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Kapitel 05

5.3 Paketvermittlungsverfahren

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Fachlich geprüftStand: 4. August 2026

Paketvermittelte Netze zerlegen Datenströme in handhabbare Übertragungseinheiten, die sich Übertragungswege und Netzwerkkomponenten mit vielen anderen Kommunikationsbeziehungen teilen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen verbindungsloser Datagrammvermittlung, virtuellen Verbindungen und einer Transportverbindung zwischen Anwendungen. Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Ebenen und dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Warum Daten in Paketen übertragen werden

Bei der Paketvermittlung wird eine Übertragungsressource nicht dauerhaft exklusiv für genau eine Kommunikation reserviert. Viele Teilnehmer können einen Link zeitlich nacheinander nutzen. Netzwerkkomponenten empfangen Übertragungseinheiten, prüfen die für ihre Aufgabe relevanten Steuerinformationen und leiten sie über einen geeigneten Ausgang weiter. Dieses Prinzip wird Store-and-Forward genannt.

Die Aufteilung ermöglicht eine flexible gemeinsame Nutzung vorhandener Kapazität. Gleichzeitig können Warteschlangen entstehen. Ist ein Ausgang ausgelastet, werden Pakete zwischengespeichert, verzögert oder bei gefülltem Puffer verworfen. Paketvermittlung garantiert daher nicht automatisch eine konstante Laufzeit oder Datenrate.

EigenschaftAuswirkung
gemeinsam genutzte LinksKapazität kann dynamisch zwischen vielen Kommunikationsbeziehungen verteilt werden
Store-and-Forwardjede beteiligte Komponente benötigt Zeit zum Empfangen, Prüfen und Weiterleiten
WarteschlangenAuslastung führt zu zusätzlicher und schwankender Verzögerung
begrenzte Pufferbei Überlast können Pakete verworfen werden
Header je ÜbertragungseinheitAdressierung und Steuerung erzeugen Protokoll-Overhead

Datagrammvermittlung und virtuelle Verbindungen

Bei einem verbindungslosen Datagrammdienst wird vor dem Senden kein Pfad im Netz eingerichtet. Jedes IP-Paket trägt die für die Weiterleitung benötigte Zieladresse. Router behandeln Pakete grundsätzlich einzeln. Änderungen am Routing oder eine Lastverteilung können dazu führen, dass Pakete derselben Kommunikation unterschiedliche Wege nehmen. Daraus folgt keine Garantie für Zustellung, Reihenfolge oder konstante Laufzeit.

Bei einer virtuellen Verbindung beziehungsweise einem verbindungsorientierten Paketdienst wird zunächst ein logischer Pfad oder Zustand im Netz eingerichtet. Nachfolgende Übertragungseinheiten können eine kürzere Kennung statt einer vollständigen Endadresse für jede interne Weiterleitungsentscheidung verwenden. ATM verwendete dafür unter anderem VPI und VCI. MPLS verwendet Labels und bildet Label-Switched Paths. Die physische Leitung bleibt dennoch mit anderem Verkehr geteilt.

Vergleich von verbindungsloser IP-Datagrammvermittlung und labelbasierter MPLS-Weiterleitung über einen festgelegten Pfad
IP-Router treffen für jedes Paket eine Weiterleitungsentscheidung. MPLS leitet innerhalb einer Domäne anhand kurzer Labels über einen Label-Switched Path weiter.Originalgröße öffnen ↗
MerkmalVerbindungslose DatagrammvermittlungVirtuelle Verbindung / Labelpfad
Vorbereitung im Netzkein Verbindungsaufbau für den Datenpfadlogischer Pfad oder Weiterleitungszustand wird eingerichtet
Weiterleitungsinformationbeispielsweise vollständige Ziel-IP-Adressekurze Verbindungskennung oder Label
Pfadkann sich zwischen Paketen ändernfolgt innerhalb des Gültigkeitsbereichs dem eingerichteten Pfad
Reihenfolgenicht durch den Datagrammdienst garantiertgemeinsamer Pfad begünstigt Reihenfolge, ist aber keine allgemeine Ende-zu-Ende-Garantie
BeispieleIPv4 und IPv6ATM sowie MPLS-Label-Switched Paths

Netzwerkverbindung und Transportverbindung trennen

TCP ist verbindungsorientiert, aber kein Paketvermittlungsverfahren innerhalb von Routern. Eine TCP-Verbindung besteht als Zustand zwischen zwei Transportendpunkten. Die TCP-Segmente werden weiterhin in verbindungslosen IP-Paketen transportiert. Router im Internet müssen den TCP-Zustand für die normale IP-Weiterleitung nicht kennen.

UDP stellt keinen Verbindungszustand bereit. Seine Datagramme werden ebenfalls in IP-Paketen transportiert. Ethernet ist auf einem einzelnen Link ein Frame-basiertes Sicherungsprotokoll und nicht mit einer IP-Ende-zu-Ende-Verbindung gleichzusetzen. Die Begriffe „verbindungslos“ und „verbindungsorientiert“ müssen deshalb immer zusammen mit der betrachteten Schicht und dem konkreten Protokoll genannt werden.

EbeneBeispielWas „Verbindung“ hier bedeutet
Transport zwischen AnwendungenTCPEndpunkte bauen einen gemeinsamen Transportzustand mit Sequenzierung und Bestätigung auf.
Internet-/VermittlungsschichtIPv4, IPv6Pakete werden ohne vorher eingerichtete IP-Verbindung weitergeleitet.
Weiterleitung in einer ProviderdomäneMPLSLabels ordnen Pakete einem Label-Switched Path zu.
historische zellbasierte VermittlungATMZellen werden anhand von VPI/VCI einer virtuellen Verbindung zugeordnet.
lokaler LinkEthernetFrames werden innerhalb eines Layer-2-Netzes anhand von MAC-Adressen vermittelt.

Was ein Router mit einem IP-Paket macht

Ein Router empfängt einen Link-Layer-Frame und entnimmt daraus das IP-Paket. Er prüft die IP-Zieladresse, sucht eine passende Route nach dem Longest-Prefix-Match-Prinzip, reduziert bei IPv4 die TTL beziehungsweise bei IPv6 den Hop Limit und kapselt das Paket für den nächsten Link in einen neuen Frame. Der Router stellt dabei keine Zuverlässigkeit für TCP oder UDP her.

Existieren mehrere gleichwertige Pfade, kann ein Router Verkehr verteilen. In der Praxis wird dafür häufig ein Hash über Felder einer Kommunikation verwendet, damit zusammengehörige Pakete möglichst denselben Pfad nehmen. Eine Garantie des verbindungslosen IP-Dienstes ist dies trotzdem nicht.

SchrittTypische Aktion
1. EmpfangenFrame prüfen und IP-Paket entnehmen
2. Ziel auswertenpassendsten Routingeintrag für die Ziel-IP-Adresse bestimmen
3. Weiterleitbarkeit prüfenHop Limit beziehungsweise TTL und weitere Richtlinien auswerten
4. Nächsten Hop bestimmenAusgangsschnittstelle und gegebenenfalls Nachbaradresse auswählen
5. Neu kapselnneuen Link-Layer-Frame für die nächste Teilstrecke erzeugen

ATM und MPLS heute einordnen

ATM überträgt Zellen mit fester Länge und war in Telekommunikations- und Zugangsnetzen bedeutend. In aktuellen Ethernet- und IP-Umgebungen spielt es für neue Installationen meist keine zentrale Rolle, bleibt aber zum Verständnis älterer Infrastrukturen und des Konzepts virtueller Verbindungen relevant.

MPLS wird weiterhin in Provider- und Unternehmens-WANs eingesetzt. Ein Eingangsrouter ordnet ein Paket einer Forwarding Equivalence Class zu und fügt ein Label hinzu. Label Switch Router leiten anhand des Labels weiter und können es austauschen; am Ausgang wird das Label entfernt. MPLS selbst verschlüsselt die Nutzdaten nicht und ist nicht automatisch ein VPN-Sicherheitsmechanismus.

  • LER: Label Edge Router am Rand einer MPLS-Domäne
  • LSR: Label Switch Router innerhalb der MPLS-Domäne
  • LSP: Label-Switched Path, dem gelabelte Pakete folgen
  • FEC: Gruppe von Paketen, die gleich behandelt und über denselben LSP weitergeleitet werden können

Paketvermittlung bei der Fehlersuche

BeobachtungMögliche ErklärungGeeignetes Werkzeug
Laufzeit schwankt starkwechselnde Warteschlangen oder AuslastungPing-Reihen, Interfaceauslastung und Telemetrie vergleichen
Pakete erreichen das Ziel nichtfehlende Route, Filter, Schleife oder erschöpfter Hop-ZählerRoutingtabelle, Traceroute und Paketmitschnitt prüfen
Reihenfolge stimmt nichtparallele Pfade oder unterschiedliche VerzögerungenMitschnitt an mehreren Punkten und ECMP-Konfiguration untersuchen
TCP wiederholt DatenIP-Paket oder Bestätigung ging verlorenTCP-Analyse mit dem zugrunde liegenden Pfad und Interfacezählern verbinden
MPLS-Ziel nicht erreichbarLabelverteilung oder LSP gestörtProvider-/Routerdiagnose für Labels und LSP verwenden

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

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