1.1 Grundlagen und Ausdehnung
Ein Computernetz verbindet Endgeräte und spezialisierte Netzwerkkomponenten, damit sie über vereinbarte Protokolle Daten austauschen und gemeinsame Dienste nutzen können. Netze reichen von wenigen persönlichen Geräten bis zum weltweiten Verbund des Internets. Für ihren Betrieb sind nicht nur Technik und Leistung wichtig, sondern ebenso Sicherheit, Verfügbarkeit, Datenschutz und verantwortlicher Umgang mit vernetzten Systemen.
Was ist ein Computernetz?
Ein Computer- oder Rechnernetz ist ein Verbund kommunikationsfähiger Systeme. Dazu gehören klassische Computer und Server ebenso wie Smartphones, Drucker, Kameras, Sensoren, Maschinensteuerungen und andere IoT-Geräte. Die Systeme tauschen Informationen über Übertragungsmedien nach festgelegten Regeln aus.
Eine Cloud ist dabei kein einzelner Ort und auch kein eigenes Übertragungsmedium. Cloud Computing stellt gemeinsam genutzte Rechen-, Speicher-, Netzwerk- und Anwendungsressourcen bedarfsgerecht über ein Netz bereit.
- Daten und Nachrichten austauschen
- Gemeinsame Ressourcen wie Drucker, Speicher oder Internetzugänge nutzen
- Geräte, Maschinen und Anlagen überwachen oder steuern
- Informationen erfassen, verteilen und zentral oder verteilt verarbeiten
- Dienste wie Webanwendungen, Dateiablagen, Kommunikation und Cloud-Ressourcen bereitstellen
Historische Entwicklung
Die häufig erzählte Behauptung, das ARPANET sei als dezentrales Atomkriegsnetz für die US-Luftwaffe gebaut worden, trifft nicht zu. Robustheit und die Kopplung verschiedener Übertragungstechniken waren wichtige Forschungsthemen; der ursprüngliche Zweck war jedoch die gemeinsame Nutzung räumlich verteilter Rechnerressourcen durch Forschungseinrichtungen.
ARPA fördert Forschung zu interaktiver Datenverarbeitung und paketvermittelten Netzen. 1968 erhält BBN den Auftrag zum Bau der Interface Message Processors, den frühen Paketvermittlern des ARPANET.
Das ARPANET nimmt mit vier Knoten an UCLA, SRI, UC Santa Barbara und der University of Utah den Betrieb auf. Es dient der Vernetzung räumlich getrennter Forschungssysteme und wird zu einer wichtigen Grundlage des Internets.
IBM veröffentlicht die Systems Network Architecture (SNA) für die Kommunikation von Terminals und Rechnern in hierarchisch organisierten Großrechnerumgebungen.
Digital Equipment Corporation führt DECnet ein. Das herstellerspezifische Protokollsystem entwickelt sich von direkt verbundenen Rechnern zu großen, routingfähigen Netzen. DECnet ist kein Vorläufer von Ethernet; spätere DECnet-Versionen konnten Ethernet als Übertragungstechnik verwenden.
Das ARPANET stellt auf TCP/IP um. Im selben Jahr erscheint IEEE 802.3 als Ethernet-Standard. TCP/IP ermöglicht die Kopplung unterschiedlicher Netze, Ethernet prägt kabelgebundene lokale Netze.
Das ARPANET endet. Seine Aufgaben sind längst in größere Forschungs- und Internetstrukturen übergegangen; daher gab es nicht plötzlich nur noch ein einziges Netz.
Das World Wide Web und kommerzielle Internetzugänge beschleunigen die Verbreitung. IEEE 802.11 wird 1997 als erster WLAN-Standard veröffentlicht. Mobilfunknetze entwickeln sich später von GSM und paketorientierten Erweiterungen über UMTS und LTE bis zu 5G.
Vernetzung heute und morgen
Vernetzung ist heute Bestandteil von Arbeitsplätzen, Rechenzentren, Produktionsanlagen, Fahrzeugen, Gebäuden und kritischen Infrastrukturen. Kabelgebundene Netze, WLAN, Mobilfunk, Satellitenkommunikation und spezialisierte Funkverfahren ergänzen einander.
Moderne Fahrzeug- und Industrieanwendungen können Sensordaten zwischen Komponenten austauschen und frühzeitig auf Gefahren reagieren. Solche Funktionen benötigen klar definierte Zuständigkeiten, sichere Protokolle, kontrollierte Updates und einen sicheren Zustand bei Fehlern. Technische Machbarkeit ersetzt nicht die Prüfung von Datenschutz, Haftung, Sicherheit und gesellschaftlichen Folgen.
- Cloud- und Rechenzentrumsdienste
- Internet of Things und Gebäudeautomation
- Industrie- und Produktionsnetze
- Vernetzte Fahrzeuge und Verkehrssysteme
- 5G, Edge Computing und nicht-terrestrische Netze
Grundbestandteile eines Netzes
Bluetooth und WLAN übertragen über elektromagnetische Wellen. Umgangssprachlich wird dafür „Luft“ als Medium gesagt; technisch breiten sich die Signale jedoch in einem physikalischen Raum aus. USB ist primär ein Peripheriebus und nicht automatisch ein Computernetz, kann aber beispielsweise für USB-Tethering oder spezielle Punkt-zu-Punkt-Verbindungen genutzt werden.
| Bestandteil | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| Endgeräte und Dienste | Erzeugen, verarbeiten oder nutzen Daten. | PC, Server, Smartphone, Drucker, Sensor, Webdienst |
| Übertragungsmedium | Transportiert physische Signale. | Twisted-Pair-Kabel, Glasfaser, Koaxialkabel, Funk |
| Netzwerkkomponenten | Verbinden Teilnehmer, Segmente oder Netze und steuern Datenwege. | Switch, Access Point, Router, Firewall |
| Protokolle | Definieren Format, Reihenfolge und Bedeutung der ausgetauschten Informationen. | Ethernet, WLAN, IP, TCP, UDP, DNS, HTTP |
| Adressierung und Namen | Machen Kommunikationspartner und Dienste auffindbar. | MAC-Adresse, IP-Adresse, Portnummer, DNS-Name |
Räumliche Ausdehnung von Netzen
Die Kürzel beschreiben typische Größenordnungen und Einsatzbereiche, aber keine weltweit verbindlichen Kilometergrenzen. Technik, Eigentum und Betriebsverantwortung sind häufig aussagekräftiger als eine feste Entfernung. Ein WLAN ist eine Funkvariante eines LAN und keine zusätzliche Größenklasse.
| Begriff | Ausgeschrieben | Typischer Bereich | Beispiele |
|---|---|---|---|
| PAN | Personal Area Network | Unmittelbare Umgebung einer Person | Bluetooth-Verbindungen zwischen Smartphone, Headset und Wearable |
| LAN / WLAN | Local Area Network / Wireless LAN | Wohnung, Büro, Gebäude oder begrenztes Gelände | Heimnetz, Büronetz, Schulungsraum |
| CAN | Campus Area Network | Mehrere nahe Gebäude oder ein Betriebsgelände | Hochschule, Klinik- oder Unternehmenscampus |
| MAN | Metropolitan Area Network | Stadt oder Ballungsraum | Kommunales Glasfasernetz, Metro-Ethernet |
| WAN | Wide Area Network | Regionen, Länder oder Kontinente | Unternehmensstandorte über Provider-Netze oder VPN |
| GAN | Global Area Network | Weltweiter Verbund | Das Internet als globaler Verbund vieler autonom betriebener Netze |
Serielle und parallele Übertragung
Seriell und parallel beschreiben, wie viele Datenleitungen gleichzeitig Bits übertragen. Aus der Leitungszahl allein lässt sich die Geschwindigkeit nicht ableiten. Moderne serielle Schnittstellen erreichen durch hohe Symbolraten, differenzielle Signalübertragung, mehrere serielle Lanes und effiziente Codierung sehr hohe Datenraten.
| Merkmal | Seriell | Parallel |
|---|---|---|
| Übertragung | Bits laufen zeitlich nacheinander über eine Leitung oder Lane. | Mehrere Bits laufen gleichzeitig über mehrere Leitungen. |
| Stärken | Weniger Leitungen; bei hohen Taktraten besser beherrschbare Laufzeitunterschiede. | Mehrere Bits pro Takt; auf kurzen, abgestimmten Wegen sinnvoll. |
| Herausforderungen | Codierung, Taktrückgewinnung und Protokoll-Overhead. | Übersprechen und unterschiedliche Signallaufzeiten zwischen den Leitungen. |
| Beispiele | Ethernet, USB, SATA, PCI Express | Speicherbus zwischen CPU und RAM; historische PATA- und Parallelports |
Synchrone und asynchrone Übertragung
„Asynchron“ bedeutet nicht, dass keinerlei zeitliche Vereinbarung existiert: Beide Seiten müssen beispielsweise dieselbe Bitrate und dasselbe Zeichenformat verwenden. Pakete oder Frames sind ebenfalls nicht automatisch gleichbedeutend mit asynchroner Zeichenübertragung.
| Art | Funktionsprinzip | Einordnung und Beispiele |
|---|---|---|
| Synchron | Sender und Empfänger leiten den Übertragungszeitpunkt aus einem gemeinsamen oder zurückgewonnenen Takt ab. | Ethernet-Empfänger synchronisieren sich auf den Signalstrom. Die Präambel unterstützt die Synchronisation, ist aber keine eigene Taktleitung. |
| Asynchron | Zwischen einzelnen Zeichen besteht kein dauerhaft gemeinsamer Takt; jedes Zeichen wird mit Start- und Stoppelementen eingerahmt. | Klassische UART- beziehungsweise RS-232-Übertragung. Der zusätzliche Rahmen erzeugt Overhead. |
Simplex, Halbduplex und Vollduplex
Die Duplexart hängt von Technik und Betriebsweise ab, nicht pauschal vom Kabelmaterial. Koaxial- und Glasfaserverbindungen können je nach System simplex, halbduplex oder vollduplex arbeiten.
| Betriebsart | Kommunikation | Beispiele |
|---|---|---|
| Simplex | Nur in einer festgelegten Richtung. | Klassischer Rundfunk als anschauliches Beispiel |
| Halbduplex | In beide Richtungen, aber nicht gleichzeitig. | Sprechfunk; WLAN-Medium wird von Stationen zeitlich geteilt |
| Vollduplex | In beide Richtungen gleichzeitig. | Geswitchtes Ethernet; viele Punkt-zu-Punkt-Glasfaserverbindungen mit getrennten Sende- und Empfangswegen |
Typische Geräte und Funktionen
OSI-Schichten helfen bei der Einordnung, sind aber kein unveränderliches Etikett für ein vollständiges Gerät. Ein Heimrouter kann beispielsweise Routing, Switching, WLAN, NAT, DHCP und Firewallfunktionen in einem Gehäuse vereinen. Entscheidend ist deshalb die betrachtete Funktion.
| Gerät oder Rolle | Kernaufgabe | Typische Einordnung |
|---|---|---|
| Node / Knoten | Beliebiges adressierbares oder weiterleitendes System im Netz. | Je nach Funktion auf einer oder mehreren Schichten |
| Repeater | Regeneriert beziehungsweise wiederholt physische Signale. | Bitübertragungsschicht |
| Hub | Mehrport-Repeater; verteilt eingehende Signale an alle anderen Ports. | Bitübertragungsschicht; heute weitgehend durch Switches ersetzt |
| Modem | Moduliert und demoduliert Signale für ein bestimmtes Zugangsmedium. | Vor allem physische Übertragung; etwa DSL-, Kabel- oder Mobilfunkmodem |
| Bridge / Layer-2-Switch | Leitet Frames anhand von MAC-Adressen zwischen Netzsegmenten oder Ports weiter. | Sicherungsschicht |
| Router | Leitet IP-Pakete zwischen unterschiedlichen IP-Netzen weiter und wählt Routen. | Vermittlungsschicht |
| Layer-3-Switch | Kombiniert schnelles LAN-Switching mit Routingfunktionen, häufig für VLANs. | Sicherungs- und Vermittlungsschicht |
| Access Point | Bindet WLAN-Stationen an ein lokales Netz an und übernimmt Funkzugangsfunktionen. | Vor allem Bitübertragungs- und Sicherungsschicht |
| Gateway | Übersetzt oder vermittelt zwischen unterschiedlichen Protokollen, Anwendungen oder Systemwelten. | Kontextabhängig; „Default Gateway“ bezeichnet hingegen meist den zuständigen IP-Router |
| Firewall | Prüft und erlaubt oder blockiert Datenverkehr anhand einer Sicherheitsrichtlinie. | Je nach Bauart von Netzwerk- und Transportschicht bis zur Anwendungsschicht |
Netze im Rechenzentrum
Rechenzentren verbinden Server, Speicher, Sicherheitskomponenten und externe Netze über redundante, leistungsfähige Strukturen. Statt ungeordneter Direktverkabelung werden Racks, Patchfelder, strukturierte Glasfaser- und Kupferverkabelung sowie zentral überwachte Switches eingesetzt.
Typische moderne Architekturen trennen logische Netze durch VLANs oder Overlays, nutzen mehrere gleichwertige Pfade und automatisieren Konfiguration und Überwachung. Die genauen Verfahren werden in späteren Lernseiten zu Switching, Routing, VLAN und Netzwerkdiensten vertieft.
Hersteller und Produktbereiche
Der Netzwerkmarkt umfasst Hersteller für Enterprise- und Provider-Netze, kleine und mittlere Umgebungen, Heimnetze sowie spezialisierte Sicherheitslösungen. Die Auswahl verändert sich durch Produktwechsel, Übernahmen und neue Anbieter; Markennamen sind daher Beispiele und keine technische Klassifikation oder Kaufempfehlung.
| Bereich | Beispiele aus dem Unterrichtsmaterial |
|---|---|
| Enterprise, Campus und Provider | Cisco, HPE, Juniper Networks, Nokia, Dell |
| KMU und Heimnetz | TP-Link, NETGEAR, D-Link, ASUS, devolo, Linksys, DrayTek, Ubiquiti, ALLNET |
| Netzwerksicherheit | Barracuda, Sophos, Rohde & Schwarz Cybersecurity, F5, Radware, Fortinet, Securepoint, WatchGuard, SonicWall |
Quellen zur fachlichen Prüfung
- DARPA: ARPANET - Entwicklung und vier erste Knoten
- RFC Editor: RFC 1122 - Internet-Kommunikationsschichten
- IEEE: IEEE 802.11-1997
- Cisco: Grundlagen von Switches, Routern und Access Points
- NIST: Definition von Cloud Computing
- 3GPP: Überblick über das 5G-System
- Computer History Museum: DEC-Netzwerkentwicklung
PDF-Download nach Anmeldung
Zum Schutz der Unterrichtsunterlagen steht der PDF-Download ausschließlich angemeldeten Nutzern zur Verfügung.
