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Kapitel 01

1.1 Grundlagen und Ausdehnung

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Fachlich geprüftStand: 29. Juli 2026

Ein Computernetz verbindet Endgeräte und spezialisierte Netzwerkkomponenten, damit sie über vereinbarte Protokolle Daten austauschen und gemeinsame Dienste nutzen können. Netze reichen von wenigen persönlichen Geräten bis zum weltweiten Verbund des Internets. Für ihren Betrieb sind nicht nur Technik und Leistung wichtig, sondern ebenso Sicherheit, Verfügbarkeit, Datenschutz und verantwortlicher Umgang mit vernetzten Systemen.

Was ist ein Computernetz?

Ein Computer- oder Rechnernetz ist ein Verbund kommunikationsfähiger Systeme. Dazu gehören klassische Computer und Server ebenso wie Smartphones, Drucker, Kameras, Sensoren, Maschinensteuerungen und andere IoT-Geräte. Die Systeme tauschen Informationen über Übertragungsmedien nach festgelegten Regeln aus.

Eine Cloud ist dabei kein einzelner Ort und auch kein eigenes Übertragungsmedium. Cloud Computing stellt gemeinsam genutzte Rechen-, Speicher-, Netzwerk- und Anwendungsressourcen bedarfsgerecht über ein Netz bereit.

  • Daten und Nachrichten austauschen
  • Gemeinsame Ressourcen wie Drucker, Speicher oder Internetzugänge nutzen
  • Geräte, Maschinen und Anlagen überwachen oder steuern
  • Informationen erfassen, verteilen und zentral oder verteilt verarbeiten
  • Dienste wie Webanwendungen, Dateiablagen, Kommunikation und Cloud-Ressourcen bereitstellen

Historische Entwicklung

Die häufig erzählte Behauptung, das ARPANET sei als dezentrales Atomkriegsnetz für die US-Luftwaffe gebaut worden, trifft nicht zu. Robustheit und die Kopplung verschiedener Übertragungstechniken waren wichtige Forschungsthemen; der ursprüngliche Zweck war jedoch die gemeinsame Nutzung räumlich verteilter Rechnerressourcen durch Forschungseinrichtungen.

1960er-Jahre

ARPA fördert Forschung zu interaktiver Datenverarbeitung und paketvermittelten Netzen. 1968 erhält BBN den Auftrag zum Bau der Interface Message Processors, den frühen Paketvermittlern des ARPANET.

1969

Das ARPANET nimmt mit vier Knoten an UCLA, SRI, UC Santa Barbara und der University of Utah den Betrieb auf. Es dient der Vernetzung räumlich getrennter Forschungssysteme und wird zu einer wichtigen Grundlage des Internets.

1974

IBM veröffentlicht die Systems Network Architecture (SNA) für die Kommunikation von Terminals und Rechnern in hierarchisch organisierten Großrechnerumgebungen.

ab 1975

Digital Equipment Corporation führt DECnet ein. Das herstellerspezifische Protokollsystem entwickelt sich von direkt verbundenen Rechnern zu großen, routingfähigen Netzen. DECnet ist kein Vorläufer von Ethernet; spätere DECnet-Versionen konnten Ethernet als Übertragungstechnik verwenden.

1983

Das ARPANET stellt auf TCP/IP um. Im selben Jahr erscheint IEEE 802.3 als Ethernet-Standard. TCP/IP ermöglicht die Kopplung unterschiedlicher Netze, Ethernet prägt kabelgebundene lokale Netze.

1989/1990

Das ARPANET endet. Seine Aufgaben sind längst in größere Forschungs- und Internetstrukturen übergegangen; daher gab es nicht plötzlich nur noch ein einziges Netz.

1990er-Jahre

Das World Wide Web und kommerzielle Internetzugänge beschleunigen die Verbreitung. IEEE 802.11 wird 1997 als erster WLAN-Standard veröffentlicht. Mobilfunknetze entwickeln sich später von GSM und paketorientierten Erweiterungen über UMTS und LTE bis zu 5G.

Vernetzung heute und morgen

Vernetzung ist heute Bestandteil von Arbeitsplätzen, Rechenzentren, Produktionsanlagen, Fahrzeugen, Gebäuden und kritischen Infrastrukturen. Kabelgebundene Netze, WLAN, Mobilfunk, Satellitenkommunikation und spezialisierte Funkverfahren ergänzen einander.

Moderne Fahrzeug- und Industrieanwendungen können Sensordaten zwischen Komponenten austauschen und frühzeitig auf Gefahren reagieren. Solche Funktionen benötigen klar definierte Zuständigkeiten, sichere Protokolle, kontrollierte Updates und einen sicheren Zustand bei Fehlern. Technische Machbarkeit ersetzt nicht die Prüfung von Datenschutz, Haftung, Sicherheit und gesellschaftlichen Folgen.

  • Cloud- und Rechenzentrumsdienste
  • Internet of Things und Gebäudeautomation
  • Industrie- und Produktionsnetze
  • Vernetzte Fahrzeuge und Verkehrssysteme
  • 5G, Edge Computing und nicht-terrestrische Netze

Grundbestandteile eines Netzes

Bluetooth und WLAN übertragen über elektromagnetische Wellen. Umgangssprachlich wird dafür „Luft“ als Medium gesagt; technisch breiten sich die Signale jedoch in einem physikalischen Raum aus. USB ist primär ein Peripheriebus und nicht automatisch ein Computernetz, kann aber beispielsweise für USB-Tethering oder spezielle Punkt-zu-Punkt-Verbindungen genutzt werden.

Endgeräte kommunizieren über Zugangsnetz, Switch, Router und verschiedene Übertragungsmedien mit lokalen und entfernten Diensten
Ein Netz entsteht aus kommunikationsfähigen Endgeräten, Übertragungsmedien, aktiven Netzwerkkomponenten, Protokollen und bereitgestellten Diensten.Originalgröße öffnen ↗
BestandteilBedeutungBeispiele
Endgeräte und DiensteErzeugen, verarbeiten oder nutzen Daten.PC, Server, Smartphone, Drucker, Sensor, Webdienst
ÜbertragungsmediumTransportiert physische Signale.Twisted-Pair-Kabel, Glasfaser, Koaxialkabel, Funk
NetzwerkkomponentenVerbinden Teilnehmer, Segmente oder Netze und steuern Datenwege.Switch, Access Point, Router, Firewall
ProtokolleDefinieren Format, Reihenfolge und Bedeutung der ausgetauschten Informationen.Ethernet, WLAN, IP, TCP, UDP, DNS, HTTP
Adressierung und NamenMachen Kommunikationspartner und Dienste auffindbar.MAC-Adresse, IP-Adresse, Portnummer, DNS-Name

Räumliche Ausdehnung von Netzen

Die Kürzel beschreiben typische Größenordnungen und Einsatzbereiche, aber keine weltweit verbindlichen Kilometergrenzen. Technik, Eigentum und Betriebsverantwortung sind häufig aussagekräftiger als eine feste Entfernung. Ein WLAN ist eine Funkvariante eines LAN und keine zusätzliche Größenklasse.

BegriffAusgeschriebenTypischer BereichBeispiele
PANPersonal Area NetworkUnmittelbare Umgebung einer PersonBluetooth-Verbindungen zwischen Smartphone, Headset und Wearable
LAN / WLANLocal Area Network / Wireless LANWohnung, Büro, Gebäude oder begrenztes GeländeHeimnetz, Büronetz, Schulungsraum
CANCampus Area NetworkMehrere nahe Gebäude oder ein BetriebsgeländeHochschule, Klinik- oder Unternehmenscampus
MANMetropolitan Area NetworkStadt oder BallungsraumKommunales Glasfasernetz, Metro-Ethernet
WANWide Area NetworkRegionen, Länder oder KontinenteUnternehmensstandorte über Provider-Netze oder VPN
GANGlobal Area NetworkWeltweiter VerbundDas Internet als globaler Verbund vieler autonom betriebener Netze

Serielle und parallele Übertragung

Seriell und parallel beschreiben, wie viele Datenleitungen gleichzeitig Bits übertragen. Aus der Leitungszahl allein lässt sich die Geschwindigkeit nicht ableiten. Moderne serielle Schnittstellen erreichen durch hohe Symbolraten, differenzielle Signalübertragung, mehrere serielle Lanes und effiziente Codierung sehr hohe Datenraten.

MerkmalSeriellParallel
ÜbertragungBits laufen zeitlich nacheinander über eine Leitung oder Lane.Mehrere Bits laufen gleichzeitig über mehrere Leitungen.
StärkenWeniger Leitungen; bei hohen Taktraten besser beherrschbare Laufzeitunterschiede.Mehrere Bits pro Takt; auf kurzen, abgestimmten Wegen sinnvoll.
HerausforderungenCodierung, Taktrückgewinnung und Protokoll-Overhead.Übersprechen und unterschiedliche Signallaufzeiten zwischen den Leitungen.
BeispieleEthernet, USB, SATA, PCI ExpressSpeicherbus zwischen CPU und RAM; historische PATA- und Parallelports

Synchrone und asynchrone Übertragung

„Asynchron“ bedeutet nicht, dass keinerlei zeitliche Vereinbarung existiert: Beide Seiten müssen beispielsweise dieselbe Bitrate und dasselbe Zeichenformat verwenden. Pakete oder Frames sind ebenfalls nicht automatisch gleichbedeutend mit asynchroner Zeichenübertragung.

ArtFunktionsprinzipEinordnung und Beispiele
SynchronSender und Empfänger leiten den Übertragungszeitpunkt aus einem gemeinsamen oder zurückgewonnenen Takt ab.Ethernet-Empfänger synchronisieren sich auf den Signalstrom. Die Präambel unterstützt die Synchronisation, ist aber keine eigene Taktleitung.
AsynchronZwischen einzelnen Zeichen besteht kein dauerhaft gemeinsamer Takt; jedes Zeichen wird mit Start- und Stoppelementen eingerahmt.Klassische UART- beziehungsweise RS-232-Übertragung. Der zusätzliche Rahmen erzeugt Overhead.

Simplex, Halbduplex und Vollduplex

Die Duplexart hängt von Technik und Betriebsweise ab, nicht pauschal vom Kabelmaterial. Koaxial- und Glasfaserverbindungen können je nach System simplex, halbduplex oder vollduplex arbeiten.

Vergleich von Simplex, Halbduplex und Vollduplex anhand von Richtungspfeilen
Die Duplexart beschreibt die möglichen Kommunikationsrichtungen und ob beide Richtungen gleichzeitig genutzt werden können.Originalgröße öffnen ↗
BetriebsartKommunikationBeispiele
SimplexNur in einer festgelegten Richtung.Klassischer Rundfunk als anschauliches Beispiel
HalbduplexIn beide Richtungen, aber nicht gleichzeitig.Sprechfunk; WLAN-Medium wird von Stationen zeitlich geteilt
VollduplexIn beide Richtungen gleichzeitig.Geswitchtes Ethernet; viele Punkt-zu-Punkt-Glasfaserverbindungen mit getrennten Sende- und Empfangswegen

Typische Geräte und Funktionen

OSI-Schichten helfen bei der Einordnung, sind aber kein unveränderliches Etikett für ein vollständiges Gerät. Ein Heimrouter kann beispielsweise Routing, Switching, WLAN, NAT, DHCP und Firewallfunktionen in einem Gehäuse vereinen. Entscheidend ist deshalb die betrachtete Funktion.

Gerät oder RolleKernaufgabeTypische Einordnung
Node / KnotenBeliebiges adressierbares oder weiterleitendes System im Netz.Je nach Funktion auf einer oder mehreren Schichten
RepeaterRegeneriert beziehungsweise wiederholt physische Signale.Bitübertragungsschicht
HubMehrport-Repeater; verteilt eingehende Signale an alle anderen Ports.Bitübertragungsschicht; heute weitgehend durch Switches ersetzt
ModemModuliert und demoduliert Signale für ein bestimmtes Zugangsmedium.Vor allem physische Übertragung; etwa DSL-, Kabel- oder Mobilfunkmodem
Bridge / Layer-2-SwitchLeitet Frames anhand von MAC-Adressen zwischen Netzsegmenten oder Ports weiter.Sicherungsschicht
RouterLeitet IP-Pakete zwischen unterschiedlichen IP-Netzen weiter und wählt Routen.Vermittlungsschicht
Layer-3-SwitchKombiniert schnelles LAN-Switching mit Routingfunktionen, häufig für VLANs.Sicherungs- und Vermittlungsschicht
Access PointBindet WLAN-Stationen an ein lokales Netz an und übernimmt Funkzugangsfunktionen.Vor allem Bitübertragungs- und Sicherungsschicht
GatewayÜbersetzt oder vermittelt zwischen unterschiedlichen Protokollen, Anwendungen oder Systemwelten.Kontextabhängig; „Default Gateway“ bezeichnet hingegen meist den zuständigen IP-Router
FirewallPrüft und erlaubt oder blockiert Datenverkehr anhand einer Sicherheitsrichtlinie.Je nach Bauart von Netzwerk- und Transportschicht bis zur Anwendungsschicht

Netze im Rechenzentrum

Rechenzentren verbinden Server, Speicher, Sicherheitskomponenten und externe Netze über redundante, leistungsfähige Strukturen. Statt ungeordneter Direktverkabelung werden Racks, Patchfelder, strukturierte Glasfaser- und Kupferverkabelung sowie zentral überwachte Switches eingesetzt.

Typische moderne Architekturen trennen logische Netze durch VLANs oder Overlays, nutzen mehrere gleichwertige Pfade und automatisieren Konfiguration und Überwachung. Die genauen Verfahren werden in späteren Lernseiten zu Switching, Routing, VLAN und Netzwerkdiensten vertieft.

Hersteller und Produktbereiche

Der Netzwerkmarkt umfasst Hersteller für Enterprise- und Provider-Netze, kleine und mittlere Umgebungen, Heimnetze sowie spezialisierte Sicherheitslösungen. Die Auswahl verändert sich durch Produktwechsel, Übernahmen und neue Anbieter; Markennamen sind daher Beispiele und keine technische Klassifikation oder Kaufempfehlung.

BereichBeispiele aus dem Unterrichtsmaterial
Enterprise, Campus und ProviderCisco, HPE, Juniper Networks, Nokia, Dell
KMU und HeimnetzTP-Link, NETGEAR, D-Link, ASUS, devolo, Linksys, DrayTek, Ubiquiti, ALLNET
NetzwerksicherheitBarracuda, Sophos, Rohde & Schwarz Cybersecurity, F5, Radware, Fortinet, Securepoint, WatchGuard, SonicWall

Quellen zur fachlichen Prüfung

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