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Kapitel 06

6.5 DHCP, NAT und PAT

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Fachlich geprüftStand: 4. August 2026

DHCP automatisiert die Netzwerkkonfiguration von Clients. NAT verändert Adressen zwischen unterschiedlichen Adressräumen, während NAPT beziehungsweise PAT zusätzlich Transportports übersetzt und dadurch viele interne IPv4-Verbindungen über wenige öffentliche Adressen führen kann. Die Verfahren lösen verschiedene Aufgaben und müssen getrennt von Routing, Firewallregeln und IPv6-Adresskonfiguration betrachtet werden.

Private IPv4-Adressbereiche

RFC 1918 reserviert drei IPv4-Bereiche für private Netze. Sie dürfen innerhalb von Organisationen geroutet werden, werden aber im globalen öffentlichen Internet nicht als gewöhnliche Ziel- oder Quelladressen weitergeleitet. Die alte Zuordnung zu den Klassen A, B und C ist nur noch historisch; geplant wird mit CIDR-Präfixen.

BereichPräfixAdressanzahl
10.0.0.0 bis 10.255.255.25510.0.0.0/816.777.216
172.16.0.0 bis 172.31.255.255172.16.0.0/121.048.576
192.168.0.0 bis 192.168.255.255192.168.0.0/1665.536

Was NAT verändert

Network Address Translation verändert IPv4-Quell- oder Zieladressen beim Übergang zwischen Adressräumen. Das Gateway muss dabei auch abhängige Prüfsummen anpassen. Source NAT verändert typischerweise die Quelle ausgehender Pakete; Destination NAT verändert das Ziel, beispielsweise bei einer veröffentlichten internen Serveradresse.

Die Cisco-Begriffe Inside Local, Inside Global, Outside Local und Outside Global beschreiben die Sicht auf Adressen. In vielen einfachen Netzen sind Outside Local und Outside Global identisch. Die Begriffe sind hilfreich für Geräteausgaben, aber kein Ersatz für die klare Angabe, welche Adresse vor und nach der Übersetzung vorhanden ist.

BegriffBedeutung
Inside LocalAdresse eines internen Hosts aus Sicht des internen Netzes
Inside GlobalAdresse, mit der dieser interne Host außen dargestellt wird
Outside Globaltatsächliche globale Adresse eines externen Hosts
Outside LocalAdresse des externen Hosts, wie sie im internen Netz erscheint

Statisches NAT, dynamisches NAT und PAT

Eine TCP-Verbindung wird an einem Beobachtungspunkt durch Protokoll, Quelladresse, Quellport, Zieladresse und Zielport unterschieden. PAT verwaltet für aktive Verbindungen passende Zuordnungen. Bei UDP verwendet das Gateway zeitlich begrenzte Zustände; für ICMP können andere Identifikatoren berücksichtigt werden.

Ports werden nicht zwingend nur aus einem historischen Bereich oberhalb 32767 gewählt. Die Implementierung bestimmt die externe Portauswahl und muss Konflikte vermeiden. Bei erschöpften Adressen oder Ports können keine neuen Zuordnungen angelegt werden.

Zwei interne Clients mit demselben Quellport werden durch unterschiedliche externe PAT-Ports über eine öffentliche IPv4-Adresse unterschieden
PAT führt eine zustandsbehaftete Zuordnung. Der externe Port muss nicht dem internen Quellport entsprechen.Originalgröße öffnen ↗
VerfahrenZuordnungTypischer Einsatz
statisches NATfeste 1:1-Abbildungdauerhaft veröffentlichte Adresse oder Kopplung überlappender Netze
dynamisches NATtemporäre 1:1-Adresse aus einem Poolausgehende Verbindungen mit mehreren öffentlichen Adressen
NAPT / PATAdresse und TCP-/UDP-Port werden abgebildetviele interne Verbindungen teilen eine öffentliche IPv4-Adresse
Portweiterleitung / DNATöffentliche Zieladresse und Port auf internen Dienst abbildengezielt eingehenden Dienst veröffentlichen

NAT ist keine Firewall

Eine zustandsbehaftete PAT-Zuordnung führt dazu, dass eine unerwartete neue Verbindung von außen ohne Portweiterleitung meist keinem internen Host zugeordnet werden kann. Das ist ein Nebeneffekt des Übersetzungszustands, aber kein vollständiges Sicherheitskonzept. NAT prüft nicht automatisch Benutzerrechte, Anwendungsinhalte oder Schadsoftware.

Eine Firewall setzt ausdrücklich Regeln durch und protokolliert Entscheidungen. NAT und Firewall werden häufig auf demselben Gerät kombiniert, bleiben technisch jedoch verschiedene Funktionen. Die interne Adressstruktur zu verbergen bietet nur begrenzten Zusatznutzen und ersetzt weder Segmentierung noch Härtung.

Nutzen und Grenzen von NAT/PAT

NutzenGrenze oder Folge
spart öffentliche IPv4-Adressenerzeugt Zustand und begrenzt die Zahl gleichzeitiger Zuordnungen
interne Adressen bleiben bei Providerwechsel stabilöffentliche Dienste und Abhängigkeiten müssen dennoch angepasst werden
kann überlappende private Netze verbindenAdressübersetzung und Fehlersuche werden komplex
ermöglicht Portweiterleitungeingehende Erreichbarkeit muss ausdrücklich geplant werden
verbirgt interne Adressenist kein Ersatz für Firewall und Zugriffsschutz
CGNAT spart Provideradressenerschwert eingehende Dienste, Protokollierung und eindeutige Kundenzuordnung

NAT-Konfiguration, Prüfung und Fehlersuche

Die konkrete Syntax hängt vom Hersteller ab. In Cisco-IOS-artigen Konfigurationen werden Schnittstellen als innen oder außen markiert, übersetzbare Quellen ausgewählt und statische Regeln, Pools oder Overload/PAT eingerichtet. Vor jeder Änderung müssen Richtung, Adressräume und erwarteter Datenfluss skizziert werden.

  • Existiert vor NAT eine passende Route?
  • Trifft die Auswahlregel wirklich den Quellverkehr?
  • Wurde eine Zuordnung erzeugt und läuft ihr Timer noch?
  • Ist der Rückweg über dasselbe übersetzende Gerät geführt?
  • Sind Protokolle mit eingebetteten Adressen durch passende Verfahren unterstützt?
  • Ist der Port- oder Adresspool erschöpft?
SchrittCisco-IOS-artiges Beispiel beziehungsweise Prüfung
Innen/Außen festlegen`ip nat inside` und `ip nat outside` an den richtigen Interfaces
statische Abbildung`ip nat inside source static …`
dynamischer Pool`ip nat pool …` plus passende Auswahlregel
PAT aktivieren`ip nat inside source … overload`
Zuordnungen anzeigen`show ip nat translations`
Statistik prüfen`show ip nat statistics`
Fehler eingrenzenRouting, ACL-Auswahl, Interface-Rolle, Rückweg und Übersetzungstabelle vergleichen

NAT in IPv6-Netzen

IPv6 benötigt für gewöhnliche Endsystemadressierung kein PAT zur Adressersparnis. Globale IPv6-Adressen und eine zustandsbehaftete Firewall ermöglichen das Ende-zu-Ende-Adressmodell, ohne jedes interne System ungefiltert erreichbar zu machen.

Für besondere Übergänge existieren dennoch Übersetzungsverfahren. NAT64 übersetzt zwischen IPv6- und IPv4-Kommunikation und wird häufig mit DNS64 kombiniert. NPTv6 übersetzt IPv6-Präfixe zustandslos, ist aber kein portübersetzendes PAT. Diese Verfahren sind keine Begründung, IPv6 grundsätzlich wie ein privates IPv4-Netz mit NAT zu planen.

VerfahrenAufgabe
NAT64IPv6-Clients erreichen IPv4-Ziele über Protokollübersetzung
DNS64erzeugt passende synthetische AAAA-Antworten für NAT64
NPTv6zustandslose Übersetzung zwischen IPv6-Präfixen
Firewall ohne NATsteuert eingehende und ausgehende IPv6-Verbindungen anhand expliziter Regeln

DHCPv4 verteilt mehr als eine Adresse

DHCPv4 vergibt Netzparameter als zeitlich begrenztes Lease. Neben der IPv4-Adresse können unter anderem Präfix beziehungsweise Subnetzmaske, Standardgateway, DNS-Server, Domain-Suchliste und weitere Optionen übertragen werden. Ein Client darf nicht annehmen, jede mögliche Option werde immer bereitgestellt.

Automatische beziehungsweise dynamische Vergabe wählt eine freie Adresse aus einem Pool. Eine Reservierung ordnet einem bekannten Client eine bestimmte Konfiguration zu. BOOTP arbeitete stärker mit festen Zuordnungen und gilt heute hauptsächlich als historischer Vorläufer; DHCP behielt Teile des Nachrichtenformats und der Relay-Logik bei.

DHCPv4-ElementBedeutung
Scope / PoolAdressbereich und gemeinsame Optionen eines Netzes
AusschlussAdressen im Bereich, die nicht dynamisch vergeben werden
Reservierungvorbestimmte Zuordnung für einen Client-Identifier beziehungsweise ein Gerät
Leasebefristetes Nutzungsrecht an einer Konfiguration
Optionzusätzlicher Parameter wie Router oder DNS-Server
Relayleitet DHCP-Nachrichten über Routergrenzen zum Server weiter

DORA: Discover, Offer, Request, Acknowledge

Ein neuer Client sendet DHCPDISCOVER, weil er Server und eigene IPv4-Konfiguration noch nicht kennt. Server können DHCPOFFER senden. Mit DHCPREQUEST wählt der Client ein Angebot und macht seine Auswahl auch für andere Server sichtbar. DHCPACK bestätigt das Lease; DHCPNAK kann eine ungültige Anforderung ablehnen.

Ein DHCP-Relay empfängt lokale Clientnachrichten und leitet sie als Unicast zum entfernten Server weiter. Es liefert Informationen über das Clientnetz, damit der Server den richtigen Pool auswählt. Ohne Relay erreicht ein Broadcast keinen Server in einem anderen IP-Netz.

DHCPv4-Client und Server tauschen Discover, Offer, Request und Acknowledge aus
Der anfänglich unkonfigurierte Client nutzt UDP 68, der Server UDP 67. Broadcasts bleiben ohne Relay auf die lokale Broadcast-Domäne begrenzt.Originalgröße öffnen ↗

Lease verlängern und freigeben

Ein Lease endet nicht erst plötzlich am Ablaufzeitpunkt. Der Client versucht zunächst bei T1, üblicherweise nach 50 Prozent der Lease-Zeit, den bisherigen Server per DHCPREQUEST zu erreichen. Bei T2, üblicherweise nach 87,5 Prozent, versucht er die Verlängerung breiter. Diese Standardwerte können durch den Server beeinflusst werden.

EreignisBedeutung
T1 / RENEWINGClient fragt bevorzugt den bisherigen Server nach Verlängerung
T2 / REBINDINGClient versucht jeden erreichbaren DHCP-Server zu nutzen
AblaufAdresse darf ohne gültiges Lease nicht weiterverwendet werden
DHCPRELEASEClient gibt das Lease freiwillig zurück; Zustellung ist nicht garantiert
DHCPDECLINEClient meldet eine angebotene Adresse als offenbar bereits benutzt

DHCPv6 und SLAAC

DHCPv6 ist ein eigenes Protokoll und keine einfache Portvariante von DHCPv4. Es verwendet UDP 546 am Client und UDP 547 an Server beziehungsweise Relay. Stateful DHCPv6 kann Adressen und Präfixe vergeben; Stateless DHCPv6 liefert nur weitere Konfigurationsparameter. Prefix Delegation versorgt Router mit einem delegierten IPv6-Präfix.

SLAAC bildet Adressen aus Router Advertisements. DHCPv6 kann anstelle von oder zusätzlich zu SLAAC verwendet werden. Das Standardgateway wird bei IPv6 grundsätzlich über Router Advertisements gelernt, nicht als gewöhnliche DHCPv6-Gateway-Option. Die Flags in Router Advertisements und die Clientimplementierung beeinflussen das Verhalten.

VerfahrenAdressvergabeWeitere Parameter
SLAACaus Präfix des Router Advertisementsunter anderem Routerinformationen; DNS je nach RA-Option
Stateless DHCPv6nicht durch DHCPv6beispielsweise DNS- oder Domaininformationen
Stateful DHCPv6Server verwaltet IPv6-Adresszuordnungweitere Optionen möglich
DHCPv6 Prefix Delegationdelegiert ein Präfix an einen RouterRouter bildet daraus Netze für nachgelagerte Segmente

DHCP absichern

Ein nicht autorisierter DHCP-Server kann falsche Gateways oder DNS-Server verteilen und Verkehr umleiten. DHCP-Starvation versucht, einen Pool durch viele vorgetäuschte Clients zu erschöpfen. Switchfunktionen wie DHCP Snooping können vertrauenswürdige Serverports festlegen und Bindings für weitere Schutzmechanismen erzeugen.

RisikoGegenmaßnahme
Rogue DHCPDHCP Snooping, kontrollierte Server-/Relaypfade und Monitoring
Pool-ErschöpfungPort Security, Rate Limits, Snooping und ausreichend dimensionierte Pools
AdresskonfliktAusschlüsse, Reservierungen, Konflikterkennung und saubere statische Adressplanung
falscher ScopeRelayinformation, VLAN-Zuordnung und Poolauswahl prüfen
Manipulierte OptionenZugang zum lokalen Netz begrenzen und kritische Dienste zusätzlich authentisieren

DHCP prüfen und Fehler finden

BeobachtungPrüfung
Client erhält keine AdresseLink/VLAN, Discover, Relay, Serverdienst und freien Pool prüfen
Client nutzt 169.254.0.0/16DHCPv4 ist fehlgeschlagen; APIPA/Link-Local ist kein Server-Lease
Adresse stimmt, Gateway oder DNS nichtOptionen im richtigen Scope und Client-Lease kontrollieren
nur andere Subnetze funktionieren nichtRelay und Auswahl des Clientnetzes prüfen
Lease wird nicht verlängertUnicast zu Server, T1/T2-Ablauf, Firewall und Serverbindung untersuchen
doppelte Adressestatische Adressen, Ausschlüsse, Reservierungen und mehrere DHCP-Server abgleichen
IPv6 verhält sich unerwartetRouter Advertisements, M/O-Flags, SLAAC und DHCPv6 getrennt mitschneiden

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

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