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Kapitel 13

13.1 Software

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Fachlich geprüftStand: 28. Juli 2026

Software umfasst Programme und die zugehörigen Bestandteile, die ein Computersystem steuern oder eine fachliche Aufgabe lösen. Sie bildet die veränderbare logische Ebene eines IT-Systems und arbeitet über Betriebssystem, Treiber und Firmware mit der Hardware zusammen.

Was Software ist

Der Ausdruck Software wird häufig als Gegenbegriff zu Hardware verwendet. Hardware bezeichnet die physischen Bestandteile eines Systems; Software beschreibt unter anderem ausführbare Programme, Bibliotheken, Konfigurationen und je nach Betrachtung auch die zugehörige Dokumentation und betriebsnotwendige Daten.

ISO/IEC/IEEE 24765 stellt ein gemeinsames Vokabular für System- und Softwareentwicklung bereit. In der Praxis hängt die genaue Abgrenzung vom Kontext ab: Eine Firmware ist Software, wird wegen ihrer engen Bindung an ein Gerät aber oft gesondert betrachtet.

BestandteilEinordnungBeispiel
ProgrammAusführbare Anweisungen zur Verarbeitung von Eingaben und ZuständenTextverarbeitung, Webserver oder Backup-Programm
Bibliothek oder LaufzeitumgebungStellt wiederverwendbare Funktionen für andere Programme bereitSystembibliothek, .NET- oder Java-Laufzeitumgebung
KonfigurationLegt das Verhalten einer Software festKonfigurationsdatei, Richtlinie oder Umgebungsvariable
DokumentationBeschreibt Installation, Bedienung, Schnittstellen und BetriebAdministratorhandbuch oder API-Dokumentation
DatenWerden von Software verarbeitet, sind aber nicht automatisch selbst SoftwareDokument, Datenbankinhalt, Bild oder Messwert

Softwarearten im Überblick

Die Grenzen sind nicht immer scharf. Ein Datenbankmanagementsystem kann beispielsweise Infrastruktur für Anwendungen, Serverdienst und Entwicklungsplattform zugleich sein. Entscheidend ist die Funktion im betrachteten System.

KategorieAufgabeBeispiele
AnwendungssoftwareUnterstützt Menschen oder Organisationen bei einer konkreten fachlichen AufgabeOffice, Browser, Warenwirtschaft, Kommunikation, Grafik und Medien
BetriebssystemVerwaltet Hardware-Ressourcen und stellt grundlegende Dienste für Programme bereitWindows, Linux-Distributionen, macOS, Android und iOS/iPadOS
System- und HilfsprogrammVerwaltet, schützt, diagnostiziert oder wartet ein SystemBackup, Monitoring, Datenträgerverwaltung, Endpoint-Schutz und Archivierung
EntwicklungssoftwareUnterstützt Entwurf, Implementierung, Test und BereitstellungEditor, IDE, Compiler, Debugger, Versionsverwaltung und Build-Werkzeug
SchadsoftwareFührt unerwünschte oder schädliche Funktionen ausVirus, Wurm, Trojaner, Ransomware, Spyware oder Bot

Anwendungssoftware: Büro, Web und Kommunikation

EinsatzgebietHeutige und weiterhin relevante BeispieleHistorische Einordnung
BüroanwendungenMicrosoft 365 beziehungsweise Office sowie LibreOffice; Apache OpenOffice existiert ebenfallsMicrosoft Works und StarOffice wurden eingestellt.
WebbrowserMicrosoft Edge, Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari und OperaInternet Explorer ist als eigenständige Desktop-Anwendung außer Betrieb; IE-Modus in Edge dient nur der Kompatibilität mit Altanwendungen.
E-Mail und GroupwareMicrosoft Outlook, Mozilla Thunderbird, Apple Mail sowie webbasierte DiensteWindows Live Mail und Opera Mail wurden eingestellt; Pegasus Mail, The Bat! und SeaMonkey sind eher spezialisierte beziehungsweise weniger verbreitete Angebote.
KommunikationChat, Videokonferenz, Kollaboration und soziale PlattformenDie Funktion verteilt sich heute häufig auf Web-, Desktop- und Mobilanwendungen.
Warenwirtschaft und FachverfahrenERP-, CRM-, Ticket-, Lern- und BranchenlösungenDiese Anwendungen können lokal, als Client-Server-System oder als SaaS betrieben werden.

Anwendungssoftware: Grafik, 3D, Audio und Video

BereichBeispiele und Einordnung
Bildbearbeitung und GrafikMicrosoft Paint, Adobe Photoshop, CorelDRAW, GIMP und PaintShop Pro decken vom einfachen Zeichnen bis zur professionellen Pixel- und Vektorbearbeitung unterschiedliche Aufgaben ab.
3D-Modellierung und CADAutodesk Maya und 3ds Max, Cinema 4D, Blender sowie CAD-Systeme für Konstruktion und Bauplanung. trueSpace ist ein historisches, eingestelltes Produkt.
MedienwiedergabeBetriebssystemeigene Medienplayer, VLC, Kodi als Nachfolger von XBMC und Winamp sind Beispiele für lokale Wiedergabe; Streaming findet oft im Browser oder in Apps statt.
Audio- und VideobearbeitungWaveLab, Reason, Adobe Premiere Pro, Pinnacle Studio sowie MAGIX Video Pro X und Movie Studio. Windows Movie Maker ist ein historisches, eingestelltes Beispiel.

Datenbanksysteme

Ein Datenbankmanagementsystem, kurz DBMS, speichert und verwaltet strukturierte Daten und stellt Abfrage-, Änderungs-, Rechte-, Sicherungs- und Transaktionsfunktionen bereit. Eine Datenbank ist der verwaltete Datenbestand; das DBMS ist die Software, die damit arbeitet.

GruppeBeispiele
Relationale Server-DBMSMySQL, Oracle Database, Microsoft SQL Server und PostgreSQL
Desktop- und Low-Code-nahe SystemeMicrosoft Access und Claris FileMaker
Historische ProdukteLotus-Datenbankprodukte und Microsoft Visual FoxPro besitzen heute hauptsächlich Bedeutung in bestehenden Altsystemen.

Entwicklungssoftware und Webentwicklung

Eine integrierte Entwicklungsumgebung, IDE, verbindet typischerweise Editor, Projektverwaltung, Build-Funktionen, Debugger und Erweiterungen. Daneben werden einzelne Werkzeuge wie Versionsverwaltung, Compiler, Paketmanager, Testframeworks und Containerwerkzeuge kombiniert.

WerkzeugartBeispiele und heutige Bedeutung
Editor und IDEVisual Studio, Visual Studio Code, JetBrains-IDEs und weitere sprach- oder plattformspezifische Umgebungen
WebentwicklungQuelltexteditor, Browser-Entwicklerwerkzeuge, Versionsverwaltung, Paketmanager, Build-Systeme und lokale Testumgebungen
Visuelle WebwerkzeugeAdobe Dreamweaver ist weiterhin ein Beispiel; Microsoft FrontPage und Serif WebPlus sind eingestellt. „Adobe Creator“ ist keine eindeutige heutige Produktbezeichnung.

System- und Hilfsprogramme

Bekannte Anbieter von Endpoint-Schutz sind unter anderem Microsoft, ESET, Sophos, G DATA, Avast, AVG, Norton, McAfee und Kaspersky. Eine Produktliste sagt jedoch nichts über Eignung, Datenschutz, Verwaltungsfunktionen oder aktuellen Schutz aus; diese Eigenschaften müssen anhand der jeweiligen Anforderungen geprüft werden.

Eine Personal Firewall kontrolliert Netzwerkverkehr auf einem einzelnen Endgerät. Moderne Betriebssysteme bringen eine Host-Firewall mit. Produkte wie ZoneAlarm oder Comodo sowie das eingestellte Outpost sind Beispiele aus der Entwicklung dieses Marktsegments. Eine Firewall ersetzt weder Updates noch Malware-Schutz, Rechtekonzept oder Netzsegmentierung.

  • Datensicherung und Wiederherstellung
  • Monitoring, Protokollanalyse und Diagnose
  • Archivierung, Komprimierung und Dateiverwaltung
  • Datenträger-, Partitions- und Speicherverwaltung
  • Paketverwaltung, Aktualisierung und Softwareinventarisierung
  • Endpoint-Schutz, Malware-Erkennung und Host-Firewall

Schadsoftware kompakt

Schadsoftware ist Software, aber keine reguläre Schicht eines Systems. Sie kann unterschiedliche Schichten und Anwendungen angreifen. Das eigene Kapitel zur Schadsoftware behandelt Infektionswege, Schutzmaßnahmen und Vorfallsbehandlung ausführlicher.

ArtKennzeichen
VirusHängt sich an Dateien oder andere Wirte und verbreitet sich bei deren Ausführung.
WurmVerbreitet sich selbstständig, häufig über Netzwerke oder ausgenutzte Schwachstellen.
TrojanerTarnt sich als nützliche oder harmlose Software und führt unerwünschte Funktionen aus.
RansomwareVerschlüsselt oder sperrt Daten und Systeme und verbindet dies typischerweise mit einer Erpressung.
SpywareSammelt Informationen über Systeme oder Benutzer ohne ausreichende Zustimmung.
Bot oder BackdoorErmöglicht Fernsteuerung beziehungsweise einen verdeckten Zugang zu einem kompromittierten System.

Betriebssystemfamilien

EinsatzbereichBeispieleEinordnung
Desktop und NotebookWindows 11, macOS und Linux-DistributionenWindows 10 erreichte am 14. Oktober 2025 das reguläre Supportende; Sondereditionen und kostenpflichtige Programme können abweichende Fristen besitzen.
ServerWindows Server, Linux-Distributionen, BSD- und kommerzielle UNIX-SystemeAuswahl und Version richten sich nach Support, Anwendungen, Hardware, Betriebsmodell und Sicherheitsanforderungen.
Smartphone und TabletAndroid, iOS und iPadOSWindows Mobile und Symbian sind historische Plattformen ohne heutige allgemeine Marktrolle.
Historische Windows-ClientsWindows NT, 2000, XP, Vista, 7, 8 und frühere Windows-10-VersionenDiese Bezeichnungen sind für Altgeräte und Migrationen relevant, aber kein geeigneter Standard für neue Systeme.
Historische und spezielle UNIX-NamenHP-UX, Solaris, SCO UNIX und FreeBSDFreeBSD ist ein BSD-System und kein klassisches kommerzielles UNIX; andere Plattformen werden vor allem in spezialisierten Bestandsumgebungen eingesetzt.

Software im Schichtenmodell

Anwendungssoftware nutzt Dienste des Betriebssystems und weiterer Laufzeit- oder Systemkomponenten. Das Betriebssystem verwaltet Prozesse, Speicher, Dateien, Benutzerrechte und Gerätezugriffe. Treiber übersetzen Betriebssystemanforderungen für konkrete Hardware; Firmware läuft besonders hardwarenah direkt auf Geräten oder eingebetteten Controllern.

Schichtenmodell aus Benutzer, Anwendungssoftware, Systemdiensten, Betriebssystem, Treibern, Firmware und Hardware
Das Modell zeigt typische Abhängigkeiten. In konkreten Systemen können Schichten zusammenfallen, umgangen oder über Netzwerkgrenzen verteilt sein.Originalgröße öffnen ↗

Nutzungsrechte und Lizenzmodelle

„Kommerziell“ und „Open Source“ sind keine Gegensätze: Open-Source-Software darf verkauft und kommerziell eingesetzt werden, sofern die jeweilige Lizenz eingehalten wird. Maßgeblich ist stets der konkrete Lizenztext. SPDX-Kennungen helfen, Softwarelizenzen eindeutig zu benennen.

BegriffWas er aussagtWas zusätzlich geprüft werden muss
Proprietäre SoftwareNutzung wird durch den Rechteinhaber und einen Lizenzvertrag geregelt; der Quellcode ist gewöhnlich nicht offen.Lizenzumfang, Geräte oder Benutzer, Laufzeit, Übertragbarkeit und erlaubte Nutzung
FreewareSoftware wird ohne Kaufpreis angeboten.Kostenlos bedeutet nicht automatisch Open Source oder freie Änderung und Weitergabe.
Shareware oder TestversionZeitlich oder funktional eingeschränkte Erprobung vor dem Erwerb.Testdauer, Funktionsgrenzen und Bedingungen nach Ablauf
Open SourceQuellcode und Nutzungsrechte werden unter einer Lizenz bereitgestellt, die die Open-Source-Kriterien erfüllt.Konkrete Lizenzpflichten, Hinweise, Weitergabe, Änderungen und mögliche Copyleft-Wirkung
Public Domain beziehungsweise GemeinfreiheitSoweit rechtlich wirksam, bestehen keine ausschließlichen urheberrechtlichen Nutzungsbeschränkungen.Rechtsordnung, Marken, Patente, Haftung und Herkunft
Abonnement oder SaaSNutzungsrecht und Dienst werden regelmäßig bezahlt beziehungsweise online bereitgestellt.Datenstandort, Export, Verfügbarkeit, Vertragsende, Konten und Abhängigkeit vom Anbieter

Technische und betriebliche Merkmale

PrüffrageHeutige Einordnung
Ist eine Installation erforderlich?Möglich sind klassische Installation, portable Anwendung, App-Store, Webanwendung, Container oder zentral bereitgestellte virtuelle Anwendung.
An welches Betriebssystem ist die Software gebunden?Native Programme können plattformspezifisch sein; Web- und Laufzeitumgebungen können Portabilität erhöhen, beseitigen Abhängigkeiten aber nicht vollständig.
Einzelplatz oder Netzwerk?Zusätzlich sind Client-Server, Mehrbenutzerbetrieb, Cloud/SaaS, Offlinefähigkeit und Synchronisation zu betrachten.
Ein- oder Mehrkernprozessor?Moderne Betriebssysteme verteilen Prozesse und Threads. Eine Anwendung profitiert nur dann stark von mehreren Kernen, wenn ihre Arbeit parallelisiert werden kann.
32 oder 64 Bit?Anwendung, Betriebssystem, Prozessorarchitektur, Treiber und Erweiterungen müssen kompatibel sein. 64-Bit-Systeme sind heute üblich; 32-Bit-Software bleibt teilweise in Altsystemen relevant.
Wie wird die Software betrieben?Supportzeitraum, Updates, Identitäten, Berechtigungen, Protokollierung, Backup, Datenschutz und Abhängigkeiten gehören zur Bewertung.

Software kontrolliert installieren

1. Bedarf und Freigabe prüfen

Zweck, Lizenz, Systemanforderungen, Abhängigkeiten und betriebliche Freigabe klären.

2. Vertrauenswürdige Quelle wählen

Herstellerseite, freigegebenes Repository, Paketmanager oder verwalteten App-Store verwenden.

3. Paket prüfen

Herausgeber, digitale Signatur, Version und falls vorgesehen Prüfsumme kontrollieren.

4. Installation planen

Testsystem, Sicherung oder Snapshot, Wartungsfenster, Benutzer- oder Systeminstallation und benötigte Rechte festlegen.

5. Optionen bewusst wählen

Zielpfad, Komponenten, Dienste, Autostart, Dateizuordnungen und zusätzliche Angebote prüfen.

6. Funktion und Sicherheit testen

Start, Kernfunktionen, Updates, Protokolle, Netzwerkzugriffe und Zusammenspiel mit Schutzsystemen kontrollieren.

7. Dokumentieren

Version, Lizenz, Installationsquelle, Verantwortlichkeit, Konfiguration und Wiederherstellungsweg erfassen.

Software sauber deinstallieren

Software wird über den vorgesehenen Paketmanager, App-Store, die Betriebssystemverwaltung oder den Hersteller-Deinstaller entfernt. Das bloße Löschen des Programmordners kann Dienste, Treiber, Registry-Einträge, Paketinformationen, gemeinsam genutzte Bibliotheken und Benutzerdaten zurücklassen.

  • Vorher klären, ob Konfigurationen, Schlüssel oder Nutzdaten gesichert beziehungsweise exportiert werden müssen.
  • Abhängige Dienste und Benutzer informieren oder kontrolliert stoppen.
  • Vorgesehenen Deinstallationsweg verwenden und erforderlichen Neustart durchführen.
  • Verbliebene Daten nur nach Prüfung von Zweck, Aufbewahrung und Zuständigkeit entfernen.
  • Inventar, Lizenzen, Dokumentation und Monitoring anschließend aktualisieren.

Praxisbeispiel in einer Test-VM

Eine Installation wie Notepad++ kann in einer virtuellen Testmaschine nachvollzogen werden: Snapshot erstellen, Installationsquelle und Signatur prüfen, Optionen dokumentieren, Anwendung starten und aktualisieren, anschließend über die Betriebssystemverwaltung deinstallieren und den Zustand kontrollieren. Die VM verhindert nicht automatisch Schadwirkungen, erleichtert aber eine reproduzierbare und rücksetzbare Übungsumgebung.

Zusammenfassung

Software reicht von Anwendungen über Betriebssysteme, Treiber, Firmware und Hilfsprogramme bis zu Entwicklungswerkzeugen. Daten gehören zum Betrieb, sind aber nicht automatisch selbst Programme. Kategorien überschneiden sich und werden deshalb nach ihrer Funktion im konkreten System beurteilt.

Bei Auswahl und Betrieb zählen Lizenz, Support, Updates, Sicherheit, Datenhaltung und Abhängigkeiten. Installation und Entfernung erfolgen kontrolliert.

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

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