3.1 Übersicht Data Link Layer
Die Sicherungsschicht bildet aus dem Bitstrom einer konkreten Verbindung übertragbare Frames. Sie kennzeichnet Sender und Empfänger auf dem lokalen Link, regelt den Zugriff auf das Medium und erkennt viele Übertragungsfehler. Bridges, Switches, Netzwerkkarten und Access Points arbeiten mit Funktionen dieser Schicht. Die Sicherungsschicht stellt jedoch keine allgemeine Ende-zu-Ende-Zustellung zwischen entfernten Netzen bereit; dafür greifen die darüberliegenden Schichten ein.
Schicht 2 zwischen Bits und Paketen
Die Protokolldateneinheit der Sicherungsschicht heißt Frame. Beim Senden übernimmt die Schicht ein Paket der Vermittlungsschicht als Nutzlast und ergänzt schichtspezifische Steuerinformationen. Dazu können Ziel- und Quelladresse, Protokollkennzeichnung, Längen- oder Typinformation, Priorität und eine Prüfsumme gehören. Die konkrete Struktur hängt vom verwendeten Layer-2-Protokoll ab.
Die Bitübertragungsschicht transportiert die codierten Signale. Schicht 2 erkennt daraus Framegrenzen und wertet den vollständigen Frame aus. Ein Router entfernt für jeden durchlaufenen Link den empfangenen Layer-2-Rahmen und erzeugt für den nächsten Link einen neuen. Das IP-Paket kann dabei grundsätzlich erhalten bleiben, während sich die lokalen Linkadressen ändern.
| OSI-Schicht | Dateneinheit | Beispiele |
|---|---|---|
| 3 – Vermittlung | Paket | IPv4, IPv6 und Routing |
| 2 – Sicherung | Frame | Ethernet, WLAN-MAC, PPP |
| 1 – Bitübertragung | Bits / Symbole | Elektrische, optische oder Funksignale |
Kernaufgaben der Sicherungsschicht
Nicht jedes Layer-2-Protokoll stellt jede mögliche Funktion bereit. Ethernet erkennt beispielsweise beschädigte Frames über die FCS und verwirft sie normalerweise, korrigiert die enthaltenen Bits aber nicht selbst. Eine erneute Übertragung kann je nach Technik auf Schicht 2 erfolgen, im klassischen Ethernet übernimmt die Wiederherstellung jedoch eine höhere Schicht oder die Anwendung.
| Aufgabe | Bedeutung |
|---|---|
| Framing | Bitstrom in erkennbare Datenrahmen gliedern |
| Lokale Adressierung | Sender und Empfänger auf einem Link beziehungsweise in einem Layer-2-Netz kennzeichnen |
| Medienzugriff | Gemeinsam genutztes Medium koordinieren, zum Beispiel im WLAN |
| Multiplexing | Kennzeichnen, welches Protokoll beziehungsweise welcher Dienst die Nutzlast erhält |
| Fehlererkennung | Beschädigte Frames beispielsweise mit CRC/FCS erkennen |
| Weiterleitung | Frames anhand von MAC-Adressen und VLAN-Zuordnung durch Bridges/Switches leiten |
| Fluss- und Prioritätssteuerung | Optional und technikabhängig Verkehr beeinflussen; keine allgemeine Garantie |
MAC und LLC als Teilschichten
Das IEEE-802-Referenzmodell gliedert Schicht 2 in Logical Link Control, LLC, und Media Access Control, MAC. Die MAC-Teilschicht ist eng mit dem konkreten LAN-Verfahren verbunden. Sie umfasst unter anderem MAC-Adressierung, Frameformat und Medienzugriff. Ethernet ist in IEEE 802.3, WLAN-MAC in IEEE 802.11 beschrieben.
LLC nach IEEE 802.2 stellt eine gemeinsame Schnittstelle oberhalb unterschiedlicher IEEE-802-MAC-Verfahren bereit und kann höhere Protokolle kennzeichnen. In heutigen Ethernet-Netzen ist Ethernet II mit EtherType weit verbreitet; LLC/SNAP begegnet weiterhin in bestimmten Protokollen und Kapselungen. LLC ist daher ein wichtiges Architekturkonzept, aber nicht als zusätzlicher sichtbarer Header in jedem Ethernet-Frame vorhanden.
| Teilschicht | Typische Zuständigkeit | Beispiele |
|---|---|---|
| LLC | Gemeinsame Schnittstelle und Protokollmultiplexing | IEEE 802.2 LLC, LLC/SNAP |
| MAC | Frameformat, lokale Adresse und Medienzugriff | IEEE 802.3 Ethernet, IEEE 802.11 WLAN-MAC |
MAC-Adressen und lokale Zustellung
MAC-Adressen kennzeichnen Sender und Empfänger auf dem lokalen Ethernet-Link. Ein Switch nutzt sie für die Zustellung innerhalb eines VLANs; ein Router bildet die Grenze zum nächsten Layer-2-Netz und erzeugt dort einen neuen Frame. Aufbau und Adressarten behandelt 3.2, das Lernen und Weiterleiten eines Switches 3.5 ausführlich.
Fehler erkennen ist nicht automatisch Fehler korrigieren
Schicht 2 kann Übertragungsfehler erkennen, korrigiert sie aber nicht grundsätzlich. Ethernet verwirft Frames mit fehlerhafter FCS; eine notwendige Wiederholung übernimmt eine dafür vorgesehene höhere Schicht oder Anwendung. Berechnung und Auswertung von FCS und CRC werden in 3.2 erklärt.
Medienzugriff hängt von der Technik ab
Auf einem gemeinsam genutzten Medium muss geregelt werden, wann eine Station senden darf. Historisches Halbduplex-Ethernet verwendete CSMA/CD. Moderne geswitchte Ethernet-Links arbeiten gewöhnlich vollduplex und benötigen keinen konkurrierenden Medienzugriff. WLAN verwendet weiterhin CSMA/CA, weil mehrere Stationen denselben Funkkanal teilen. Die Verfahren wurden in 2.5 ausführlich verglichen.
| Technik | Medienzugriff | Heutige Einordnung |
|---|---|---|
| Geswitchtes Ethernet | Punkt-zu-Punkt und vollduplex | Keine normalen Kollisionen und kein aktives CSMA/CD |
| WLAN | CSMA/CA mit Backoff und Bestätigungen | Geteilte Funkzeit innerhalb eines Kanals |
| Token Ring / Token Bus | Senderecht durch Token | Historische LAN-Verfahren |
| FDDI | Token-Verfahren auf einem Glasfaserring | Historische Backbone-Technik |
Bridges, Switches und VLANs
Ein Ethernet-Switch ist eine mehrportige Bridge. Er verbindet Layer-2-Segmente und trennt mit VLANs Broadcast-Domänen; Routing zwischen VLANs benötigt eine Layer-3-Funktion. MAC-Lernen und Frameweiterleitung folgen in 3.5, redundante schleifenfreie Topologien in 3.6.
Layer-2-Verfahren einordnen
| Verfahren / Standard | Aufgabe | Einordnung |
|---|---|---|
| IEEE 802.3 | Ethernet-MAC und zugehörige PHYs | Zentrale kabelgebundene LAN-Technik |
| IEEE 802.11 | WLAN-MAC und PHY | Zentrale drahtlose LAN-Technik |
| IEEE 802.1Q | Bridges, VLANs und zugehörige Funktionen | Grundlage moderner geswitchter VLAN-Netze |
| PPP, RFC 1661 | Mehrprotokoll-Kapselung auf Punkt-zu-Punkt-Links | Linkaufbau über LCP, Protokollkonfiguration über NCPs |
| HDLC-Familie | Rahmenbildung auf seriellen Links | Mehrere Varianten; konkrete Implementierung beachten |
| Token Ring / Token Bus / FDDI | Tokenbasierter Medienzugriff | Historische Bedeutung |
| ATM | Zellvermittlung mit festen 53-Byte-Zellen | Eigenständige historische WAN-/Backbone-Technik, nicht einfach IEEE-802-MAC |
Flusskontrolle richtig einordnen
Flusskontrolle ist keine garantierte Grundfunktion jedes Layer-2-Protokolls. Linklokale Ethernet-Verfahren dürfen insbesondere nicht mit der Ende-zu-Ende-Flusskontrolle von TCP verwechselt werden. PAUSE, Puffer und ihre betrieblichen Grenzen werden zusammenhängend in 3.5 behandelt.
Fehlersuche auf Schicht 2
- Ein aktives Linklicht beweist keine fehlerfreie Frameübertragung.
- Eine IP-Adresse gehört zu Schicht 3 und erklärt nicht allein die Layer-2-Erreichbarkeit.
- Paketmitschnitt, Switch-Zähler und MAC-Tabelle müssen gemeinsam und am richtigen Messpunkt bewertet werden.
| Prüfschritt | Typische Fragen |
|---|---|
| 1. Linkstatus | Ist der physische Link aktiv und passen Geschwindigkeit und Duplex? |
| 2. Fehlerzähler | Steigen FCS-, Alignment-, Drop- oder Retry-Zähler? |
| 3. VLAN-Zuordnung | Sind Access-VLAN, Trunk und erlaubte VLANs korrekt? |
| 4. MAC-Tabelle | Wird die Quell-MAC am erwarteten Port und im richtigen VLAN gelernt? |
| 5. Schleifen und STP | Ist der vorgesehene Pfad aktiv und gibt es Topologieänderungen? |
| 6. Frameanalyse | Passen Quell-/Ziel-MAC, EtherType, VLAN-Tag und Nutzlast? |
Quellen zur fachlichen Prüfung
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