwendungssoftware: Grafik, 3D, Audio und Video
| Bereich | Beispiele und Einordnung |
|---|---|
| Bildbearbeitung und Grafik | Microsoft Paint, Adobe Photoshop, CorelDRAW, GIMP und PaintShop Pro decken vom einfachen Zeichnen bis zur professionellen Pixel- und Vektorbearbeitung unterschiedliche Aufgaben ab. |
| 3D-Modellierung und CAD | Autodesk Maya und 3ds Max, Cinema 4D, Blender sowie CAD-Systeme für Konstruktion und Bauplanung. trueSpace ist ein historisches, eingestelltes Produkt. |
| Medienwiedergabe | Betriebssystemeigene Medienplayer, VLC, Kodi als Nachfolger von XBMC und Winamp sind Beispiele für lokale Wiedergabe; Streaming findet oft im Browser oder in Apps statt. |
| Audio- und Videobearbeitung | WaveLab, Reason, Adobe Premiere Pro, Pinnacle Studio sowie MAGIX Video Pro X und Movie Studio. Windows Movie Maker ist ein historisches, eingestelltes Beispiel. |
Datenbanksysteme
Ein Datenbankmanagementsystem, kurz DBMS, speichert und verwaltet strukturierte Daten und stellt Abfrage-, Änderungs-, Rechte-, Sicherungs- und Transaktionsfunktionen bereit. Eine Datenbank ist der verwaltete Datenbestand; das DBMS ist die Software, die damit arbeitet.
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| Relationale Server-DBMS | MySQL, Oracle Database, Microsoft SQL Server und PostgreSQL |
| Desktop- und Low-Code-nahe Systeme | Microsoft Access und Claris FileMaker |
| Historische Produkte | Lotus-Datenbankprodukte und Microsoft Visual FoxPro besitzen heute hauptsächlich Bedeutung in bestehenden Altsystemen. |
Entwicklungssoftware und Webentwicklung
Eine integrierte Entwicklungsumgebung, IDE, verbindet typischerweise Editor, Projektverwaltung, Build-Funktionen, Debugger und Erweiterungen. Daneben werden einzelne Werkzeuge wie Versionsverwaltung, Compiler, Paketmanager, Testframeworks und Containerwerkzeuge kombiniert.
| Werkzeugart | Beispiele und heutige Bedeutung |
|---|---|
| Editor und IDE | Visual Studio, Visual Studio Code, JetBrains-IDEs und weitere sprach- oder plattformspezifische Umgebungen |
| Webentwicklung | Quelltexteditor, Browser-Entwicklerwerkzeuge, Versionsverwaltung, Paketmanager, Build-Systeme und lokale Testumgebungen |
| Visuelle Webwerkzeuge | Adobe Dreamweaver ist weiterhin ein Beispiel; Microsoft FrontPage und Serif WebPlus sind eingestellt. „Adobe Creator“ ist keine eindeutige heutige Produktbezeichnung. |
System- und Hilfsprogramme
Bekannte Anbieter von Endpoint-Schutz sind unter anderem Microsoft, ESET, Sophos, G DATA, Avast, AVG, Norton, McAfee und Kaspersky. Eine Produktliste sagt jedoch nichts über Eignung, Datenschutz, Verwaltungsfunktionen oder aktuellen Schutz aus; diese Eigenschaften müssen anhand der jeweiligen Anforderungen geprüft werden.
Eine Personal Firewall kontrolliert Netzwerkverkehr auf einem einzelnen Endgerät. Moderne Betriebssysteme bringen eine Host-Firewall mit. Produkte wie ZoneAlarm oder Comodo sowie das eingestellte Outpost sind Beispiele aus der Entwicklung dieses Marktsegments. Eine Firewall ersetzt weder Updates noch Malware-Schutz, Rechtekonzept oder Netzsegmentierung.
- Datensicherung und Wiederherstellung
- Monitoring, Protokollanalyse und Diagnose
- Archivierung, Komprimierung und Dateiverwaltung
- Datenträger-, Partitions- und Speicherverwaltung
- Paketverwaltung, Aktualisierung und Softwareinventarisierung
- Endpoint-Schutz, Malware-Erkennung und Host-Firewall
Schadsoftware kompakt
Schadsoftware ist Software, aber keine reguläre Schicht eines Systems. Sie kann unterschiedliche Schichten und Anwendungen angreifen. Das eigene Kapitel zur Schadsoftware behandelt Infektionswege, Schutzmaßnahmen und Vorfallsbehandlung ausführlicher.
| Art | Kennzeichen |
|---|---|
| Virus | Hängt sich an Dateien oder andere Wirte und verbreitet sich bei deren Ausführung. |
| Wurm | Verbreitet sich selbstständig, häufig über Netzwerke oder ausgenutzte Schwachstellen. |
| Trojaner | Tarnt sich als nützliche oder harmlose Software und führt unerwünschte Funktionen aus. |
| Ransomware | Verschlüsselt oder sperrt Daten und Systeme und verbindet dies typischerweise mit einer Erpressung. |
| Spyware | Sammelt Informationen über Systeme oder Benutzer ohne ausreichende Zustimmung. |
| Bot oder Backdoor | Ermöglicht Fernsteuerung beziehungsweise einen verdeckten Zugang zu einem kompromittierten System. |
Betriebssystemfamilien
| Einsatzbereich | Beispiele | Einordnung |
|---|---|---|
| Desktop und Notebook | Windows 11, macOS und Linux-Distributionen | Windows 10 erreichte am 14. Oktober 2025 das reguläre Supportende; Sondereditionen und kostenpflichtige Programme können abweichende Fristen besitzen. |
| Server | Windows Server, Linux-Distributionen, BSD- und kommerzielle UNIX-Systeme | Auswahl und Version richten sich nach Support, Anwendungen, Hardware, Betriebsmodell und Sicherheitsanforderungen. |
| Smartphone und Tablet | Android, iOS und iPadOS | Windows Mobile und Symbian sind historische Plattformen ohne heutige allgemeine Marktrolle. |
| Historische Windows-Clients | Windows NT, 2000, XP, Vista, 7, 8 und frühere Windows-10-Versionen | Diese Bezeichnungen sind für Altgeräte und Migrationen relevant, aber kein geeigneter Standard für neue Systeme. |
| Historische und spezielle UNIX-Namen | HP-UX, Solaris, SCO UNIX und FreeBSD | FreeBSD ist ein BSD-System und kein klassisches kommerzielles UNIX; andere Plattformen werden vor allem in spezialisierten Bestandsumgebungen eingesetzt. |
Software im Schichtenmodell
Anwendungssoftware nutzt Dienste des Betriebssystems und weiterer Laufzeit- oder Systemkomponenten. Das Betriebssystem verwaltet Prozesse, Speicher, Dateien, Benutzerrechte und Gerätezugriffe. Treiber übersetzen Betriebssystemanforderungen für konkrete Hardware; Firmware läuft besonders hardwarenah direkt auf Geräten oder eingebetteten Controllern.
Nutzungsrechte und Lizenzmodelle
„Kommerziell“ und „Open Source“ sind keine Gegensätze: Open-Source-Software darf verkauft und kommerziell eingesetzt werden, sofern die jeweilige Lizenz eingehalten wird. Maßgeblich ist stets der konkrete Lizenztext. SPDX-Kennungen helfen, Softwarelizenzen eindeutig zu benennen.
| Begriff | Was er aussagt | Was zusätzlich geprüft werden muss |
|---|---|---|
| Proprietäre Software | Nutzung wird durch den Rechteinhaber und einen Lizenzvertrag geregelt; der Quellcode ist gewöhnlich nicht offen. | Lizenzumfang, Geräte oder Benutzer, Laufzeit, Übertragbarkeit und erlaubte Nutzung |
| Freeware | Software wird ohne Kaufpreis angeboten. | Kostenlos bedeutet nicht automatisch Open Source oder freie Änderung und Weitergabe. |
| Shareware oder Testversion | Zeitlich oder funktional eingeschränkte Erprobung vor dem Erwerb. | Testdauer, Funktionsgrenzen und Bedingungen nach Ablauf |
| Open Source | Quellcode und Nutzungsrechte werden unter einer Lizenz bereitgestellt, die die Open-Source-Kriterien erfüllt. | Konkrete Lizenzpflichten, Hinweise, Weitergabe, Änderungen und mögliche Copyleft-Wirkung |
| Public Domain beziehungsweise Gemeinfreiheit | Soweit rechtlich wirksam, bestehen keine ausschließlichen urheberrechtlichen Nutzungsbeschränkungen. | Rechtsordnung, Marken, Patente, Haftung und Herkunft |
| Abonnement oder SaaS | Nutzungsrecht und Dienst werden regelmäßig bezahlt beziehungsweise online bereitgestellt. | Datenstandort, Export, Verfügbarkeit, Vertragsende, Konten und Abhängigkeit vom Anbieter |
Technische und betriebliche Merkmale
| Prüffrage | Heutige Einordnung |
|---|---|
| Ist eine Installation erforderlich? | Möglich sind klassische Installation, portable Anwendung, App-Store, Webanwendung, Container oder zentral bereitgestellte virtuelle Anwendung. |
| An welches Betriebssystem ist die Software gebunden? | Native Programme können plattformspezifisch sein; Web- und Laufzeitumgebungen können Portabilität erhöhen, beseitigen Abhängigkeiten aber nicht vollständig. |
| Einzelplatz oder Netzwerk? | Zusätzlich sind Client-Server, Mehrbenutzerbetrieb, Cloud/SaaS, Offlinefähigkeit und Synchronisation zu betrachten. |
| Ein- oder Mehrkernprozessor? | Moderne Betriebssysteme verteilen Prozesse und Threads. Eine Anwendung profitiert nur dann stark von mehreren Kernen, wenn ihre Arbeit parallelisiert werden kann. |
| 32 oder 64 Bit? | Anwendung, Betriebssystem, Prozessorarchitektur, Treiber und Erweiterungen müssen kompatibel sein. 64-Bit-Systeme sind heute üblich; 32-Bit-Software bleibt teilweise in Altsystemen relevant. |
| Wie wird die Software betrieben? | Supportzeitraum, Updates, Identitäten, Berechtigungen, Protokollierung, Backup, Datenschutz und Abhängigkeiten gehören zur Bewertung. |
Software kontrolliert installieren
Zweck, Lizenz, Systemanforderungen, Abhängigkeiten und betriebliche Freigabe klären.
Herstellerseite, freigegebenes Repository, Paketmanager oder verwalteten App-Store verwenden.
Herausgeber, digitale Signatur, Version und falls vorgesehen Prüfsumme kontrollieren.
Testsystem, Sicherung oder Snapshot, Wartungsfenster, Benutzer- oder Systeminstallation und benötigte Rechte festlegen.
Zielpfad, Komponenten, Dienste, Autostart, Dateizuordnungen und zusätzliche Angebote prüfen.
Start, Kernfunktionen, Updates, Protokolle, Netzwerkzugriffe und Zusammenspiel mit Schutzsystemen kontrollieren.
Version, Lizenz, Installationsquelle, Verantwortlichkeit, Konfiguration und Wiederherstellungsweg erfassen.
Software sauber deinstallieren
Software wird über den vorgesehenen Paketmanager, App-Store, die Betriebssystemverwaltung oder den Hersteller-Deinstaller entfernt. Das bloße Löschen des Programmordners kann Dienste, Treiber, Registry-Einträge, Paketinformationen, gemeinsam genutzte Bibliotheken und Benutzerdaten zurücklassen.
- Vorher klären, ob Konfigurationen, Schlüssel oder Nutzdaten gesichert beziehungsweise exportiert werden müssen.
- Abhängige Dienste und Benutzer informieren oder kontrolliert stoppen.
- Vorgesehenen Deinstallationsweg verwenden und erforderlichen Neustart durchführen.
- Verbliebene Daten nur nach Prüfung von Zweck, Aufbewahrung und Zuständigkeit entfernen.
- Inventar, Lizenzen, Dokumentation und Monitoring anschließend aktualisieren.
Praxisbeispiel in einer Test-VM
Eine Installation wie Notepad++ kann in einer virtuellen Testmaschine nachvollzogen werden: Snapshot erstellen, Installationsquelle und Signatur prüfen, Optionen dokumentieren, Anwendung starten und aktualisieren, anschließend über die Betriebssystemverwaltung deinstallieren und den Zustand kontrollieren. Die VM verhindert nicht automatisch Schadwirkungen, erleichtert aber eine reproduzierbare und rücksetzbare Übungsumgebung.
Zusammenfassung
Software reicht von Anwendungen über Betriebssysteme, Treiber, Firmware und Hilfsprogramme bis zu Entwicklungswerkzeugen. Daten gehören zum Betrieb, sind aber nicht automatisch selbst Programme. Kategorien überschneiden sich und werden deshalb nach ihrer Funktion im konkreten System beurteilt.
Bei Auswahl und Betrieb zählen Lizenz, Support, Updates, Sicherheit, Datenhaltung und Abhängigkeiten. Installation und Entfernung erfolgen kontrolliert.
Quellen zur fachlichen Prüfung
- ISO/IEC/IEEE 24765:2017 - Systems and software engineering vocabulary
- Open Source Initiative: The Open Source Definition
- SPDX: Standardisierte Kennungen für Softwarelizenzen
- Microsoft: Windows 10 erreichte am 14. Oktober 2025 das Supportende
- Microsoft: Supportende der Internet-Explorer-11-Desktopanwendung
- Microsoft: Anwendungen und Programme ordnungsgemäß deinstallieren
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