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Kapitel 07

7.2 VPN

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Fachlich geprüftStand: 4. August 2026

Ein Virtual Private Network bildet über eine gemeinsam genutzte oder nicht vollständig vertrauenswürdige Infrastruktur eine logisch private Verbindung. In der betrieblichen Praxis schützt das VPN ausgewählte Datenströme kryptografisch und verbindet Endgeräte, Standorte oder einzelne Systeme. Der Tunnel allein legt jedoch weder Berechtigungen fest noch macht er einen Nutzer automatisch anonym.

VPN richtig einordnen

Ein VPN kapselt Verkehr so, dass er durch ein anderes Netz transportiert werden kann. Häufig ist dieses Transportnetz das Internet. Die äußeren Paketheader müssen für Router weiterhin sichtbar bleiben; geschützt wird der innere Verkehr zwischen den festgelegten VPN-Endpunkten.

Nicht jedes Tunnelprotokoll bietet automatisch Vertraulichkeit. GRE oder einfache Layer-2-Tunnel können Daten kapseln, ohne sie zu verschlüsseln. Ein betriebliches Sicherheits-VPN kombiniert Kapselung daher mit kryptografischem Schutz, gegenseitiger oder serverseitiger Authentisierung und einer kontrollierten Verkehrsauswahl.

BegriffBedeutung
TransportnetzNetz, über das der Tunnel geführt wird, beispielsweise das Internet
VPN-EndpunktClient, Router, Firewall oder Server, der den Tunnel aufbaut und verarbeitet
inneres Paketursprünglicher Verkehr, der durch den Tunnel transportiert wird
äußeres PaketPaket, das zwischen den VPN-Endpunkten im Transportnetz geroutet wird
VPN-GatewayEndpunkt, der ein ganzes Netz oder mehrere Nutzer anbindet
Security Associationvereinbarter Satz aus Schlüsseln, Algorithmen, Lebensdauer und weiteren Parametern für eine Verkehrsrichtung

Sicherheitsziele und ihre Grenzen

Ein sicher konfiguriertes VPN soll Vertraulichkeit, Integrität und Authentizität für den geschützten Kommunikationsweg erreichen. Replay-Schutz kann wiederholt eingespielte Pakete erkennen. Die Verfügbarkeit bleibt dagegen von Internetzugang, Gateway, Software und Gegenstelle abhängig.

ZielUmsetzungNicht automatisch gelöst
VertraulichkeitVerschlüsselung der geschützten DatenSchadsoftware oder berechtigte Nutzer können Daten an den Endpunkten lesen
Integritätauthentisierte Verschlüsselung oder MAC erkennt Veränderungenfehlerhafte oder bösartige Anwendungseingaben
AuthentizitätZertifikat, Schlüssel, Benutzeranmeldung oder EAP bestätigt Identitätpauschale Berechtigung auf alle internen Ressourcen
Replay-SchutzSequenznummern und Empfangsfenster erkennen WiederholungenDenial-of-Service gegen Leitung oder Gateway
VerfügbarkeitRedundanz, Monitoring und Kapazitätsplanungein VPN garantiert keine störungsfreie Verbindung

Verbindungsarten

Site-to-Site verbindet zwei Netze, Remote Access ein Endgerät mit einem Netz und Host-to-Host zwei Endsysteme
Die VPN-Endpunkte bestimmen, welcher Abschnitt geschützt ist. Innerhalb der angebundenen Netze muss der weitere Datenweg separat abgesichert werden.Originalgröße öffnen ↗
ArtEndpunkteTypischer Einsatz
Site-to-SiteGateway eines Standorts zu Gateway des anderen StandortsNiederlassungen oder Cloud-Netze verbinden
Remote Access / End-to-SiteClientsoftware zu UnternehmensgatewayHomeoffice, Außendienst oder Administration
Host-to-Host / End-to-Endzwei Endsystemegezielte Systemkommunikation oder Administrationspfad
Host-to-Gatewayein Endsystem zu einem Sicherheitsgatewaygeschützter Zugriff auf ausgewählte interne Netze

Bestandteile einer VPN-Lösung

Eine funktionierende Lösung besteht nicht nur aus einem Protokoll. Sie benötigt erreichbare Endpunkte, eine Identitätsprüfung, Schlüsselmaterial, eine Richtlinie für den geschützten Verkehr und passende Routen sowie Firewallregeln. Bei Remote Access kommen Clientverwaltung, Gerätezustand und Benutzerrechte hinzu.

  • VPN-Client oder VPN-Gateway mit gepflegter Software
  • Identitätsquelle, Zertifikate oder vorab vereinbarte Schlüssel
  • Schlüsselaustausch und regelmäßige Schlüsselerneuerung
  • Security Policy beziehungsweise Traffic Selector für die zu schützenden Netze und Ports
  • Routen, DNS-Konfiguration, MTU und Firewallfreigaben
  • Protokollierung, Monitoring, Zeitabgleich und sichere Administration
  • Widerruf beziehungsweise Sperrung verlorener Geräte und kompromittierter Zugangsdaten

Aktuelle und veraltete Kryptografie

Ein VPN-Profil ist nur so stark wie seine ausgehandelte Kombination. Moderne Verfahren verwenden authentisierte Verschlüsselung wie AES-GCM oder ChaCha20-Poly1305, geeignete Diffie-Hellman-Gruppen und starke Authentisierung. HMAC mit SHA-2 bleibt relevant, wenn Verschlüsselung und Integrität getrennt umgesetzt werden.

DES, 3DES, Blowfish, MD5 und SHA-1 gehören nicht in neue VPN-Konfigurationen. RSA ist nicht pauschal „die Authentifizierung“, sondern kann abhängig vom Protokoll für Signaturen oder ältere Schlüsselaustauschverfahren eingesetzt werden. Zertifikate, Pre-Shared Keys und Benutzeranmeldung sind ebenfalls keine austauschbaren Algorithmen, sondern unterschiedliche Bausteine der Identitätsprüfung.

AufgabeHeute übliche RichtungNicht neu einsetzen
Verschlüsselung mit IntegritätAES-GCM oder ChaCha20-Poly1305DES, 3DES, Blowfish
separater IntegritätsschutzHMAC-SHA-256 oder stärkere passende VerfahrenMD5, HMAC-MD5, SHA-1
SchlüsselaustauschIKEv2 mit geeigneten DH-/ECDH-Gruppen und Perfect Forward Secrecyschwache oder zu kleine DH-Gruppen
AuthentisierungZertifikate, starke Schlüssel oder EAP mit abgesichertem Servernachweisgemeinsame schwache Passwörter beziehungsweise PSKs
BenutzerzugriffMFA und zentral verwaltete Identitätennur ein statisches Kennwort

IPsec: Architektur und Rollen

IPsec schützt IP-Verkehr auf der Vermittlungsschicht. IKEv2 authentisiert die Gegenstellen, handelt Algorithmen und Schlüssel aus und verwaltet Security Associations. Eine IKE SA schützt die IKE-Steuerkommunikation; Child SAs schützen den eigentlichen Nutzdatenverkehr. SAs gelten jeweils für eine Richtung, weshalb für bidirektionalen Verkehr passende Zuordnungen in beide Richtungen bestehen.

Die Security Policy Database entscheidet anhand von Traffic Selectors, welcher Verkehr geschützt, verworfen oder ungeschützt weitergeleitet wird. Die Security Association Database enthält die aktiven Parameter. Dieses Zusammenspiel erklärt, warum ein aufgebauter IKE-Tunnel allein noch nicht beweist, dass das gewünschte Subnetz tatsächlich durch den Tunnel läuft.

BausteinAufgabe
IKEv2Gegenstellen authentisieren, Schlüssel ableiten und SAs verwalten
ESPVertraulichkeit und/oder Integrität, Authentizität sowie Replay-Schutz für IP-Verkehr
AHIntegrität und Authentizität ohne Verschlüsselung; heute selten und NAT-unfreundlich
SPDRichtlinie, welcher Verkehr geschützt, umgangen oder verworfen wird
SADaktive Security Associations mit Schlüsseln, Algorithmen, SPI und Zählern
Traffic Selectorlokale und entfernte Adress-/Portbereiche einer Child SA

AH und ESP unterscheiden

Authentication Header schützt ausgewählte Bestandteile des IP-Pakets gegen Manipulation, verschlüsselt aber keine Nutzdaten. Veränderliche IP-Headerfelder werden bei der Berechnung passend behandelt. Weil NAT Adressfelder ändert, ist AH mit NAT problematisch und wird in üblichen VPN-Szenarien kaum verwendet.

Encapsulating Security Payload ist das praktisch dominierende IPsec-Nutzdatenprotokoll. ESP kann die Nutzdaten verschlüsseln und ihre Integrität sowie Authentizität sichern. Bei modernen AEAD-Verfahren werden Verschlüsselung und Integrität gemeinsam erbracht. Der äußere IP-Header im Tunnelmodus bleibt sichtbar, da das Transportnetz ihn routen muss.

Transportmodus und Tunnelmodus

Im Transportmodus bleibt der ursprüngliche IP-Header bestehen und ESP schützt vor allem die nachfolgenden Transportdaten. Er eignet sich hauptsächlich für Host-to-Host-Szenarien.

Im Tunnelmodus wird das vollständige ursprüngliche IP-Paket einschließlich seines Headers als inneres Paket gekapselt. Ein neuer äußerer IP-Header adressiert die VPN-Endpunkte. Site-to-Site- und Remote-Access-VPNs nutzen überwiegend diesen Modus.

Im IPsec-Transportmodus bleibt der ursprüngliche IP-Header sichtbar, im Tunnelmodus wird das vollständige innere IP-Paket hinter einem neuen äußeren IP-Header gekapselt
ESP schützt nicht den neuen äußeren IP-Header als geheimen Inhalt. Er muss für die Weiterleitung zwischen den VPN-Endpunkten lesbar bleiben.Originalgröße öffnen ↗

IKEv2-Verbindungsaufbau vereinfacht

IKEv2 verwendet gewöhnlich UDP 500. Befindet sich NAT auf dem Weg, wird NAT Traversal eingesetzt und ESP in UDP 4500 gekapselt. Native ESP-Pakete verwenden die IP-Protokollnummer 50 und besitzen keine TCP- oder UDP-Ports.

1. IKE_SA_INIT

Die Gegenstellen handeln kryptografische Verfahren aus, tauschen Diffie-Hellman-Werte und Nonces aus und bereiten gemeinsame Schlüssel vor.

2. IKE_AUTH

Die Partner authentisieren sich, schützen ihre Identitäten innerhalb der IKE-Kommunikation und erzeugen die erste Child SA.

3. ESP-Datenverkehr

Pakete passend zu den Traffic Selectors werden über die ausgehandelten Child SAs geschützt.

4. Wartung

CREATE_CHILD_SA erneuert Schlüssel oder erzeugt weitere Child SAs; INFORMATIONAL meldet Zustände und beendet Zuordnungen.

Weitere heutige VPN-Familien

FamilieEigenschaftenEinordnung
IPsec mit IKEv2standardisierte IP-Schicht-Sicherung, viele Plattformen, Site-to-Site und Remote Accessstarke Interoperabilität bei abgestimmten Profilen
TLS-basierte VPNsnutzen TLS und häufig TCP oder UDP; können Netzwerk- oder Anwendungszugriff bereitstellenProduktbegriff „SSL-VPN“ beschreibt nicht immer dieselbe Technik
WireGuardkleiner Protokollentwurf über UDP mit festgelegter moderner Kryptografie und öffentlichen Schlüsselneinfacher Datenpfad; Identitäts-, Adress- und Richtlinienverwaltung muss ergänzt werden
L2TP over IPsecLayer-2-Tunnel wird durch IPsec geschütztnoch vorhanden, für neue Designs meist nicht erste Wahl
PPTPhistorisches Tunnelverfahren mit bekannten Schwächennicht mehr sicher einsetzen

Full Tunnel und Split Tunnel

Bei einem Full Tunnel wird der gesamte oder nahezu gesamte Clientverkehr über das Unternehmensgateway geleitet. Dadurch können zentrale Filter und Protokollierung greifen, das Gateway und die Standortanbindung müssen aber genügend Kapazität besitzen.

Split Tunneling sendet nur definierte Zielnetze durch das VPN; übriger Internetverkehr nutzt den lokalen Zugang. Das spart Bandbreite und kann Cloud- oder Videodienste beschleunigen, erweitert jedoch die Sicherheits- und DNS-Planung. Die Entscheidung ist eine Richtlinienfrage und keine pauschale Eigenschaft des VPN-Protokolls.

KriteriumFull TunnelSplit Tunnel
Datenweggesamter Verkehr über das VPN-Gatewaynur ausgewählte Präfixe oder Anwendungen durch das VPN
Kontrollezentrale Filterung einfacherlokaler und zentraler Pfad müssen getrennt betrachtet werden
Kapazitäthöhere Last und längere Wege möglichentlastet Gateway und WAN
DNSmeist zentral lösbarSplit DNS und Suchdomänen sorgfältig konfigurieren
RisikoGateway wird zentraler EngpassClient ist gleichzeitig mit lokalem und Unternehmensnetz verbunden

Authentisierung und Zugriffsschutz

Ein gemeinsamer Pre-Shared Key für viele Benutzer ist schwer sicher zu verteilen und zu widerrufen. Für Remote Access sind individuelle Konten, Mehrfaktor-Authentisierung und verwaltete Geräte beziehungsweise Zertifikate vorzuziehen. Site-to-Site-Gateways nutzen häufig starke individuelle PSKs oder Zertifikate.

Nach erfolgreichem Tunnelaufbau gilt weiterhin das Prinzip der geringsten Rechte. Benutzer, Geräte und Standorte erhalten nur Zugriff auf benötigte Netze und Dienste. Ein VPN darf ein kompromittiertes Endgerät nicht ungefiltert in das gesamte interne Netz stellen.

  • VPN-Gateway und Clients regelmäßig aktualisieren
  • Zertifikatslaufzeiten, Widerruf und Schlüsselrotation überwachen
  • MFA gegen gestohlene Kennwörter einsetzen
  • Administrationszugänge und Benutzerzugänge trennen
  • Gerätezustand und verwaltete Endgeräte berücksichtigen
  • Anmeldeversuche, neue Geräte, ungewöhnliche Länder und Datenmengen überwachen

Was ein VPN nicht leistet

Ein Unternehmens-VPN bietet keine allgemeine Anonymität. Gegenstellen im Internet sehen gegebenenfalls die öffentliche Adresse des VPN-Ausgangs, während der VPN-Betreiber Verbindungen technisch zuordnen kann. Cookies, Benutzerkonten, Browsermerkmale und Endgerätesoftware bleiben davon unberührt.

Der Schutz endet an den konfigurierten VPN-Endpunkten. Wird ein Site-to-Site-Tunnel an zwei Gateways beendet, läuft der Verkehr innerhalb der angeschlossenen Netze nicht automatisch weiter verschlüsselt. Anwendungssicherheit wie TLS bleibt deshalb sinnvoll und häufig erforderlich.

Planung und Betrieb

PlanungspunktFrage
SchutzumfangWelche Netze, Anwendungen, Benutzer und Geräte dürfen den Tunnel nutzen?
AdressierungÜberlappen lokale und entfernte Netze? Welche virtuellen Clientadressen werden vergeben?
RoutingWelche Präfixe laufen durch den Tunnel und ist der Rückweg symmetrisch?
DNSWelche Resolver und Suchdomänen gelten innerhalb und außerhalb des VPNs?
MTUVerkleinert die Kapselung die nutzbare Paketgröße und entsteht Fragmentierung?
RedundanzGibt es zweite Gateways, alternative Provider und getestetes Failover?
ProtokollierungWelche Ereignisse werden datenschutzgerecht erfasst und wie lange aufbewahrt?
NotfallWie werden Schlüssel, Zertifikate oder Konten schnell gesperrt?

Fehlersuche systematisch durchführen

SymptomPrüfung
Gegenstelle nicht erreichbarDNS, öffentliche Route, Firewall und UDP 500/4500 beziehungsweise verwendeten VPN-Port prüfen
IKE startet, Authentisierung scheitertIdentität, Zertifikatskette, Uhrzeit, PSK, EAP und erlaubte Verfahren vergleichen
Tunnel steht, aber kein NutzverkehrTraffic Selectors, Routen, Firewall, NAT-Ausnahmen und Rückweg prüfen
nur bestimmte Ziele fehlenSplit-Tunnel-Präfixe, ACL, DNS und überlappende Netze kontrollieren
kleine Pakete funktionieren, große nichtPath MTU, Fragmentierung, MSS-Anpassung und Kapselungs-Overhead untersuchen
Verbindung bricht regelmäßig abSA-Lebensdauer, Rekeying, NAT-Timer, Mobilfunkwechsel und Dead Peer Detection prüfen
Name funktioniert nicht, IP-Adresse schonVPN-DNS, Suchsuffix, Split DNS und Resolvererreichbarkeit prüfen
Leistung ist geringLatenz, Paketverlust, CPU/Krypto-Beschleunigung, Full-Tunnel-Umweg und Gatewayauslastung messen

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

PDF-Download nach Anmeldung

Zum Schutz der Unterrichtsunterlagen steht der PDF-Download ausschließlich angemeldeten Nutzern zur Verfügung.

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