7.2.2 Arbeitsspeicher - Kennwerte und Berechnungen
Kennwerte von Arbeitsspeicher beschreiben nicht nur seine Kapazität. Für Auswahl, Vergleich und Fehlersuche müssen DDR-Generation, Datenrate, theoretische Bandbreite, Speicherkanäle, Timings, Spannung, Bauform und Modulorganisation gemeinsam betrachtet werden. Besonders wichtig ist die Trennung von Taktfrequenz in MHz und Übertragungsrate in MT/s: DDR4-3200 steht für 3.200 Millionen Transfers pro Sekunde, nicht für einen physikalischen Takt von 3.200 MHz.
Die wichtigsten Kennwerte im Überblick
| Kennwert | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kapazität | 16 GB | Datenmenge eines Moduls; die nutzbare Gesamtkapazität ergibt sich aus allen kompatibel bestückten Modulen. |
| DDR-Generation | DDR4 / DDR5 | Elektrische und mechanische Generation. Verschiedene Generationen sind nicht untereinander steckkompatibel. |
| Datenrate | DDR5-6000 | 6.000 MT/s je Datenleitung. MT/s bezeichnet Transfers pro Sekunde und ist keine reine Taktfrequenz. |
| PC-Kennung | PC5-48000 | Gerundete theoretische Bandbreite eines 64-Bit-Datenpfads in MB/s: 6.000 MT/s × 8 Byte = 48.000 MB/s. |
| Timings | 30-36-36-76 | Wartezeiten in Taktzyklen, typischerweise CL-tRCD-tRP-tRAS. Erst mit der Datenrate werden daraus Zeiten in Nanosekunden. |
| Spannung | z. B. 1,1 V | Versorgungs- oder Profilwert; zulässige Werte hängen von Standard, Modul und Plattform ab. |
| Bauform | DIMM / SO-DIMM | Mechanische Modulform für Desktop-/Server- beziehungsweise kompakte Notebook-Systeme. |
| Organisation | 1Rx8 / 2Rx8 | Anzahl der Ranks und Datenbreite der DRAM-Bausteine; wichtig für Kompatibilität und Bestückungsregeln. |
| Fehlerkorrektur / Pufferung | ECC UDIMM / RDIMM | ECC ergänzt Prüfbits. Registered Module entlasten zusätzlich den Speichercontroller elektrisch. |
Datenrate und physikalischer Takt
DDR bedeutet Double Data Rate. Pro Taktschwingungszyklus werden Daten an der steigenden und an der fallenden Flanke übertragen. Deshalb ist die nominelle Datenrate doppelt so groß wie die zugrunde liegende I/O-Taktfrequenz. DDR4-3200 arbeitet somit mit 3.200 MT/s bei etwa 1.600 MHz I/O-Takt; DDR5-6000 mit 6.000 MT/s bei etwa 3.000 MHz I/O-Takt.
Produktseiten verwenden umgangssprachlich häufig MHz für den Wert hinter DDR4 oder DDR5. Fachlich korrekt ist dort MT/s. MHz beschreibt Zyklen pro Sekunde, MT/s die Anzahl der Datentransfers. Diese Unterscheidung verhindert Fehler bei Latenz- und Bandbreitenberechnungen.
I/O-Takt aus der DDR-Datenrate
I/O-Takt in MHz = Datenrate in MT/s ÷ 2DDR4-3200: 3.200 ÷ 2 = 1.600 MHz
DDR5-6000: 6.000 ÷ 2 = 3.000 MHz
DDR5-8000: 8.000 ÷ 2 = 4.000 MHz
Theoretische Speicherbandbreite
Ein gewöhnlicher DDR4- oder DDR5-DIMM stellt ohne ECC insgesamt 64 Datenleitungen bereit. 64 Bit entsprechen 8 Byte. Die theoretische Bandbreite eines 64-Bit-Datenpfads ergibt sich deshalb aus Datenrate × 8 Byte. Das Ergebnis ist eine Obergrenze; Protokollaufwand, Zugriffsmuster, Speichercontroller und CPU begrenzen die praktisch erreichbare Nutzdatenrate.
DDR5 teilt einen DIMM intern in zwei unabhängige 32-Bit-Subchannels auf; bei ECC sind es zweimal 40 Bit einschließlich Prüfbits. Beide Subchannels ergeben für Nutzdaten zusammen weiterhin 64 Bit. Sie dürfen nicht mit den Speicherkanälen des Prozessors verwechselt werden. Mehrere aktive CPU-Speicherkanäle vervielfachen die theoretische Gesamtbandbreite nur, wenn Plattform und Bestückung diese parallel nutzen.
Bandbreite eines Datenpfads
Bandbreite in GB/s = Datenrate in MT/s × Busbreite in Bit ÷ 8 ÷ 1.000DDR4-3200: 3.200 × 64 ÷ 8 ÷ 1.000 = 25,6 GB/s
DDR5-6000: 6.000 × 64 ÷ 8 ÷ 1.000 = 48 GB/s
DDR5-8000: 8.000 × 64 ÷ 8 ÷ 1.000 = 64 GB/s
Gesamtbandbreite mehrerer CPU-Speicherkanäle
Gesamtbandbreite = Bandbreite je Kanal × Anzahl aktiver KanäleDual-Channel mit DDR4-3200: 25,6 × 2 = 51,2 GB/s
Dual-Channel mit DDR5-6000: 48 × 2 = 96 GB/s
Die Modulanzahl allein beweist noch keinen Mehrkanalbetrieb; die Bestückungsregeln der Plattform sind maßgeblich.
| DDR-Bezeichnung | PC-Bezeichnung | Bandbreite je 64-Bit-Datenpfad |
|---|---|---|
| DDR4-2933 | PC4-23400 | ca. 23,5 GB/s |
| DDR4-3200 | PC4-25600 | 25,6 GB/s |
| DDR5-4800 | PC5-38400 | 38,4 GB/s |
| DDR5-5200 | PC5-41600 | 41,6 GB/s |
| DDR5-6000 | PC5-48000 | 48,0 GB/s |
| DDR5-8000 | PC5-64000 | 64,0 GB/s |
Timings und CAS-Latenz verstehen
Die Timingfolge 30-36-36-76 gibt Wartezeiten in Taktzyklen an. CL beziehungsweise CAS Latency ist die Zahl der Taktzyklen zwischen einem passenden Lesebefehl und der Bereitstellung der angeforderten Daten. tRCD beschreibt die Verzögerung zwischen dem Aktivieren einer Zeile und dem Spaltenzugriff, tRP das Vorladen für einen Zeilenwechsel und tRAS die Mindestzeit, die eine Zeile aktiv bleiben muss.
Ein kleinerer CL-Wert ist nur bei gleicher Datenrate unmittelbar schneller. Steigt die Datenrate, wird jeder Taktzyklus kürzer. Deshalb können DDR4-3200 CL16 und DDR5-6000 CL30 trotz verschiedener Zahlen dieselbe rechnerische CAS-Latenz von 10 ns besitzen. Die tatsächliche Speicherzugriffszeit eines Systems umfasst weitere Timings, Controller-, Warteschlangen- und Architekturanteile und ist größer als dieser CL-Einzelwert.
CAS-Latenz aus Datenrate und CL
CAS-Latenz in ns = 2.000 × CL ÷ Datenrate in MT/sDDR4-3200 CL16: 2.000 × 16 ÷ 3.200 = 10 ns
DDR5-6000 CL30: 2.000 × 30 ÷ 6.000 = 10 ns
DDR5-6000 CL36: 2.000 × 36 ÷ 6.000 = 12 ns
DDR5-8000 CL38: 2.000 × 38 ÷ 8.000 = 9,5 ns
Gleichwertige Rechnung mit I/O-Takt
CAS-Latenz in ns = 1.000 × CL ÷ I/O-Takt in MHzDDR4-3200 besitzt 1.600 MHz I/O-Takt.
1.000 × 16 ÷ 1.600 = 10 ns
Beispielmodule vollständig auswerten
Die Beispiele verwenden eine einheitliche Rechenweise für die technischen Kennwerte. Konkrete Verkaufspreise sind keine Moduleigenschaft und veralten schnell. Für eine Kaufentscheidung kommen Kapazität, Kompatibilität, Bestückung, Stabilität, Garantie und der aktuelle Preis hinzu.
| Modulkennwert | Bandbreite | rechnerische CAS-Latenz |
|---|---|---|
| DDR5-4800, CL40, PC5-38400 | 4.800 × 8 = 38.400 MB/s | 2.000 × 40 ÷ 4.800 = 16,7 ns |
| DDR5-5200, CL40, PC5-41600 | 5.200 × 8 = 41.600 MB/s | 2.000 × 40 ÷ 5.200 = 15,4 ns |
| DDR4-2933, CL21, PC4-23400 | 2.933 × 8 ≈ 23.464 MB/s | 2.000 × 21 ÷ 2.933 ≈ 14,3 ns |
| DDR4-2133, CL15, PC4-17000 | 2.133 × 8 ≈ 17.064 MB/s | 2.000 × 15 ÷ 2.133 ≈ 14,1 ns |
Kennwerte richtig vergleichen
- Zuerst Kompatibilität prüfen: DDR-Generation, Bauform, Modulart, Kapazitätsgrenzen, unterstützte Datenraten und Bestückungsregeln von CPU und Mainboard.
- Datenrate in MT/s und theoretische Bandbreite bewerten; die PC-Kennung ist im Wesentlichen die Bandbreite eines 64-Bit-Datenpfads in MB/s.
- CL nicht allein vergleichen, sondern mit der Datenrate in Nanosekunden umrechnen.
- Mehrkanalbetrieb nur anrechnen, wenn die Module in den vorgesehenen Slots stecken und der Speichercontroller die Kanäle parallel betreibt.
- XMP- und EXPO-Profile sind Übertaktungsprofile außerhalb der normalen JEDEC-Grundkonfiguration und müssen von Plattform und Firmware unterstützt werden.
- ECC, Registered und Rank-Organisation sind Funktions- und Kompatibilitätsmerkmale; sie sagen nicht allein aus, welches Modul schneller ist.
Quellen zur fachlichen Prüfung
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