2.5 CSMA/CD und CSMA/CA
CSMA/CD und CSMA/CA regeln den Zugriff mehrerer Stationen auf ein gemeinsam genutztes Medium, lösen das Problem aber auf unterschiedliche Weise. CSMA/CD gehört vor allem zum historischen Halbduplex-Ethernet auf Busleitungen und Hubs. CSMA/CA ist dagegen weiterhin ein grundlegender Bestandteil des WLAN-Zugriffs. Die Gegenüberstellung macht Gemeinsamkeiten, Unterschiede und den heutigen Einsatz der beiden Verfahren deutlich.
Warum ein Zugriffsverfahren notwendig ist
Nutzen mehrere Stationen denselben Übertragungskanal, können sie nicht beliebig gleichzeitig senden. Ein Medium-Access-Verfahren bestimmt, wann eine Station einen Übertragungsversuch beginnen darf und wie sie nach einem fehlgeschlagenen Versuch fortfährt. Carrier Sense bedeutet, dass eine Station zunächst prüft, ob das Medium belegt erscheint. Multiple Access beschreibt, dass mehrere Stationen grundsätzlich auf denselben Kanal zugreifen dürfen.
Kollisionserkennung und Kollisionsvermeidung sind nicht dasselbe. Ethernet konnte auf einem elektrischen Halbduplex-Medium während des Sendens erkennen, dass sich Signale überlagerten. Eine WLAN-Station kann ihr eigenes starkes Sendesignal nicht gleichzeitig zuverlässig von einem fremden Signal am Empfänger unterscheiden. Sie versucht Kollisionen deshalb vorab zu vermeiden und schließt aus einer fehlenden Bestätigung auf einen gescheiterten Austausch.
| Verfahren | Ausgeschrieben | Grundidee | Heutige Bedeutung |
|---|---|---|---|
| CSMA/CD | Carrier Sense Multiple Access with Collision Detection | Träger prüfen, senden, Kollision erkennen, abbrechen und später erneut versuchen | Historische Halbduplex-Ethernet-Segmente; einzelne Spezialanwendungen |
| CSMA/CA | Carrier Sense Multiple Access with Collision Avoidance | Träger prüfen, zufälligen Backoff verwenden und Erfolg bestätigen lassen | WLAN nach IEEE 802.11 |
Simplex, Halbduplex und Vollduplex
Simplex erlaubt die Übertragung nur in eine Richtung. Halbduplex erlaubt beide Richtungen, aber nicht gleichzeitig. Vollduplex nutzt getrennte Sende- und Empfangspfade gleichzeitig. RX bezeichnet den Empfangspfad, TX den Sendepfad.
| Betriebsart | Richtungen | Gleichzeitig? | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Simplex | Eine Richtung | Nein | Einseitige Messwertübertragung ohne Rückkanal |
| Halbduplex | Beide Richtungen | Nein | Historisches Ethernet über Hub; Funkkanalzugriff |
| Vollduplex | Beide Richtungen | Ja | Moderne Ethernet-Punkt-zu-Punkt-Verbindung am Switch |
CSMA/CD Schritt für Schritt
Eine sendebereite Station prüft zunächst den Träger. Erscheint das Medium frei, beginnt sie zu senden und überwacht den Kanal weiter. Erkennt sie eine Kollision, beendet sie die normale Frame-Übertragung und sendet eine 32 Bit lange Jam-Sequenz, damit alle Stationen der Kollisionsdomäne den Konflikt sicher erkennen. Anschließend wartet sie nach dem Binary Exponential Backoff eine zufällige Anzahl von Slotzeiten und versucht es erneut.
Das Zufallsfenster wächst nach wiederholten Kollisionen. Vereinfacht wird nach der k-ten Kollision eine Zahl aus einem Bereich gewählt, der sich zunächst mit jeder Kollision verdoppelt und später begrenzt wird. Nach 16 erfolglosen Übertragungsversuchen wird der Frame verworfen und der Fehler an höhere Schichten gemeldet. Dadurch senden wartende Stationen nicht automatisch wieder im selben Moment.
| Schritt | Aktion |
|---|---|
| 1 | Medium abhören; bei Belegung weiter warten |
| 2 | Bei freiem Medium mit der Übertragung beginnen |
| 3 | Während des Sendens weiter auf eine Kollision prüfen |
| 4a | Ohne Kollision: Frame abschließen |
| 4b | Bei Kollision: Übertragung abbrechen und Jam-Sequenz senden |
| 5 | Zufälligen Backoff abwarten und neuen Versuch starten |
| 6 | Nach zu vielen Versuchen Fehler melden |
Slotzeit, Mindestframe und Signallaufzeit
Eine Station muss eine Kollision noch erkennen können, während sie ihren Frame sendet. Deshalb hängen maximale Kollisionsdomäne, Signallaufzeit, Slotzeit und minimale Ethernet-Framegröße zusammen. Beim klassischen 10- und 100-Mbit/s-Ethernet beträgt die Slotzeit 512 Bitzeiten. Der Ethernet-Frame muss vom Ziel-MAC-Adressfeld bis zur FCS mindestens 64 Byte lang sein; zu kurze Nutzdaten werden mit Padding ergänzt.
Erreicht eine entfernte Kollision den Sender erst nach dem Ende eines zu kurzen Frames, würde sie nicht mehr dem richtigen Übertragungsversuch zugeordnet. Genau deshalb waren Kabellängen, Repeateranzahl und Netzaufbau im Halbduplex-Ethernet streng begrenzt. Für Gigabit-Halbduplex wurden zusätzliche Mechanismen definiert, praktisch setzte sich Gigabit Ethernet jedoch als geswitchter Vollduplex-Betrieb durch.
- Die Mindestframegröße ist ein technischer Bestandteil der Kollisionssicherheit und kein beliebiger Formatwert.
- Die Slotzeit wird in Bitzeiten angegeben; ihre Zeitdauer hängt von der Datenrate ab.
- Late Collisions weisen auf einen fehlerhaften oder unzulässigen Halbduplex-Aufbau hin.
Kollisionsdomänen und historische Repeater-Regeln
Eine Kollisionsdomäne umfasst alle Stationen, deren Übertragungen sich auf demselben Halbduplex-Medium gegenseitig überlagern können. Repeater und Hubs arbeiten auf der Bitübertragungsschicht und erweitern diese gemeinsame Domäne. Bridges und Switches trennen Kollisionsdomänen, weil jeder Port einen eigenen Link bildet.
Die aus älteren 10BASE5- und 10BASE2-Netzen bekannte 5-4-3-Regel begrenzte kaskadierte Segmente und Repeater. Solche Regeln erklären historische Installationen, sind aber keine Planungsgrundlage für heutige geswitchte Ethernet-Netze. Auch pauschale Auslastungswerte wie 30 oder 70 Prozent sind keine allgemeingültigen modernen Leistungsgrenzen.
| Komponente | Kollisionsdomäne | Einordnung |
|---|---|---|
| Repeater / Hub | Alle angeschlossenen Stationen teilen eine Domäne. | Halbduplex und historischer Bestand |
| Bridge / Switch | Jeder Port trennt die Domäne. | Grundlage moderner Ethernet-LANs |
| Router | Trennt zusätzlich Broadcast-Domänen auf Layer 3. | Weiterleitung zwischen IP-Netzen |
Warum modernes Ethernet kein CSMA/CD benötigt
In einem heutigen LAN verbindet ein Switchport normalerweise genau eine Gegenstelle über eine Punkt-zu-Punkt-Strecke. Beide Seiten handeln Vollduplex aus und verwenden getrennte Sende- und Empfangspfade. Es gibt kein gemeinsames elektrisches Medium, auf dem zwei Stationen um dieselbe Sendezeit konkurrieren. Kollisionen und CSMA/CD sind daher deaktiviert.
Kollisionszähler an modernen Switchports sind deshalb kein normaler Lastindikator. Sie können auf Alttechnik, einen Duplexkonflikt, eine fehlerhafte Aushandlung oder ein Diagnoseproblem hinweisen. Ein Duplex Mismatch führt typischerweise zu schlechter Leistung, Fehlern und scheinbar einseitigen Störungen und sollte nicht durch manuelles Festsetzen nur einer Seite behoben werden.
| Historisches Shared Ethernet | Modernes Switched Ethernet |
|---|---|
| Bus oder Hub | Switch mit Punkt-zu-Punkt-Links |
| Halbduplex | Vollduplex |
| Gemeinsame Kollisionsdomäne | Eigener Link je Port |
| CSMA/CD und Wiederholungen nach Kollision | Keine Kollisionen im normalen Linkbetrieb |
CSMA/CA im WLAN
Eine sendebereite WLAN-Station prüft zunächst, ob der Funkkanal frei erscheint. Nach einer festgelegten kurzen Wartezeit zählt sie einen zufällig gewählten Backoff in freien Zeitschlitzen herunter. Beginnt eine andere Station vorher zu senden, stoppt der Zähler und wird nach dem Ende der fremden Übertragung fortgesetzt.
Erreicht der Zähler null, darf die Station senden. Ein direkt adressierter Datenframe wird nach dem kürzeren SIFS durch ein ACK bestätigt. Bleibt die Bestätigung aus, kann der Sender nicht sicher zwischen Kollision, Störung und schlechter Funkverbindung unterscheiden; er plant eine Wiederholung mit vergrößertem Contention Window. Broadcast- und Multicast-Frames erhalten auf dieser Ebene normalerweise kein einzelnes ACK.
- Die Funkhardware prüft, ob auf dem Kanal bereits Aktivität erkennbar ist.
- Der zufällige Backoff verhindert, dass alle wartenden Stationen nach einem freien Kanal gleichzeitig senden.
- WLAN-Clients können sich gegenseitig überhören, obwohl beide den Access Point erreichen. Weiterführende Verfahren dafür werden auf der WLAN-Seite behandelt.
- Eine kleinere MAC-Adresse verleiht keine niedrigere oder höhere CSMA/CA-Priorität.
CSMA/CD und CSMA/CA direkt verglichen
- Carrier Sense garantiert in keinem der Verfahren, dass eine andere weit entfernte Station nicht ebenfalls gerade zu senden beginnt.
- Beide Verfahren verteilen Zugriffschancen; sie ersetzen keine Kapazitätsplanung.
- Im WLAN teilen auch getrennte SSIDs auf demselben Kanal die verfügbare Sendezeit.
| Merkmal | CSMA/CD | CSMA/CA |
|---|---|---|
| Typisches Medium | Gemeinsames kabelgebundenes Halbduplex-Medium | Geteilter Funkkanal |
| Grundproblem | Kollisionen während des Sendens | Kollisionen können beim Senden nicht zuverlässig erkannt werden |
| Vor dem Senden | Träger prüfen | Träger prüfen, Interframe-Zeit und Backoff beachten |
| Nach Konflikt / Fehlschlag | Jam-Sequenz und Binary Exponential Backoff | Fehlendes ACK, wachsendes Contention Window und erneuter Versuch |
| Bestätigung | Keine MAC-ACK-Pflicht für normalen Ethernet-Unicast | ACK für direkt adressierte Frames |
| Heutiger Einsatz | Historischer Kontext und Spezialfälle | Aktuelle WLANs |
Quellen zur fachlichen Prüfung
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