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Kapitel 04

4.5 IP-Header IPv4 und IPv6

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Fachlich geprüftStand: 3. August 2026

IPv4 und IPv6 transportieren Daten über Netzgrenzen hinweg. Ihr jeweiliger Header enthält alle Informationen, die Endsysteme und Router für Adressierung, Weiterleitung und Verarbeitung benötigen. Diese Lernseite zeigt die Kapselung eines Transportsegments, erklärt jedes Feld der beiden IP-Header, liest reale Hexadezimalbeispiele und ordnet MTU, Path MTU Discovery sowie Fragmentierung ein.

Kapselung: Jeder Header gehört zu einer Schicht

Anwendungsdaten werden auf dem Weg durch den Protokollstapel schrittweise gekapselt. Ein Transportprotokoll ergänzt beispielsweise einen TCP- oder UDP-Header. IPv4 oder IPv6 ergänzt davor einen IP-Header. Für die Übertragung auf einem Ethernet-Link wird das vollständige IP-Paket anschließend als Nutzlast eines Ethernet-Frames transportiert.

Der Empfänger entfernt und verarbeitet die Header in umgekehrter Reihenfolge. Ein Router beendet dabei nur die lokale Layer-2-Verbindung: Er entfernt den empfangenen Ethernet-Header, verarbeitet den IP-Header und kapselt das Paket für den nächsten Link neu. MAC-Adressen gelten deshalb nur auf dem jeweiligen Link; IP-Adressen identifizieren die Kommunikation über mehrere Netze hinweg.

Anwendungsdaten werden in ein TCP-Segment, ein IP-Paket und anschließend einen Ethernet-Frame gekapselt
Beim Senden ergänzt jede Schicht ihre Steuerinformationen. Router verarbeiten und ersetzen die lokale Layer-2-Kapselung, während das IP-Paket grundsätzlich weitertransportiert wird.Originalgröße öffnen ↗
SchichtProtokolldateneinheitBeispielhafte Bestandteile
AnwendungDatenAnwendungsprotokoll und Nutzdaten
TransportTCP-Segment / UDP-DatagrammPorts, Sequenzierung oder UDP-Länge
VermittlungIPv4- oder IPv6-PaketIP-Quell- und Zieladresse, Weiterleitungsfelder
SicherungEthernet-Framelokale MAC-Adressen, EtherType und FCS
BitübertragungBits beziehungsweise Symbolephysische Übertragung auf dem Medium

IPv4-Header: variabel zwischen 20 und 60 Byte

Der IPv4-Header wird in 32-Bit-Zeilen dargestellt. Das vier Bit große IHL-Feld enthält die Headerlänge als Anzahl von 32-Bit-Wörtern. Der Mindestwert 5 bedeutet 5 × 4 Byte = 20 Byte. Der Maximalwert 15 bedeutet 60 Byte. Erst nach dieser Länge beginnt die Nutzlast des IPv4-Pakets.

Die ersten vier Bit enthalten im IPv4-Header immer den Wert 4. Ein IPv6-Paket verwendet einen anderen Headeraufbau und ist nicht an einer 6 innerhalb eines IPv4-Headers zu erkennen.

IPv4-Header im 32-Bit-Raster mit Version, IHL, DSCP, ECN, Total Length, Identification, Flags, Fragment Offset, TTL, Protocol, Checksum, Adressen und Options
Ohne Optionen umfasst der IPv4-Header fünf 32-Bit-Zeilen beziehungsweise 20 Byte. Die IHL gibt die tatsächliche Headerlänge in 32-Bit-Wörtern an.Originalgröße öffnen ↗
FeldBitsBedeutung
Version4Wert 4 kennzeichnet den IPv4-Header
IHL4Headerlänge in 32-Bit-Wörtern; 5 bis 15
DSCP6Differentiated Services Code Point für eine konfigurierte Dienstklasse
ECN2Explicit Congestion Notification für signalisierbare Überlast
Total Length16gesamtes IPv4-Paket aus Header und Daten; maximal 65.535 Byte
Identification16unter anderem Zuordnung von Fragmenten eines ursprünglichen Datagramms
Flags3reserviert, DF = Don't Fragment, MF = More Fragments
Fragment Offset13Position eines Fragments in Einheiten von acht Byte
TTL8wird von jedem weiterleitenden Router mindestens um 1 vermindert
Protocol8Typ der enthaltenen Nutzlast, beispielsweise ICMP = 1, TCP = 6 oder UDP = 17
Header Checksum16Prüfsumme nur über den IPv4-Header; wegen TTL an jedem Router neu berechnet
Source Address32IPv4-Adresse des Absenders
Destination Address32IPv4-Adresse des Ziels
Options und Padding0 bis 320optionale Angaben; Padding richtet den Header auf 32 Bit aus

DSCP und ECN teilen sich das frühere ToS-Byte

Das historisch als Type of Service bezeichnete Byte wird heute in sechs Bit DSCP und zwei Bit ECN aufgeteilt. DSCP kann Pakete einer administrativ festgelegten Behandlungsklasse zuordnen. Daraus entsteht nur dann eine praktische Priorisierung, wenn die beteiligten Geräte passende QoS-Regeln anwenden; ein gesetzter Wert garantiert für sich allein keine bevorzugte Zustellung.

ECN ermöglicht kompatiblen Endsystemen und Netzgeräten, bevorstehende Überlast zu signalisieren, ohne jedes betroffene Paket allein zu diesem Zweck zu verwerfen. Die Wirkung hängt von der Unterstützung des Transportprotokolls und der Netzinfrastruktur ab.

IPv4-Fragmentierung über drei Felder steuern

Identification, Flags und Fragment Offset gehören zusammen. Ist ein IPv4-Paket größer als die MTU des nächsten Links, darf ein Router es nur fragmentieren, wenn DF nicht gesetzt ist. Alle erzeugten Fragmente tragen eine passende Identification; der Fragment Offset beschreibt die Position, und MF kennzeichnet, dass weitere Fragmente folgen.

Fragmentierung erhöht Aufwand und Fehleranfälligkeit. Fehlt ein Fragment, kann das ursprüngliche Paket nicht vollständig wieder zusammengesetzt werden. Moderne Kommunikation versucht daher, die Path MTU zu ermitteln und passende Paketgrößen bereits am Sender zu verwenden.

Feld / WertAussage
DF = 1Paket darf unterwegs nicht fragmentiert werden; bei zu kleiner MTU verwerfen und passende ICMP-Meldung senden
MF = 1nach diesem Fragment folgen weitere Fragmente
MF = 0letztes Fragment oder unfragmentiertes Paket
Fragment Offset = 0Paketbeginn beziehungsweise erstes Fragment
Offset > 0Position in der ursprünglichen fragmentierbaren Nutzlast, angegeben in 8-Byte-Einheiten

IPv4-Hexdump schrittweise lesen

Ein Hexdump wird Byte für Byte gelesen. Beim Beispiel beginnt der IPv4-Header nach dem Ethernet-EtherType 0x0800 mit 45 00 00 58 4b ff 40 00 80 06 00 00 c0 a8 b2 31 d4 a2 37 c4. Das erste Byte 0x45 enthält zwei Nibbles: Version 4 und IHL 5. Damit ist der Header 20 Byte lang.

Der Beispielwert der Header Checksum ist 0x0000. In einem lokal aufgezeichneten Paket kann dies durch Checksum Offloading entstehen: Die Netzwerkkarte ergänzt oder prüft die Prüfsumme erst außerhalb des Mitschnittpunkts. Auf dem tatsächlich übertragenen IPv4-Paket muss das Feld korrekt gebildet sein.

BytesFeldAuswertung
45Version und IHLIPv4, 5 × 4 Byte = 20 Byte Header
00DSCP und ECNim Beispiel keine Markierung gesetzt
00 58Total Length0x0058 = 88 Byte gesamtes IPv4-Paket
4b ffIdentification0x4bff
40 00Flags und OffsetDF gesetzt, MF nicht gesetzt, Offset 0
80TTL0x80 = 128
06ProtocolTCP
00 00Header Checksumim Mitschnitt 0; möglichen Offloading-Effekt beachten
c0 a8 b2 31Source Address192.168.178.49
d4 a2 37 c4Destination Address212.162.55.196

IPv6-Basisheader: fest 40 Byte

IPv6 vereinfacht den Basisheader und macht ihn auf feste 40 Byte. Optionen stehen nicht in einem variablen Basisheader, sondern in Extension Headern. Diese befinden sich zwischen dem IPv6-Basisheader und dem Header des übergeordneten Protokolls.

Die ersten vier Bit enthalten immer 6. Traffic Class verwendet wie bei IPv4 DSCP und ECN. Ein Flow Label kann Pakete desselben Flows kennzeichnen, damit Systeme eine konsistente Behandlung unterstützen können. Es erzwingt jedoch weder einen bestimmten Pfad noch automatisch eine garantierte Dienstgüte.

IPv6-Basisheader im 32-Bit-Raster mit Version, Traffic Class, Flow Label, Payload Length, Next Header, Hop Limit sowie 128-Bit-Adressen
Der IPv6-Basisheader ist immer 40 Byte lang. Optionale Informationen stehen in verketteten Extension Headern hinter dem Basisheader.Originalgröße öffnen ↗
FeldBitsBedeutung
Version4Wert 6 kennzeichnet den IPv6-Basisheader
Traffic Class8DSCP und ECN analog zur modernen IPv4-Nutzung
Flow Label20Kennzeichnung eines Flows nach den dafür geltenden Regeln
Payload Length16Länge hinter dem 40-Byte-Basisheader einschließlich vorhandener Extension Header
Next Header8Typ des unmittelbar folgenden Headers: Extension Header oder Protokoll der oberen Schicht
Hop Limit8wird von jedem weiterleitenden Knoten um 1 vermindert
Source Address128IPv6-Adresse des Absenders
Destination Address128IPv6-Adresse des aktuellen Ziels; ein Routing Header kann ein späteres Endziel enthalten

Extension Header bilden eine Headerkette

Das Next-Header-Feld zeigt immer auf den unmittelbar folgenden Header. Folgt direkt TCP, enthält es den Wert 6. Ist zuerst ein Routing-, Fragment- oder anderer Extension Header vorhanden, benennt der IPv6-Basisheader diesen. Der Extension Header besitzt wiederum ein Next-Header-Feld, bis schließlich das Protokoll der oberen Schicht erreicht ist.

IPv6-Router fragmentieren Pakete nicht. Nur der Quellknoten darf bei Bedarf einen Fragment Extension Header erzeugen. Trifft ein Router auf einen Link mit zu kleiner MTU, verwirft er das Paket und sendet ICMPv6 Packet Too Big an die Quelle zurück.

BeispielketteNext-Header-Folge
IPv6 + TCPIPv6 Next Header = 6 (TCP)
IPv6 + Routing + TCPIPv6 → Routing Header → TCP
IPv6 + Routing + Fragment + UDPIPv6 → Routing Header → Fragment Header → UDP
IPv6 ohne FolgeheaderNext Header = 59 (No Next Header)

IPv6-Hexdump schrittweise lesen

Im Beispiel beginnt der IPv6-Basisheader nach dem Ethernet-EtherType 0x86dd mit 60 05 e3 1f 00 14 06 ff. Die ersten vier Byte enthalten Version, Traffic Class und Flow Label. Danach folgen Payload Length, Next Header und Hop Limit.

Die beiden 128-Bit-Adressen belegen zusammen 32 der insgesamt 40 Byte des Basisheaders. Beim Ausschreiben werden jeweils zwei aufeinanderfolgende Byte zu einem Hextet zusammengefasst und anschließend nach den IPv6-Regeln gekürzt.

BytesFeldAuswertung
60 05 e3 1fVersion, Traffic Class, Flow LabelVersion 6, Traffic Class 0, Flow Label 0x5e31f
00 14Payload Length0x0014 = 20 Byte hinter dem Basisheader
06Next HeaderTCP folgt unmittelbar
ffHop Limit0xff = 255
20 03 00 f4 e7 35 07 00 29 95 3a 19 36 b0 e9 70Source Address2003:f4:e735:700:2995:3a19:36b0:e970
2a 01 bc 80 00 05 01 05 00 00 00 00 9b 85 fa 48Destination Address2a01:bc80:5:105::9b85:fa48

IPv4- und IPv6-Header im direkten Vergleich

EigenschaftIPv4IPv6
Basisheadervariabel 20 bis 60 Bytefest 40 Byte
Adressen32 Bit128 Bit
PaketlängeTotal Length enthält Header und DatenPayload Length zählt den Bereich nach dem Basisheader
LebensdauerTTLHop Limit
FolgeprotokollProtocolNext Header als verkettete Angabe
Headerprüfsummevorhanden; an jedem Router neu berechnenkeine Prüfsumme im Basisheader
Optionale InformationenOptions im variablen Headerseparate Extension Header
FragmentierungQuelle und gegebenenfalls Router, wenn DF nicht gesetztnur durch den Quellknoten mit Fragment Header

MTU, Link MTU und Path MTU

Die Maximum Transmission Unit eines Links gibt an, wie groß ein Netzwerkschichtpaket sein darf, das ohne Fragmentierung in dessen Layer-2-Nutzlast transportiert wird. Bei gewöhnlichem Ethernet beträgt die IP-MTU typischerweise 1500 Byte. Die 14 Byte Ethernet-Header und 4 Byte FCS gehören nicht zu dieser MTU; Präambel und Interpacket Gap ebenfalls nicht.

Die Path MTU ist die kleinste Link MTU auf dem gesamten Weg. Path MTU Discovery versucht, diesen Wert zu ermitteln. IPv4 verwendet dafür üblicherweise DF und ICMP Destination Unreachable, Fragmentation Needed. IPv6-Router senden ICMPv6 Packet Too Big. Werden diese Rückmeldungen fehlerhaft blockiert, können Verbindungen scheinbar beginnen und bei größeren Paketen hängen bleiben.

Ein Pfad mit Link-MTUs 9000, 1500 und 1492 Byte; die kleinste Link-MTU bestimmt die Path MTU
Die Path MTU ist die kleinste MTU aller Links auf dem Weg. Ein großer Wert am ersten Link erlaubt nicht automatisch gleich große IP-Pakete auf dem gesamten Pfad.Originalgröße öffnen ↗
Technik / LinkTypischer IP-MTU-WertEinordnung
Ethernet ohne zusätzliche Kapselung1500 Byteweit verbreiteter Standardwert
PPPoE über Ethernet1492 Byteklassisch 8 Byte PPPoE-/PPP-Aufwand innerhalb der Ethernet-Nutzlast
IPv6 Mindest-Link-MTU1280 Bytejeder IPv6-Link muss die Anforderungen aus RFC 8200 erfüllen
Jumbo Frameshäufig etwa 9000 Bytekein einheitlicher Ethernet-Standardwert; muss auf dem gesamten lokalen Pfad zusammenpassen
IPv4 576 Bytehistorische Mindestgröße für Reassemblykeine allgemeine ISDN-MTU und nicht als moderner Zielwert missverstehen

PPPoE und der Unterschied zwischen MTU und Framegröße

Bei Ethernet mit 1500 Byte Nutzlast kann ein vollständiges IP-Paket bis 1500 Byte transportiert werden. Ein ungetaggter Ethernet-MAC-Frame umfasst dann vom Destination-MAC-Feld bis zur FCS typischerweise 1518 Byte. Ein einzelnes 802.1Q-Tag erhöht diese Framegröße auf 1522 Byte, ohne die übliche IP-MTU zwingend zu verändern.

Klassisches PPPoE benötigt innerhalb der Ethernet-Nutzlast acht Byte für PPPoE und PPP. Ohne zusätzliche Verfahren bleiben deshalb 1492 Byte für das IP-Paket. Das ist kein größerer Ethernet-Frame, sondern eine kleinere IP-MTU aufgrund der zusätzlichen Kapselung.

BeispielLayer-2-NutzlastFür das IP-Paket verfügbar
Ethernet, MTU 15001500 Byte1500 Byte
PPPoE auf Ethernet1500 Bytetypischerweise 1492 Byte nach 8 Byte PPPoE/PPP
Ethernet mit 802.1QIP-MTU häufig weiterhin 1500 ByteTag vergrößert den Layer-2-Frame um 4 Byte

MTU mit einem Transportbehälter vergleichen

Als Merkhilfe kann ein Transportbehälter dienen: Ein Fahrzeug erlaubt eine begrenzte Gesamtgröße für einen Behälter. Ein Teil davon wird für die äußere Verpackung und Kennzeichnung benötigt; nur der verbleibende Bereich steht für den eigentlichen Inhalt zur Verfügung. Zusätzliche Kapselungen verkleinern den nutzbaren Innenraum, wenn die äußere Maximalgröße gleich bleibt.

Die Analogie hilft beim Verhältnis von Frame, Headern und Nutzdaten, ersetzt aber nicht die Schichtbegriffe. Die Ethernet-MTU bezeichnet die maximal transportierbare Layer-3-PDU, nicht die gesamte Größe einschließlich aller physischen Übertragungsbestandteile.

Header und MTU systematisch prüfen

PrüfschrittLeitfrage
1. StartpositionBeginnt die Analyse wirklich am IP-Header oder enthält der Dump davor einen Ethernet-Header?
2. VersionZeigt das erste Nibble 4 oder 6 und wird der passende Headeraufbau verwendet?
3. LängeSind IHL und Total Length bei IPv4 beziehungsweise Payload Length bei IPv6 plausibel?
4. FolgeheaderVerweist Protocol oder die Next-Header-Kette auf das tatsächlich enthaltene Protokoll?
5. AdressenWurden jeweils vier beziehungsweise sechzehn Byte korrekt gruppiert und umgerechnet?
6. WeiterleitungSind TTL oder Hop Limit ausreichend und werden sie pro Router vermindert?
7. MTUPasst die Paketgröße zur kleinsten MTU des Pfads und erreichen notwendige ICMP-Meldungen die Quelle?
8. MitschnittKönnen Checksum-, Segmentierungs- oder Empfangs-Offloading die lokale Darstellung beeinflussen?

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

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