3.3 Ethernetgrundlagen
Ethernet ist die prägende Technik für kabelgebundene lokale Netze. Diese Lernseite konzentriert sich auf den praktischen Betrieb: Halb- und Vollduplex, Auto-Negotiation, wichtige Zeitgrößen und typische Fehlerbilder. Die verschiedenen Ethernet-Varianten, Medien und Reichweiten werden anschließend in 3.4 zusammenhängend behandelt.
Ethernet innerhalb des OSI-Modells
IEEE 802.3 beschreibt Ethernet-Funktionen der Sicherungsschicht und zahlreiche zugehörige Varianten der Bitübertragungsschicht. Auf Schicht 2 werden MAC-Adressen und Frames verarbeitet. Auf Schicht 1 legen die jeweilige PHY-Variante, das Medium, die Reichweite, Steckverbinder und die Signalcodierung fest, wie die Bits tatsächlich übertragen werden.
Ein Switch arbeitet bei der gewöhnlichen Weiterleitung auf Schicht 2. Jeder seiner Ports bildet eine eigene Kollisionsdomäne. Repeater und klassische Hubs arbeiten dagegen nur auf Schicht 1 und geben empfangene Signale an andere Ports weiter. Sie trennen deshalb keine Kollisionsdomänen und sind in heutigen produktiven Ethernet-Netzen praktisch bedeutungslos.
| Komponente | Zentrale Ebene | Wirkung im Ethernet-Netz |
|---|---|---|
| Netzwerkkarte / Ethernet-Schnittstelle | Schicht 1 und 2 | Sendet und empfängt Signale, bildet und prüft MAC-Frames. |
| Repeater / Hub | Schicht 1 | Regeneriert beziehungsweise verteilt Signale; alle Ports teilen eine Kollisionsdomäne. |
| Bridge / Switch | Schicht 2 | Lernt MAC-Adressen und leitet Frames gezielt zwischen Ports weiter. |
| Router | Schicht 3 | Verbindet IP-Netze und erzeugt für jeden Ethernet-Link einen neuen Frame. |
Halbduplex, Vollduplex und Kollisionsdomänen
Halbduplex bedeutet, dass eine Station auf einem gemeinsamen Segment entweder sendet oder empfängt. Senden mehrere Stationen gleichzeitig, kann eine Kollision entstehen. Klassisches CSMA/CD erkennt diesen Fall und startet nach einer zufälligen Wartezeit einen neuen Versuch. Das Verfahren und sein Backoff werden auf der Lernseite 2.5 ausführlich behandelt.
Bei einer korrekt ausgehandelten Vollduplex-Punkt-zu-Punkt-Verbindung können beide Seiten gleichzeitig senden. Es gibt auf diesem Link keine Kollisionen und CSMA/CD wird nicht eingesetzt. Moderne Switch-Netze arbeiten deshalb normalerweise im Vollduplexbetrieb. Eine Duplex-Fehlanpassung - eine Seite Voll-, die andere Halbduplex - kann dennoch starke Leistungseinbrüche, Fehler und Wiederholungen verursachen.
| Merkmal | Halbduplex am gemeinsamen Segment | Vollduplex am Switch |
|---|---|---|
| Senden und Empfangen | Nicht gleichzeitig | Gleichzeitig möglich |
| Kollisionen | Möglich | Auf dem Punkt-zu-Punkt-Link nicht vorgesehen |
| CSMA/CD | Erforderlich | Nicht verwendet |
| Kollisionsdomäne | Alle Hub-Ports gemeinsam | Ein eigener Link pro Switch-Port |
| Heutige Bedeutung | Historie und Fehlersuche | Regelfall im LAN |
Auto-Negotiation und Duplex-Fehlanpassung
Ethernet-Schnittstellen handeln bei unterstützten Twisted-Pair-Varianten ihre gemeinsamen Fähigkeiten aus. Dazu gehören insbesondere Geschwindigkeit und Duplexmodus; weitere Funktionen können ebenfalls signalisiert werden. Gewöhnlich sollte Auto-Negotiation auf beiden Seiten aktiv sein. Eine feste Konfiguration ist nur sinnvoll, wenn sie technisch erforderlich und auf beiden Seiten abgestimmt ist.
Zeigt ein Link zwar Verbindung, liefert aber ungewöhnlich wenig Durchsatz, gehören ausgehandelte Geschwindigkeit, Duplexmodus, Fehlerzähler, Verkabelung und Transceiver zu den ersten Prüfpunkten. Ein auf 100 Mbit/s zurückgefallener Gigabit-Link kann beispielsweise auf ein beschädigtes oder nicht vollständig aufgelegtes Aderpaar hinweisen.
- Beide Linkpartner auf Auto-Negotiation betreiben oder eine erforderliche feste Konfiguration auf beiden Seiten identisch setzen.
- Linkstatus, ausgehandelte Geschwindigkeit und Duplexmodus an beiden Enden vergleichen.
- CRC-/FCS-Fehler, Alignment-Fehler, Drops und Link-Flaps nicht isoliert, sondern zusammen mit Medium und Transceivern bewerten.
- Bei Glasfaser zusätzlich Transceivertyp, Wellenlänge, Faserart, Polarität und optische Pegel prüfen.
Bitzeit, Interpacket Gap und Slot Time
Die Bitzeit ist die Dauer eines einzelnen Bits bei einer gegebenen Datenrate. Bei 10 Mbit/s dauert ein Bit 100 ns, bei 100 Mbit/s 10 ns und bei 1 Gbit/s 1 ns. Sie ist nicht mit der Slot Time gleichzusetzen. Die Slot Time des klassischen CSMA/CD umfasst 512 Bitzeiten bei 10 und 100 Mbit/s; bei Gigabit-Halbduplex wurden 4096 Bitzeiten vorgesehen. Im heutigen Vollduplexbetrieb ist sie für den normalen Medienzugriff nicht mehr relevant.
Der Interpacket Gap beträgt im klassischen MAC-Zeitmodell 96 Bitzeiten. Seine absolute Dauer sinkt mit steigender Datenrate. Die maximale Framezahl pro Sekunde hängt deshalb von Framegröße, Präambel/SFD und dieser Pause ab. Die Lernseite 3.2 zeigt die daraus entstehende Medienbelegung im Detail.
| Datenrate | Bitzeit | 96 Bitzeiten Interpacket Gap |
|---|---|---|
| 10 Mbit/s | 100 ns | 9,6 µs |
| 100 Mbit/s | 10 ns | 0,96 µs |
| 1 Gbit/s | 1 ns | 0,096 µs |
| 10 Gbit/s | 0,1 ns | 0,0096 µs |
Ethernet-Fehler richtig einordnen
Ethernet-Schnittstellen und Switches führen Zähler für unterschiedliche Empfangs- und Übertragungsprobleme. Die genaue Benennung variiert nach Hersteller und Gerät. Ein einzelner Zähler beweist noch keine bestimmte Ursache; entscheidend sind Entwicklung, betroffene Ports, Richtung und Zusammenhang mit Linkereignissen oder Last.
Ein beschädigter Frame mit falscher FCS weist auf einen Fehler zwischen sendender MAC und prüfendem Empfänger hin. Sehr kurze Frames werden häufig als Runts oder Fragments bezeichnet, übergroße als Giants beziehungsweise Jabber, wobei Definitionen geräteabhängig sein können. Moderne Vollduplex-Links sollten keine echten Kollisionen melden. Kollisionszähler sind deshalb ein Hinweis auf Halbduplexbetrieb, Fehlkonfiguration oder eine gerätespezifische Zählerbedeutung.
| Anzeige | Bedeutung | Typische Prüfrichtung |
|---|---|---|
| CRC-/FCS-Fehler | Empfangener Frame besteht die Prüfsumme nicht. | Kabel, Stecker, Transceiver, Störung, PHY und Gegenstelle |
| Runt / Fragment | Frame ist kürzer als die reguläre Mindestgröße; FCS kann fehlerhaft sein. | Kollisionen in Altanlagen, Schnittstelle, Treiber oder Capture-Punkt |
| Giant / Oversize | Frame überschreitet die am Gerät erwartete Größe. | MTU/Jumbo-Frame-Konfiguration und fehlerhaft sendende Geräte |
| Jabber | Ungewöhnlich lange beziehungsweise nicht korrekt endende Übertragung. | Defekte Schnittstelle, PHY oder ältere gemeinsam genutzte Segmente |
| Alignment Error | Frame endet nicht auf einer gültigen Oktettgrenze und ist meist auch FCS-fehlerhaft. | Physische Übertragungsstörung oder historische Kollisionsumgebung |
| Late Collision | Kollision wird nach dem zulässigen Kollisionsfenster erkannt. | Zu lange Halbduplex-Domäne oder Duplex-Fehlanpassung |
| Drops / Discards | Frame wird trotz möglicherweise korrekter Übertragung verworfen. | Überlastung, Puffer, Filter, VLAN- oder Gerätekonfiguration |
Systematische Ethernet-Fehlersuche
Die Fehlersuche beginnt unten im Schichtenmodell und vergleicht immer beide Linkenden. Erst wenn der physische Link stabil und passend ausgehandelt ist, werden VLAN-Zuordnung, MAC-Lernen, IP-Konfiguration und höhere Protokolle geprüft. Diese Reihenfolge verhindert, dass ein Kabel- oder Duplexproblem fälschlich als Anwendungsfehler behandelt wird.
| Schritt | Kontrolle |
|---|---|
| 1. Physischer Link | Link-LED beziehungsweise Status, Kabel, Steckverbinder, Transceiver und Port prüfen. |
| 2. Aushandlung | Geschwindigkeit und Duplexmodus an beiden Enden vergleichen. |
| 3. Zähler | Fehler, Drops und Linkwechsel vor und nach einem Test erfassen. |
| 4. Schicht 2 | VLAN, Portmodus, MAC-Tabelle und Schleifenschutz prüfen. |
| 5. Schicht 3 | IP-Adresse, Präfix, Gateway und Erreichbarkeit im lokalen Netz prüfen. |
| 6. Ende zu Ende | Paketmitschnitt und Durchsatztest mit eindeutigem Messpunkt auswerten. |
Quellen zur fachlichen Prüfung
PDF-Download nach Anmeldung
Zum Schutz der Unterrichtsunterlagen steht der PDF-Download ausschließlich angemeldeten Nutzern zur Verfügung.
