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Kapitel 03

3.2 Ethernet-Frame

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Fachlich geprüftStand: 30. Juli 2026

Der Ethernet-Frame ist die Übertragungseinheit der Sicherungsschicht in einem Ethernet-LAN. Er trägt lokale Quell- und Zieladressen, kennzeichnet die enthaltene Nutzlast und schützt die Übertragung mit einer Frame Check Sequence. Präambel, Start Frame Delimiter und Übertragungspause gehören zum Ablauf auf dem Medium, werden aber nicht in allen Größenangaben als Teil des MAC-Frames mitgezählt. Eine saubere Begriffs- und Größenabgrenzung verhindert typische Fehler bei MTU, MSS, VLANs und Paketmitschnitten.

Der klassische Ethernet-MAC-Frame

Ein ungetaggter Ethernet-MAC-Frame besteht aus 6 Byte Zieladresse, 6 Byte Quelladresse, 2 Byte Length/Type, 46 bis 1500 Byte Datenfeld einschließlich möglichem Padding und 4 Byte FCS. Daraus ergeben sich gewöhnlich 64 bis 1518 Byte von der Zieladresse bis einschließlich FCS. Die Präambel mit 7 Byte und der Start Frame Delimiter mit 1 Byte werden auf dem Medium vorangestellt.

Zwischen zwei Übertragungen liegt bei klassischer Betrachtung ein Interpacket Gap von 96 Bitzeiten, entsprechend 12 Bytezeiten. Diese Pause wird nicht als Datenfeld übertragen und gehört weder zum MAC-Frame noch zur FCS-Berechnung. Moderne PHYs können Details intern anders codieren; für die Ethernet-Grundlagen bleibt die Bytezeitendarstellung das verständliche Bezugsmodell.

Ethernet-MAC-Frame mit Ziel-MAC, Quell-MAC, Length oder EtherType, Nutzdaten und FCS sowie vorangestellter Präambel und SFD
Der MAC-Frame reicht von der Zieladresse bis zur FCS. Präambel und SFD synchronisieren den Empfang; der Interpacket Gap ist eine vorgeschriebene Pause und kein Framefeld.Originalgröße öffnen ↗
BestandteilGrößeAufgabe
Präambel7 ByteEmpfänger auf das Taktschema vorbereiten
SFD1 ByteBeginn des folgenden MAC-Frames kennzeichnen
Ziel-MAC6 ByteLokalen Empfänger beziehungsweise Gruppe angeben
Quell-MAC6 ByteLokalen Absender angeben
Length / EtherType2 ByteLänge oder Art der Nutzlast kennzeichnen
Daten + Padding46–1500 BytePaket beziehungsweise andere Nutzlast und gegebenenfalls Füllbytes
FCS4 ByteCRC-basierte Erkennung beschädigter Frames
Interpacket Gap12 BytezeitenMindestpause zwischen Übertragungen; kein Framefeld

Ziel- und Quell-MAC-Adresse

Die Zieladresse steht zuerst, damit eine Netzwerkkarte beziehungsweise ein Switch früh entscheiden kann, ob der Frame relevant ist. Die Quelladresse folgt und muss bei gewöhnlichen Ethernet-Frames eine Individualadresse sein. Switches lernen aus ihr, an welchem Port eine MAC-Adresse innerhalb eines VLANs erreichbar ist.

Das niederwertigste Bit des ersten übertragenen Adressoktets kennzeichnet Individual- oder Gruppenadresse. Das nächsthöhere Bit unterscheidet universell und lokal verwaltete Adressen. Broadcast verwendet FF:FF:FF:FF:FF:FF. Moderne Betriebssysteme können beispielsweise aus Datenschutzgründen lokal verwaltete, wechselnde WLAN-MAC-Adressen einsetzen.

AdressformBeispielBedeutung
Unicast00:1A:2B:3C:4D:5EEine individuelle Schnittstelle
Multicast01:00:5E:…Eine Gruppe interessierter Empfänger
BroadcastFF:FF:FF:FF:FF:FFAlle Teilnehmer derselben Broadcast-Domäne
Lokal verwaltetU/L-Bit gesetztAdresse wird lokal statt global durch eine Herstellerzuteilung verwaltet

Length oder EtherType?

Das 2-Byte-Feld nach der Quelladresse wird abhängig vom Wert interpretiert. Werte bis einschließlich 1500 geben die Länge der folgenden MAC-Client-Daten an. Werte ab 1536, hexadezimal 0x0600, sind EtherTypes. Der Bereich 1501 bis 1535 ist für diese Unterscheidung nicht als regulärer Längen- oder EtherType-Wert vorgesehen.

Ethernet II verwendet einen EtherType und ist für IP-Verkehr heute die übliche Kapselung. IPv4 verwendet 0x0800, ARP 0x0806 und IPv6 0x86DD. Bei einer Längenangabe folgt typischerweise IEEE 802.2 LLC und gegebenenfalls SNAP, um das höhere Protokoll zu identifizieren.

WertInterpretationBeispiel
0–1500Länge der MAC-Client-DatenIEEE-802.3-Längenfeld mit LLC/SNAP
1501–1535Reservierter ZwischenbereichNicht als gewöhnliche Length/Type-Kennung verwenden
ab 1536 / 0x0600EtherType0x0800 IPv4, 0x0806 ARP, 0x86DD IPv6

802.1Q-VLAN-Tag

Ein einfach getaggter IEEE-802.1Q-Frame erhält vier zusätzliche Byte. Der Tag Protocol Identifier, TPID, ist bei einem gewöhnlichen C-Tag 0x8100. Danach folgt die Tag Control Information mit drei Bit Priority Code Point, einem Bit Drop Eligible Indicator und zwölf Bit VLAN Identifier.

Die zwölf Bit erlauben 4096 Zahlenwerte. VLAN-ID 0 kennzeichnet nur Prioritätsinformation und VLAN-ID 4095 ist reserviert; für gewöhnliche VLAN-Zuordnungen bleiben 1 bis 4094. PCP stellt eine Layer-2-Prioritätsmarkierung bereit, garantiert aber ohne passende Warteschlangen- und Pfadkonfiguration keine Dienstgüte.

Aufbau des vier Byte langen IEEE-802.1Q-Tags aus TPID, PCP, DEI und VLAN-ID
Das 802.1Q-Tag wird zwischen Quell-MAC und dem ursprünglichen Length/EtherType-Feld eingefügt. Es besteht aus dem TPID und der 16-Bit-Tag Control Information.Originalgröße öffnen ↗
TeilfeldBreiteBedeutung
TPID16 BitKennzeichnet den folgenden 802.1Q-Tag, häufig 0x8100
PCP3 BitPrioritätswert 0 bis 7
DEI1 BitHinweis auf bevorzugte Verwerfbarkeit bei Überlast
VID12 BitVLAN-Kennung; gewöhnlich 1 bis 4094

Nutzdaten, Padding und MTU

Die gewöhnliche Ethernet-MTU beträgt 1500 Byte. Sie bezeichnet die maximal ohne zusätzliche Ethernet-Sonderform in das Datenfeld passende Layer-3-PDU, beispielsweise ein IP-Paket. Ethernet-Header und FCS gehören nicht zur IP-MTU. Ist die Nutzlast zu kurz, ergänzt der Sender Padding, damit die Mindestframegröße erreicht wird.

Bei IPv4 enthält das Total-Length-Feld nur das IP-Paket und nicht das Ethernet-Padding. Der Empfänger erkennt deshalb, wo das IP-Paket endet. Jumbo Frames erlauben größere Datenfelder, sind aber nicht durch eine einzige universelle Ethernet-Größe vereinheitlicht. Alle Geräte und Links des Pfads müssen die gewählte Größe unterstützen; andernfalls entstehen Drops oder Fragmentierungsprobleme.

GrößeTypischer WertWas wird gezählt?
Ethernet-MTU1500 ByteMaximales Layer-3-Paket im gewöhnlichen Datenfeld
Minimales Datenfeld46 ByteNutzdaten und nötiges Padding beim ungetaggten Grundformat
Untagged MAC-Frame64–1518 ByteZiel-MAC bis FCS
Einfach getaggter Frame4 Byte zusätzlich802.1Q-Tag zwischen Quell-MAC und Length/EtherType
Jumbo FrameHersteller-/Netzdesign abhängigNur mit durchgängiger Unterstützung verwenden

FCS und CRC

Die vier Byte lange Frame Check Sequence enthält das Ergebnis einer CRC-32-Berechnung. Sie schützt den Bereich von der Zieladresse über Header, Nutzdaten und Padding. Präambel und SFD gehören nicht zur Berechnung. Erkennt der Empfänger eine Abweichung, wird der Frame normalerweise verworfen und ein Fehlerzähler kann steigen.

Die FCS ist keine kryptografische Signatur: Ein Angreifer kann Daten und Prüfsumme gezielt neu berechnen. Außerdem wird die FCS von Netzwerkkarten häufig bereits geprüft und entfernt, bevor ein Paketmitschnitt das Betriebssystem erreicht. Dass Wireshark keine FCS anzeigt, beweist deshalb nicht, dass auf dem Medium keine übertragen wurde.

  • CRC erkennt viele typische Übertragungsfehler, korrigiert die Nutzdaten aber nicht.
  • Switches berechnen beim Weiterleiten einen neuen gültigen Frame für den Ausgangsport.
  • Steigende FCS-Fehler können auf Medium, Stecker, Transceiver, Duplex-/PHY-Probleme oder Störungen hinweisen.
  • Capture-Hardware und Treiber bestimmen, ob FCS und beschädigte Frames sichtbar sind.

Kapselung von TCP über IPv4

Ein typisches Beispiel ohne Optionen verwendet 1500 Byte IP-Paketgröße. Davon belegt der minimale IPv4-Header 20 Byte. Im verbleibenden TCP-Segment belegt der minimale TCP-Header weitere 20 Byte. Damit ergibt sich eine TCP Maximum Segment Size von 1460 Byte. TCP- oder IP-Optionen verringern den Platz für Anwendungsdaten.

Bei IPv6 beträgt der Basisheader 40 Byte. Ohne Erweiterungsheader und mit minimalem TCP-Header ergibt sich bei derselben 1500-Byte-MTU eine TCP-MSS von 1440 Byte. Die MSS bezeichnet TCP-Nutzdaten, nicht die Größe des TCP-Segments oder Ethernet-Frames.

Verschachtelung von TCP-Nutzdaten in TCP-Segment, IPv4-Paket und Ethernet-Frame bei einer MTU von 1500 Byte
Bei 1500 Byte Ethernet-MTU, einem 20-Byte-IPv4-Header und einem 20-Byte-TCP-Header bleiben ohne Optionen 1460 Byte TCP-Nutzdaten.Originalgröße öffnen ↗
RechnungErgebnis
1500 − 20 Byte IPv4 − 20 Byte TCP1460 Byte TCP-MSS
1500 − 40 Byte IPv6 − 20 Byte TCP1440 Byte TCP-MSS
MSS + TCP-HeaderTCP-Segment
TCP-Segment + IP-HeaderIP-Paket
IP-Paket + Ethernet-Header + FCSEthernet-MAC-Frame

Was belegt tatsächlich das Medium?

Bei einem ungetaggten Frame mit 1500 Byte Datenfeld umfasst der MAC-Frame 1518 Byte. Mit Präambel und SFD werden 1526 Byte übertragen; zusammen mit dem Interpacket Gap belegt die Übertragung 1538 Bytezeiten. Das Verhältnis von 1500 Byte Nutzdaten zu 1538 Bytezeiten beträgt ungefähr 97,5 Prozent. Weitere Protokollheader reduzieren den Anteil echter Anwendungsdaten zusätzlich.

Kleine Frames verursachen relativ mehr Overhead. Ein minimaler 64-Byte-MAC-Frame belegt zusammen mit Präambel, SFD und Gap 84 Bytezeiten. Durchsatzangaben müssen daher klären, ob sie Leitungsgeschwindigkeit, MAC-Frame-Rate, IP-Durchsatz oder Anwendungsdaten meinen.

Zeitliche Folge aus Präambel, SFD, MAC-Frame und Interpacket Gap für einen Ethernet-Frame
Für die Belegung des Mediums müssen zusätzlich zum MAC-Frame acht Byte Synchronisation und zwölf Bytezeiten Pause berücksichtigt werden.Originalgröße öffnen ↗
BeispielMAC-FrameMit Präambel/SFD und GapAnteil des Datenfelds
Maximales ungetaggtes Grundformat1518 Byte1538 Bytezeiten1500 / 1538 ≈ 97,5 %
Minimales ungetaggtes Grundformat64 Byte84 Bytezeiten46 / 84 ≈ 54,8 %

Frames im Paketmitschnitt lesen

  • VLAN- und Prüfsummen-Offloading kann einen lokalen Mitschnitt anders aussehen lassen als den Frame auf dem Kabel.
  • Preamble, SFD und Interpacket Gap erscheinen in gewöhnlichen Software-Captures nicht.
  • Ein Router ersetzt den Ethernet-Header; die MAC-Adressen bleiben daher nicht Ende zu Ende gleich.
PrüfschrittFrage
1. Capture-PunktVor oder nach VLAN-Offload, Switch, Router oder Tunnel?
2. MAC-AdressenPassen lokaler Absender und nächster Layer-2-Empfänger?
3. VLANIst ein Tag sichtbar und stimmen VID, PCP und DEI?
4. EtherTypeWelches Protokoll folgt: IPv4, ARP, IPv6 oder etwas anderes?
5. Länge / MTUSind Frame und Paket für den Link plausibel oder fragmentiert?
6. FCSWird sie mitgeschnitten, bereits entfernt oder als fehlerhaft gemeldet?
7. PaddingGehören zusätzliche Bytes zum höheren Protokoll oder nur zum Mindestframe?

Quellen zur fachlichen Prüfung

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