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Kapitel 03

3.4 Ethernet-Technologien

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Fachlich geprüftStand: 30. Juli 2026

Ethernet bezeichnet keine einzelne Kabel- oder Geschwindigkeitsstufe, sondern eine große Familie kompatibler MAC- und PHY-Techniken. Für Auswahl, Installation und Fehlersuche müssen Datenrate, Medium, Reichweite, Faser- beziehungsweise Kabelkategorie und Transceiver zusammenpassen. Historische Koaxialvarianten erklären die Herkunft vieler Ethernet-Regeln; im heutigen Betrieb dominieren geswitchte Vollduplex-Verbindungen über Twisted Pair, Direct-Attach-Kupfer und Lichtwellenleiter.

MAC bleibt, PHY wechselt

Ethernet trennt die gemeinsame MAC-Funktion von der konkreten physischen Übertragung. Oberhalb der PHY-Varianten können deshalb grundsätzlich dieselben Ethernet-Frames transportiert werden. Eine Migration auf eine höhere Datenrate erfordert nicht automatisch ein neues Netzwerkprotokoll, wohl aber passende Ports, Transceiver und Übertragungsstrecken.

Eine vollständige Bezeichnung wie 1000BASE-T oder 10GBASE-SR benennt eine konkrete physische Variante. Die Lernseite 3.3 erklärt das Namensschema. Für die Praxis reicht die Datenrate allein nicht: Zwei 10-Gbit/s-Schnittstellen verbinden sich nur, wenn ihre PHYs, Medien und gegebenenfalls Wellenlängen zueinander passen.

Ein gemeinsamer Ethernet-MAC führt zu verschiedenen PHY-Familien über Twisted Pair, Direct Attach, Multimode- und Singlemodefaser
Der Ethernet-MAC stellt das gemeinsame Frameformat bereit. Die konkrete PHY-Variante bestimmt unter anderem Medium, Signalisierung, Stecksystem und Reichweite.Originalgröße öffnen ↗
Ebene / TeilBleibt gemeinsamVariiert je Technik
MACAdressierung, grundlegendes Frameformat und FCSZusatzfunktionen und Betriebsparameter können variieren.
PHYÜbermittelt die MAC-Daten über den Link.Codierung, Symbolrate, Anzahl der Lanes und Duplexeigenschaften
MediumBildet den physischen Übertragungsweg.Twisted Pair, Twinax, Backplane, Multimode- oder Singlemodefaser
SchnittstelleVerbindet zwei kompatible Linkpartner.Fest eingebauter Port oder steckbarer Transceiver wie SFP/SFP+/QSFP

Historische 10-Mbit/s-Varianten

10BASE5 und 10BASE2 verwendeten ein gemeinsam genutztes 50-Ohm-Koaxialkabel in Bustopologie. Beide Kabelenden mussten korrekt terminiert sein. Ein Leitungsbruch, ein fehlender Abschluss oder eine fehlerhafte Abzweigung konnte das gesamte Segment beeinträchtigen. Die alten Grenzen erklären, warum Ethernet ursprünglich eng mit Kollisionsdomänen und CSMA/CD verbunden war.

10BASE-T verlegte die Teilnehmerleitungen sternförmig zu einem Hub oder später zu einem Switch. Die maximale Linklänge beträgt im üblichen strukturierten Kanal 100 m. Die logische Wirkung hing vom Zentralgerät ab: Ein Hub ließ die gemeinsame Kollisionsdomäne bestehen, ein Switch trennte sie in einzelne Links.

  • Die historische 5-4-3-Regel bezog sich auf bestimmte repeatergekoppelte Halbduplex-Netze und ist keine Planungsregel für moderne Switch-Netze.
  • AUI bezeichnete die Verbindung zwischen MAC und externem Transceiver, nicht die heute übliche Anschlussform eines Endgeräts.
  • 10BASE5 und 10BASE2 werden nicht mehr für Neuinstallationen geplant.
VarianteMedium und TopologieWichtige historische GrenzeHeutige Einordnung
10BASE5Dickes 50-Ohm-Koaxialkabel, Bus500 m je Segment, maximal 100 StationenAußer Betrieb; wichtig für Geschichte und Altanlagen
10BASE2Dünnes 50-Ohm-Koaxialkabel mit BNC-T-Stücken, Bus185 m je Segment, maximal 30 StationenAußer Betrieb; Terminierung bleibt ein Lehrbeispiel
10BASE-TTwisted Pair, physischer Stern100 m Kanal zwischen LinkpartnernAls 10-Mbit/s-Link nur noch für Spezial- und Altgeräte
10BASE-FLLichtwellenleiterTypisch bis 2 kmHistorische optische 10-Mbit/s-Variante

Twisted-Pair-Ethernet heute

100BASE-TX nutzt zwei Aderpaare: eines für jede Richtung. 1000BASE-T, 2.5GBASE-T, 5GBASE-T und 10GBASE-T übertragen dagegen gleichzeitig in beiden Richtungen über alle vier Paare. Echo- und Übersprechkompensation trennen die überlagerten Signale. Die vereinfachte Aussage „250 Mbit/s je Paar“ beschreibt bei 1000BASE-T zwar die rechnerische Gesamtrate, aber nicht vier unabhängige Einwegkanäle.

Die 100-m-Grenze bezieht sich bei strukturierter Verkabelung gewöhnlich auf einen 90-m-Permanent-Link plus Anschluss- und Rangierkabel. Höhere Datenraten stellen strengere Anforderungen an Kategorie, Installation, Bündelung und Übersprechen. 2.5GBASE-T und 5GBASE-T wurden unter anderem geschaffen, um vorhandene Verkabelung besser auszunutzen; die tatsächliche Eignung muss dennoch geprüft werden.

Entwicklung von 10BASE-T bis 10GBASE-T mit genutzten Aderpaaren und typischen Verkabelungskategorien
Ab Gigabit-Ethernet werden alle vier Aderpaare gleichzeitig genutzt. Ein Link ist nur so gut wie seine komplette Strecke aus Komponenten, Anschlüssen und Installation.Originalgröße öffnen ↗
VarianteAderpaareTypische Verkabelung für 100 mPraxis
10BASE-T2Cat 3 oder besserAlt- und Spezialgeräte
100BASE-TX2Cat 5 oder besserFast Ethernet; zunehmend Altbestand
1000BASE-T4Cat 5e oder besserSehr verbreitet an Endgeräten
2.5GBASE-T4Cat 5e je nach installierter StreckeMulti-Gigabit, häufig Access Points und moderne Endgeräte
5GBASE-T4Cat 6 empfohlen; Strecke prüfenMulti-Gigabit bei höherem Leistungsbedarf
10GBASE-T4Cat 6A für 100 mServer, Uplinks und leistungsfähige Arbeitsplätze

Fast Ethernet und Gigabit-Ethernet

100BASE-TX wurde zur prägenden Fast-Ethernet-Variante auf Kupfer. 100BASE-FX stellte eine optische Alternative bereit. Mehrere andere damalige Varianten wie 100BASE-T4 setzten sich langfristig nicht durch. Bei einer Bestandsaufnahme ist deshalb die exakte Bezeichnung wichtiger als nur der Begriff Fast Ethernet.

Gigabit-Ethernet brachte 1000BASE-T für Twisted Pair sowie 1000BASE-SX und 1000BASE-LX für Lichtwellenleiter. Die in älteren Darstellungen anzutreffende Bezeichnung „1000BASE-FX“ ist keine reguläre Gigabit-Ethernet-PHY. FX gehört zur 100-Mbit/s-Familie; für Gigabit über Glasfaser werden unter anderem SX und LX unterschieden.

VarianteMediumTypische maximale ReichweiteHinweis
100BASE-TXTwisted Pair100 mZwei Aderpaare, Fast Ethernet
100BASE-FXMultimodefaserbis 2 km bei Vollduplex100 Mbit/s, nicht Gigabit
1000BASE-TTwisted Pair100 mVier Aderpaare, Auto-Negotiation
1000BASE-SXMultimodefaserbis etwa 550 m, faserabhängigKurzwelliges optisches Gigabit-Ethernet
1000BASE-LXSinglemodefaser; unter Bedingungen auch Multimodetypisch bis 5 km auf SinglemodeFür Multimode können besondere Einkoppelbedingungen gelten.
1000BASE-CXGeschirmtes Twinax-Kupfer25 mHistorische kurze Geräteverbindung, nicht 1000BASE-T

10 Gigabit und Multi-Gigabit

10-Gigabit-Ethernet wurde von Beginn an für Vollduplex-Punkt-zu-Punkt-Verbindungen entwickelt. 10GBASE-T bietet 10 Gbit/s über vier Twisted-Pair-Aderpaare. 10GBASE-SR ist für kurze Multimodestrecken, 10GBASE-LR für längere Singlemodestrecken vorgesehen. Direct-Attach-Kabel mit passenden steckbaren Modulen werden für kurze Verbindungen im Rack genutzt.

2.5GBASE-T und 5GBASE-T schließen die Lücke zwischen 1 und 10 Gbit/s auf Twisted Pair. Sie sind besonders bei Access Points sinnvoll, deren Funkkapazität einen einzelnen Gigabit-Link überschreiten kann. Port, Gegenstelle und Verkabelung müssen dieselbe Geschwindigkeit unterstützen; ein „10G“-SFP+-Steckplatz unterstützt nicht automatisch jede BASE-T- oder optische Variante.

VarianteMediumTypische ReichweiteEinsatz
2.5GBASE-T / 5GBASE-TTwisted Pairbis 100 m bei geeigneter StreckeAccess Points, Endgeräte, Aufrüstung vorhandener Verkabelung
10GBASE-TTwisted Pair100 m mit Cat 6AServer, Uplinks, leistungsfähige Clients
10GBASE-SROM3 / OM4 Multimode300 m / 400 mGebäude und Rechenzentrum
10GBASE-LRSinglemode10 kmCampus-, Gebäude- und Providerstrecken
10GBASE-CR / DACTwinax-Kupferkurze, kabelabhängige VerbindungVerbindungen innerhalb oder zwischen benachbarten Racks

Schnelle Ethernet-Varianten im Rechenzentrum

Ab 25 Gbit/s wächst die Zahl der Varianten stark. Datenraten können über eine oder mehrere elektrische beziehungsweise optische Lanes transportiert werden. Kennungen wie SR, DR, FR und LR stehen für unterschiedliche Reichweiten- und Medienziele; Zusätze wie „4“ oder „8“ können die Anzahl paralleler Lanes beziehungsweise Faserpaare kennzeichnen. Die vollständige Modul- und Portdokumentation bleibt maßgeblich.

IEEE 802.3 umfasst inzwischen standardisierte 400- und 800-Gbit/s-Varianten. Weitere Projekte bearbeiten unter anderem 1,6 Tbit/s. Diese Geschwindigkeiten ändern das Ethernet-Frameformat nicht zu einem völlig neuen Protokoll, erhöhen aber die Anforderungen an FEC, Signalintegrität, Optik, Leistungsaufnahme und Kühlung.

KlasseBeispieleTypische Umgebung
25 Gbit/s25GBASE-SR, -LR, -CRServeranbindung und Leaf-Switches
40 / 100 Gbit/s40GBASE-SR4, 100GBASE-SR4, 100GBASE-LR4Uplinks, Spine-Leaf und Campus-Core
200 / 400 Gbit/sverschiedene SR-, DR-, FR- und LR-PHYsRechenzentrum und Provider
800 Gbit/sunter anderem SR8, DR8 und CR8Hochleistungsfähige Rechenzentrumsverbindungen
1,6 Tbit/sIEEE-P802.3dj-ProjektIn Entwicklung; nicht als fertige allgemeine PHY behandeln

Die passende Ethernet-Technik auswählen

Es gibt nicht die eine beste Ethernet-Variante. Kupfer-BASE-T lässt sich bequem an strukturierter Gebäudeverkabelung nutzen und kann Endgeräte per PoE versorgen. Direct Attach ist auf kurzen Rackstrecken kompakt und energieeffizient. Multimodefaser ist für viele kurze bis mittlere Rechenzentrums- und Gebäudestrecken geeignet. Singlemodefaser bietet große Reichweiten und eine langfristig flexible Infrastruktur, erfordert aber passende Optiken und ein sauberes Budget.

Entscheidungsübersicht zur Wahl zwischen Twisted Pair, Direct Attach, Multimode- und Singlemodefaser
Die Auswahl beginnt mit Datenrate und Strecke. Danach werden Medium, vorhandene Infrastruktur, Stecksystem, Transceiver, Leistungsaufnahme und durchgängige Kompatibilität geprüft.Originalgröße öffnen ↗
PrüffrageWorauf achten?
Welche Datenrate wird benötigt?Aktueller Bedarf, Reserven, Portgeschwindigkeit und mögliche Bündelung
Wie lang ist der Kanal?Gesamter Signalweg einschließlich Rangier- und Anschlusskabeln
Welches Medium liegt vor?Kategorie beziehungsweise OM-/OS-Faserklasse, Steckverbinder, Polarität und Zustand
Passen beide Linkenden?PHY, Wellenlänge, Lane-Anzahl, FEC, Modulcodierung und Herstellerfreigabe
Welche Betriebsbedingungen gelten?PoE, Leistungsaufnahme, Wärme, EMV, Rackplatz und Wartbarkeit
Wie wird geprüft?Kupfer- oder Fasermessung, DOM-Werte, Fehlerzähler und dokumentierter Linktest

Typische Verwechslungen vermeiden

  • 1000BASE-FX ist keine reguläre Gigabit-PHY: 100BASE-FX, 1000BASE-SX und 1000BASE-LX auseinanderhalten.
  • RJ45 ist die verbreitete Umgangsbezeichnung; der modulare Steckverbinder einer strukturierten Ethernet-Verkabelung wird technisch häufig als 8P8C bezeichnet.
  • Ein SFP-, SFP+- oder QSFP-Steckplatz beschreibt zunächst die Modulform. Unterstützte Datenraten und PHYs ergeben sich aus Port- und Modulhandbuch.
  • Gleiche Datenrate bedeutet nicht automatisch Kompatibilität: 10GBASE-T, 10GBASE-SR und 10GBASE-LR verwenden unterschiedliche Medien und PHYs.
  • Reichweiten sind Maximalwerte unter definierten Bedingungen, keine Garantie für beliebige Kabel, Faserklassen, Spleiße oder Steckverbindungen.
  • Die Kabelkategorie allein genügt nicht: Installation, Komponenten, Länge und Messwerte bestimmen die Eignung des gesamten Kanals.

Quellen zur fachlichen Prüfung

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