2.3 RFID
RFID steht für Radio Frequency Identification. Die Technik identifiziert Gegenstände oder Datenträger über Funk, ohne dass zwischen Tag und Lesegerät zwingend Sichtkontakt bestehen muss.
Bestandteile eines RFID-Systems
- RFID-Tag beziehungsweise Transponder mit Antenne und – außer bei einfachen EAS-Sicherungselementen – einem Chip
- RFID-Lese-/Schreibgerät mit Antenne
- Software und Hintergrundsystem zur Zuordnung und Verarbeitung der gelesenen Kennungen und Daten
Funktionsprinzip eines passiven Tags
- Das Lesegerät erzeugt ein elektromagnetisches beziehungsweise hochfrequentes Feld.
- Die Antenne des Tags nimmt Energie aus diesem Feld auf; der Chip wird aktiviert.
- Das Lesegerät sendet Befehle. Der Tag antwortet, indem er bei LF/HF die Kopplung beziehungsweise bei UHF das zurückgestreute Signal gezielt verändert.
- Der Reader demoduliert die Antwort und übergibt Kennung oder Nutzdaten an das Hintergrundsystem.
- Der Vorgang ist möglich, solange Kopplung, Signalstärke, Protokoll und Energieversorgung ausreichen.
Passive, aktive und semi-passive Tags
| Tag-Typ | Energie und Kommunikation | Typische Eigenschaften |
|---|---|---|
| Passiv | Keine eigene Batterie; Energie kommt vom Lesegerät. | Klein und kostengünstig. Reichweite reicht je nach Frequenz, Antenne und Umgebung von wenigen Zentimetern bis deutlich über zehn Meter. |
| Aktiv | Eigene Energiequelle und aktiver Funksender. | Größere Reichweite und Sensorfunktionen möglich, aber höherer Preis, größere Bauform und begrenzte Batterielebensdauer. |
| Semi-passiv | Batterie versorgt Chip oder Sensorik; Antwort erfolgt häufig per Backscatter. | Geeignet für Sensor- und Zustandsdaten, ohne ständig aktiv zu senden. |
Frequenzbereiche und NFC
- LF: kurze Reichweiten, vergleichsweise unempfindlich gegenüber Wasser und Gewebe; beispielsweise Tierkennzeichnung.
- HF: typischerweise 13,56 MHz; unter anderem Bibliotheken, Zugangskarten und Smartcards.
- NFC: standardisierte Nahbereichskommunikation bei 13,56 MHz. Typische Anwendungen sind kontaktloses Bezahlen, Smartphones, Wearables und Tags.
- UHF beziehungsweise RAIN RFID: hohe Leseraten und Reichweiten bis deutlich über zehn Meter möglich; häufig in Logistik und Warenwirtschaft.
Anwendungen in Industrie und Alltag



- Erfassung und Nachverfolgung von Warenströmen sowie Lagerbeständen
- Automatisierte Produktionslinien und Identifikation von Werkstücken
- Arbeitszeit- und Zutrittserfassung
- Bibliotheken, Museen, Audioguides und Skipässe
- Tierkennzeichnung
- Kontaktloses Bezahlen über NFC
- Füllstands- oder Zustandsüberwachung, sofern Tag und System geeignete Sensorik besitzen
- Behälter- und Abfallmanagement, etwa zur Identifikation von Tonnen und Zuordnung von Leerungen
RFID im Einzelhandel
RFID kann Barcodes ergänzen, weil mehrere eindeutig gekennzeichnete Artikel ohne direkten Sichtkontakt in kurzer Zeit erfasst werden können. Ein vollständiger Ersatz ist nicht immer wirtschaftlich: Barcodeetiketten sind sehr günstig und mit bloßem Auge beziehungsweise Kamera nachvollziehbar.
Speicherkapazitäten sind nicht pauschal auf 128 Bit begrenzt. Viele EPC-Tags speichern eine kompakte eindeutige Kennung; andere RFID-Chips besitzen zusätzlichen Benutzer- und Sicherheitsbereich. Produktdaten liegen häufig im Hintergrundsystem und nicht vollständig auf dem Tag.
Elektronische Preisschilder können per Funk aktualisiert werden, sind aber nicht automatisch RFID-Tags. Häufig verwenden sie eigene Funkprotokolle und energiearme Displays.
Elektronische Warensicherung (EAS)
Einfache Warensicherungsetiketten können ohne RFID-Chip auskommen. Ein resonanter Schwingkreis oder ein anderes Sicherungselement reagiert auf das Feld der Torschleuse. Das System erkennt damit das Vorhandensein des Etiketts, aber nicht zwingend eine eindeutige Produktkennung.
Datenschutz und Sicherheit
RFID-Kommunikation kann ohne sichtbare Interaktion stattfinden. Datenschutzrisiken entstehen insbesondere, wenn eine eindeutige Kennung mit einer Person, einem Kundenkonto, einem Aufenthaltsort oder weiteren Datensätzen verknüpft wird.
Für die heutige rechtliche und organisatorische Einordnung gelten unter anderem die Datenschutz-Grundverordnung und die Grundsätze Zweckbindung, Datenminimierung, Transparenz sowie Datenschutz durch Technikgestaltung.
Mögliche Schutzmaßnahmen sind kurze erforderliche Lesereichweiten, Authentisierung und Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Pseudonymisierung, Deaktivierungs- oder Kill-Funktionen, sichtbare Kennzeichnung von RFID-Anwendungen und das Löschen nicht mehr benötigter Zuordnungsdaten.
Quellen zur fachlichen Prüfung
PDF-Download nach Anmeldung
Zum Schutz der Unterrichtsunterlagen steht der PDF-Download ausschließlich angemeldeten Nutzern zur Verfügung.
