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Kapitel 03

3.1 Übersicht Data Link Layer

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Fachlich geprüftStand: 30. Juli 2026

Die Sicherungsschicht bildet aus dem Bitstrom einer konkreten Verbindung übertragbare Frames. Sie kennzeichnet Sender und Empfänger auf dem lokalen Link, regelt den Zugriff auf das Medium und erkennt viele Übertragungsfehler. Bridges, Switches, Netzwerkkarten und Access Points arbeiten mit Funktionen dieser Schicht. Die Sicherungsschicht stellt jedoch keine allgemeine Ende-zu-Ende-Zustellung zwischen entfernten Netzen bereit; dafür greifen die darüberliegenden Schichten ein.

Schicht 2 zwischen Bits und Paketen

Die Protokolldateneinheit der Sicherungsschicht heißt Frame. Beim Senden übernimmt die Schicht ein Paket der Vermittlungsschicht als Nutzlast und ergänzt schichtspezifische Steuerinformationen. Dazu können Ziel- und Quelladresse, Protokollkennzeichnung, Längen- oder Typinformation, Priorität und eine Prüfsumme gehören. Die konkrete Struktur hängt vom verwendeten Layer-2-Protokoll ab.

Die Bitübertragungsschicht transportiert die codierten Signale. Schicht 2 erkennt daraus Framegrenzen und wertet den vollständigen Frame aus. Ein Router entfernt für jeden durchlaufenen Link den empfangenen Layer-2-Rahmen und erzeugt für den nächsten Link einen neuen. Das IP-Paket kann dabei grundsätzlich erhalten bleiben, während sich die lokalen Linkadressen ändern.

Sicherungsschicht zwischen Vermittlungsschicht und Bitübertragungsschicht mit Paket, Frame und Bits als Dateneinheiten
Beim Senden wird ein Paket in einen Frame gekapselt und als Bitfolge übertragen. Beim Empfang wird der Frame geprüft und das enthaltene Paket an die Vermittlungsschicht weitergegeben.Originalgröße öffnen ↗
OSI-SchichtDateneinheitBeispiele
3 – VermittlungPaketIPv4, IPv6 und Routing
2 – SicherungFrameEthernet, WLAN-MAC, PPP
1 – BitübertragungBits / SymboleElektrische, optische oder Funksignale

Kernaufgaben der Sicherungsschicht

Nicht jedes Layer-2-Protokoll stellt jede mögliche Funktion bereit. Ethernet erkennt beispielsweise beschädigte Frames über die FCS und verwirft sie normalerweise, korrigiert die enthaltenen Bits aber nicht selbst. Eine erneute Übertragung kann je nach Technik auf Schicht 2 erfolgen, im klassischen Ethernet übernimmt die Wiederherstellung jedoch eine höhere Schicht oder die Anwendung.

AufgabeBedeutung
FramingBitstrom in erkennbare Datenrahmen gliedern
Lokale AdressierungSender und Empfänger auf einem Link beziehungsweise in einem Layer-2-Netz kennzeichnen
MedienzugriffGemeinsam genutztes Medium koordinieren, zum Beispiel im WLAN
MultiplexingKennzeichnen, welches Protokoll beziehungsweise welcher Dienst die Nutzlast erhält
FehlererkennungBeschädigte Frames beispielsweise mit CRC/FCS erkennen
WeiterleitungFrames anhand von MAC-Adressen und VLAN-Zuordnung durch Bridges/Switches leiten
Fluss- und PrioritätssteuerungOptional und technikabhängig Verkehr beeinflussen; keine allgemeine Garantie

MAC und LLC als Teilschichten

Das IEEE-802-Referenzmodell gliedert Schicht 2 in Logical Link Control, LLC, und Media Access Control, MAC. Die MAC-Teilschicht ist eng mit dem konkreten LAN-Verfahren verbunden. Sie umfasst unter anderem MAC-Adressierung, Frameformat und Medienzugriff. Ethernet ist in IEEE 802.3, WLAN-MAC in IEEE 802.11 beschrieben.

LLC nach IEEE 802.2 stellt eine gemeinsame Schnittstelle oberhalb unterschiedlicher IEEE-802-MAC-Verfahren bereit und kann höhere Protokolle kennzeichnen. In heutigen Ethernet-Netzen ist Ethernet II mit EtherType weit verbreitet; LLC/SNAP begegnet weiterhin in bestimmten Protokollen und Kapselungen. LLC ist daher ein wichtiges Architekturkonzept, aber nicht als zusätzlicher sichtbarer Header in jedem Ethernet-Frame vorhanden.

Aufteilung der Sicherungsschicht in LLC und MAC mit ihren typischen Aufgaben
Im IEEE-802-Modell liegt LLC oberhalb der medienbezogenen MAC-Teilschicht. In heutigen Ethernet-II-Frames identifiziert häufig das EtherType-Feld direkt das darüberliegende Protokoll.Originalgröße öffnen ↗
TeilschichtTypische ZuständigkeitBeispiele
LLCGemeinsame Schnittstelle und ProtokollmultiplexingIEEE 802.2 LLC, LLC/SNAP
MACFrameformat, lokale Adresse und MedienzugriffIEEE 802.3 Ethernet, IEEE 802.11 WLAN-MAC

MAC-Adressen und lokale Zustellung

MAC-Adressen kennzeichnen Sender und Empfänger auf dem lokalen Ethernet-Link. Ein Switch nutzt sie für die Zustellung innerhalb eines VLANs; ein Router bildet die Grenze zum nächsten Layer-2-Netz und erzeugt dort einen neuen Frame. Aufbau und Adressarten behandelt 3.2, das Lernen und Weiterleiten eines Switches 3.5 ausführlich.

Switch leitet Unicast-Frame innerhalb eines VLANs weiter, Router bildet die Grenze zum nächsten Layer-2-Netz
Der Switch lernt Quell-MAC-Adressen pro VLAN und leitet Frames lokal weiter. Für ein anderes IP-Netz sendet der Client den Frame an die MAC-Adresse seines Default Gateways.Originalgröße öffnen ↗

Fehler erkennen ist nicht automatisch Fehler korrigieren

Schicht 2 kann Übertragungsfehler erkennen, korrigiert sie aber nicht grundsätzlich. Ethernet verwirft Frames mit fehlerhafter FCS; eine notwendige Wiederholung übernimmt eine dafür vorgesehene höhere Schicht oder Anwendung. Berechnung und Auswertung von FCS und CRC werden in 3.2 erklärt.

Medienzugriff hängt von der Technik ab

Auf einem gemeinsam genutzten Medium muss geregelt werden, wann eine Station senden darf. Historisches Halbduplex-Ethernet verwendete CSMA/CD. Moderne geswitchte Ethernet-Links arbeiten gewöhnlich vollduplex und benötigen keinen konkurrierenden Medienzugriff. WLAN verwendet weiterhin CSMA/CA, weil mehrere Stationen denselben Funkkanal teilen. Die Verfahren wurden in 2.5 ausführlich verglichen.

TechnikMedienzugriffHeutige Einordnung
Geswitchtes EthernetPunkt-zu-Punkt und vollduplexKeine normalen Kollisionen und kein aktives CSMA/CD
WLANCSMA/CA mit Backoff und BestätigungenGeteilte Funkzeit innerhalb eines Kanals
Token Ring / Token BusSenderecht durch TokenHistorische LAN-Verfahren
FDDIToken-Verfahren auf einem GlasfaserringHistorische Backbone-Technik

Bridges, Switches und VLANs

Ein Ethernet-Switch ist eine mehrportige Bridge. Er verbindet Layer-2-Segmente und trennt mit VLANs Broadcast-Domänen; Routing zwischen VLANs benötigt eine Layer-3-Funktion. MAC-Lernen und Frameweiterleitung folgen in 3.5, redundante schleifenfreie Topologien in 3.6.

Layer-2-Verfahren einordnen

Verfahren / StandardAufgabeEinordnung
IEEE 802.3Ethernet-MAC und zugehörige PHYsZentrale kabelgebundene LAN-Technik
IEEE 802.11WLAN-MAC und PHYZentrale drahtlose LAN-Technik
IEEE 802.1QBridges, VLANs und zugehörige FunktionenGrundlage moderner geswitchter VLAN-Netze
PPP, RFC 1661Mehrprotokoll-Kapselung auf Punkt-zu-Punkt-LinksLinkaufbau über LCP, Protokollkonfiguration über NCPs
HDLC-FamilieRahmenbildung auf seriellen LinksMehrere Varianten; konkrete Implementierung beachten
Token Ring / Token Bus / FDDITokenbasierter MedienzugriffHistorische Bedeutung
ATMZellvermittlung mit festen 53-Byte-ZellenEigenständige historische WAN-/Backbone-Technik, nicht einfach IEEE-802-MAC

Flusskontrolle richtig einordnen

Flusskontrolle ist keine garantierte Grundfunktion jedes Layer-2-Protokolls. Linklokale Ethernet-Verfahren dürfen insbesondere nicht mit der Ende-zu-Ende-Flusskontrolle von TCP verwechselt werden. PAUSE, Puffer und ihre betrieblichen Grenzen werden zusammenhängend in 3.5 behandelt.

Fehlersuche auf Schicht 2

  • Ein aktives Linklicht beweist keine fehlerfreie Frameübertragung.
  • Eine IP-Adresse gehört zu Schicht 3 und erklärt nicht allein die Layer-2-Erreichbarkeit.
  • Paketmitschnitt, Switch-Zähler und MAC-Tabelle müssen gemeinsam und am richtigen Messpunkt bewertet werden.
PrüfschrittTypische Fragen
1. LinkstatusIst der physische Link aktiv und passen Geschwindigkeit und Duplex?
2. FehlerzählerSteigen FCS-, Alignment-, Drop- oder Retry-Zähler?
3. VLAN-ZuordnungSind Access-VLAN, Trunk und erlaubte VLANs korrekt?
4. MAC-TabelleWird die Quell-MAC am erwarteten Port und im richtigen VLAN gelernt?
5. Schleifen und STPIst der vorgesehene Pfad aktiv und gibt es Topologieänderungen?
6. FrameanalysePassen Quell-/Ziel-MAC, EtherType, VLAN-Tag und Nutzlast?

Quellen zur fachlichen Prüfung

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