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Kapitel 04

4.6 Präfixe, Bit und Byte – Formelsammlung

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Fachlich geprüftStand: 23. Juli 2026

Diese Formelsammlung bündelt die für die behandelten Hardwarethemen benötigten Rechenwege. Jede Formel wird mit Einheiten, Umformung und einem vollständigen Beispiel gezeigt. Für Leistungsnachweise gilt: zunächst alle Größen in zueinander passende Basiseinheiten umrechnen, dann die Formel einsetzen und das Ergebnis erst am Ende sinnvoll runden.

Präfixe, Bit und Byte auf einen Blick

Ein kleines b steht für Bit, ein großes B für Byte. Ein Byte besteht aus acht Bit. Die Schreibweise ist prüfungsrelevant: 100 Mbit/s sind eine Datenrate, 100 MB eine Datenmenge. Zwischen Bit und Byte wird mit dem Faktor acht umgerechnet.

Dezimalpräfixe sind Potenzen von 1000 und werden besonders bei Datenraten sowie Herstellerangaben für Datenträger verwendet. Binärpräfixe sind Potenzen von 1024 und beschreiben binäre Speichergrößen eindeutig. kB und KiB beziehungsweise GB und GiB sind deshalb nicht dasselbe.

Übersicht zu Bit, Byte sowie Dezimal- und Binärpräfixen von Kilo bis Peta
Die Übersicht trennt zuerst Bit und Byte und stellt danach Dezimalpräfixe auf Basis 10 den Binärpräfixen auf Basis 2 gegenüber.Originalgröße öffnen ↗

Schreibweise und Einheitenregeln

  • Zwischen Zahlenwert und Einheit steht ein Leerzeichen: 500 GB, 48 kHz, 10 Mbit/s.
  • Präfixe sind groß-/kleinschreibungssensitiv: m steht für milli, M für mega; k wird kleingeschrieben.
  • Zwischenergebnisse mit ausreichender Genauigkeit weiterverwenden und erst das Endergebnis runden.
  • Das Ergebnis immer mit Einheit und einem zur Aufgabe passenden Zahlenformat angeben.
SchreibweiseBedeutungTypischer Einsatz
bit / bein einzelnes BinärzeichenDatenraten, beispielsweise Mbit/s
Byte / B8 BitDatei- und Speicherkapazitäten
k, M, G, T, PSI-Präfixe mit 10³-Schrittenkbit/s, MB, GB und Herstellerkapazitäten
Ki, Mi, Gi, Ti, PiIEC-Binärpräfixe mit 2¹⁰-SchrittenKiB, MiB, GiB und binäre Speicherangaben
HzEreignisse beziehungsweise Perioden pro SekundeAbtastrate und Taktfrequenz
bit/sübertragene Bits pro SekundeNetzwerk- und Codec-Bitrate
pxBildpunktBild- und Scanauflösung
dpidots per inch; Punkte pro 2,54 cmScan- und Druckauflösung
W / VAWirkleistung / ScheinleistungLeistungsaufnahme und USV-Dimensionierung
Ah / WhLadungsmenge / EnergieBatteriekapazität; Wh = V × Ah

Dezimal- und Binärpräfixe umrechnen

Weitere Beispiele: 100 GB = 93,13 GiB; 50 MB = 47,68 MiB; 15 GB = 14.305,11 MiB; 150 MB = 0,1397 GiB. Der oft sichtbare Kapazitätsunterschied eines Datenträgers entsteht damit überwiegend aus unterschiedlichen Präfixen und nicht aus „fehlendem“ Speicher.

Bit und Byte

Byte = Bit ÷ 8 | Bit = Byte × 8

1.000 bit ÷ 8 = 125 B

125 B × 8 = 1.000 bit

Dezimale in binäre Einheit

Zielwert = Ausgangswert × Dezimalfaktor ÷ Binärfaktor

500 GB × 10⁹ B/GB ÷ 2³⁰ B/GiB

= 465,66 GiB

Binäre in dezimale Einheit

Zielwert = Ausgangswert × Binärfaktor ÷ Dezimalfaktor

500 MiB × 2²⁰ B/MiB ÷ 10⁹ B/GB

= 0,524288 GB ≈ 0,52 GB

StufeDezimalFaktorBinärFaktor
1Kilobyte (kB)10³ B = 1.000 BKibibyte (KiB)2¹⁰ B = 1.024 B
2Megabyte (MB)10⁶ B = 1.000.000 BMebibyte (MiB)2²⁰ B = 1.048.576 B
3Gigabyte (GB)10⁹ B = 1.000.000.000 BGibibyte (GiB)2³⁰ B = 1.073.741.824 B
4Terabyte (TB)10¹² BTebibyte (TiB)2⁴⁰ B
5Petabyte (PB)10¹⁵ BPebibyte (PiB)2⁵⁰ B

Größe einer Bilddatei

Die unkomprimierte Bildgröße ergibt sich aus Pixelzahl und Farbtiefe. Ein angegebener Kompressionsfaktor liefert nur eine rechnerische Schätzung, weil reale Bildkompression vom Motiv, Format und Qualitätsparameter abhängt.

Unkomprimiertes Rasterbild

Größe [Bit] = Breite [px] × Höhe [px] × Farbtiefe [bit/px]

7.000 px × 6.000 px × 16 bit/px = 672.000.000 bit

672.000.000 ÷ 8 ÷ 2²⁰ = 80,11 MiB

Geschätzte komprimierte Bilddatei

komprimierte Größe = unkomprimierte Größe ÷ Kompressionsfaktor

80,11 MiB ÷ 6

= 13,35 MiB

Größe eines Scans

dpi bezieht sich auf Inch. Maße in Zentimetern werden deshalb durch 2,54 geteilt. Nach der Ermittlung von Breite und Höhe in Pixeln gilt dieselbe Bildgrößenformel. Das Ergebnis ist eine Näherung, weil Pixelzahlen ganzzahlig sein müssen und Dateiformate zusätzliche Metadaten enthalten können.

Kantenlänge in Pixel

Pixel = Länge [cm] ÷ 2,54 [cm/in] × Auflösung [dpi]

21 cm ÷ 2,54 × 720 dpi ≈ 5.953 px

29,7 cm ÷ 2,54 × 720 dpi ≈ 8.419 px

Komprimierter A4-Scan

Größe [MiB] = Breite_px × Höhe_px × Farbtiefe ÷ Faktor ÷ 8 ÷ 2²⁰

5.953 × 8.419 × 24 ÷ 18 ÷ 8 ÷ 2²⁰

≈ 7,97 MiB

Größe einer Audiodatei

Bei unkomprimiertem PCM sind Abtastrate, Bittiefe, Kanalzahl und Dauer bekannt. Bei MP3, AAC, Opus oder einem anderen datenratenbasierten Codec wird die Dateigröße dagegen aus der durchschnittlichen Bitrate berechnet. Ein pauschaler „MP3-Kompressionsfaktor“ ist keine verlässliche technische Eigenschaft.

Unkomprimiertes PCM

Größe [Bit] = Dauer [s] × Abtastrate [Hz] × Bittiefe [bit] × Kanäle

40 min = 2.400 s

2.400 × 48.000 × 16 × 2 = 3.686.400.000 bit

÷ 8 ÷ 2²⁰ = 439,45 MiB

Komprimiertes Audio über Bitrate

Größe [Byte] = Dauer [s] × Bitrate [bit/s] ÷ 8

2.400 s × 192.000 bit/s ÷ 8 = 57.600.000 B

= 57,60 MB beziehungsweise 54,93 MiB

Vorgegebener Schätzfaktor

geschätzte Größe = PCM-Größe ÷ Kompressionsfaktor

439,45 MiB ÷ 5

= 87,89 MiB

Größe einer Videodatei

Die Rohdatenmenge eines Videos wird aus Bildern pro Sekunde, Pixelzahl, Farbtiefe und Dauer berechnet. Reale Codecs speichern jedoch nicht jedes Bild als unkomprimiertes Vollbild. Für eine praxisnahe Dateigröße ist daher die mittlere Gesamtbitrate von Video, Audio und weiteren Datenströmen maßgeblich.

Unkomprimiertes Video

Größe [Bit] = Dauer × fps × Breite × Höhe × Farbtiefe

100 min = 6.000 s

6.000 × 50 × 1.920 × 1.080 × 32 = 19.906.560.000.000 bit

÷ 8 ÷ 2³⁰ = 2.317,43 GiB

Schätzung mit vorgegebenem Faktor

komprimierte Größe = Rohgröße ÷ Kompressionsfaktor

2.317,43 GiB ÷ 50

= 46,35 GiB

Praxisberechnung mit Bitraten

Größe [Byte] = Dauer × (Video-Bitrate + Audio-Bitrate) ÷ 8

6.000 s × (8.000.000 + 192.000) bit/s ÷ 8

= 6,144 GB beziehungsweise 5,72 GiB

Übertragungsdauer und Nettodatenrate

Datenmenge und Datenrate müssen dieselbe Grundeinheit verwenden. Bei einer Datei in MiB und einer Verbindung in Mbit/s treffen binäre und dezimale Faktoren aufeinander. Protokoll-Overhead oder eine vorgegebene Nettonutzungsquote werden auf die Bruttodatenrate angewendet.

Nettodatenrate

Netto-Bitrate = Brutto-Bitrate × Nutzungsgrad

10 Mbit/s × 0,80 = 8 Mbit/s

= 8.000.000 bit/s

Übertragungsdauer

Dauer [s] = Datenmenge [bit] ÷ Netto-Bitrate [bit/s]

800 MiB × 8 × 2²⁰ = 6.710.886.400 bit

6.710.886.400 ÷ 8.000.000 = 838,86 s

= 13 min 58,86 s

Umgestellte Formel für Datenmenge

Datenmenge = Datenrate × Dauer

100 Mbit/s × 60 s = 6.000 Mbit

= 750 MB

Nutzbare RAID-Kapazität

In einem klassischen RAID begrenzt das kleinste beteiligte Laufwerk die pro Laufwerk nutzbare Kapazität Cmin. Hot-Spare-Laufwerke zählen nicht zur aktiven Laufwerkszahl. Die Formeln liefern die nominelle Array-Kapazität vor Dateisystem, Metadaten, Reserven und Herstellerbesonderheiten. RAID ersetzt kein Backup.

RAID 5

C_nutzbar = (N − 1) × Cmin

10 Laufwerke × 4 TB, davon ein Kapazitätsanteil für Parität

(10 − 1) × 4 TB = 36 TB

RAID 6 mit unterschiedlich großen Laufwerken

C_nutzbar = (N − 2) × kleinstes Laufwerk

8 Laufwerke; kleinstes Laufwerk = 1.000 GiB

(8 − 2) × 1.000 GiB = 6.000 GiB

6.000 × 2³⁰ ÷ 10¹² = 6,44 TB

RAID-LevelMindestzahlNutzbare Kapazität
RAID 02N × Cmin
RAID 12Cmin bei vollständiger Spiegelung
RAID 53(N − 1) × Cmin
RAID 64(N − 2) × Cmin
RAID 104 und gerade(N ÷ 2) × Cmin

USV dimensionieren und Batterielaufzeit abschätzen

Wirkleistung P wird in Watt, Scheinleistung S in Voltampere angegeben. Wenn der Leistungsfaktor λ bekannt ist, gilt S = P ÷ λ. Manche Prüfungsaufgaben geben stattdessen direkt einen Umrechnungsfaktor von Watt zu VA vor. Eine zusätzliche Reserve wird als Faktor 1 + Reserve eingesetzt.

Die Batterieenergie U × Q wird in Wh angegeben und darf nur durch eine Wirkleistung in W geteilt werden. Gibt eine vereinfachte Aufgabe ausschließlich VA an, muss die Annahme „VA zahlenmäßig wie W behandeln“ ausdrücklich erkennbar sein. Reale USV-Laufzeiten sind kürzer und nicht streng linear: Wirkungsgrad, Batteriezustand, Entladerate, Temperatur und die Lastkurve des Herstellers sind zu berücksichtigen.

Bemessung mit vorgegebenem W-zu-VA-Faktor

S_Bemessung = P × Umrechnungsfaktor × (1 + Reserve)

7.500 W × 1,5 × 1,30

= 14.625 VA

Bemessung mit Leistungsfaktor

S_Bemessung = P ÷ λ × (1 + Reserve)

7.500 W ÷ 0,8 × 1,30

= 12.187,5 VA

Ideale Überbrückungszeit

t [h] = U [V] × Q [Ah] × N_parallel × η ÷ P [W]

Vereinfachte Prüfungsannahme: 2.500 VA ≙ 2.500 W und η = 1

24 V × 15 Ah ÷ 2.500 W = 0,144 h

= 8 min 38,4 s

Benötigte Akkukapazität

Q [Ah] = P [W] × t [h] ÷ (U [V] × η) × Reservefaktor

40 min = 0,6667 h; vereinfachend η = 1

2.500 W × 0,6667 h ÷ 24 V × 1,20 = 83,34 Ah

83,34 Ah ÷ 15 Ah = 5,56 → 6 parallele 24-V-Akkupacks

Ist ein passendes Pack vorhanden, werden 5 weitere benötigt.

Rechenschema für Leistungsnachweise und Prüfungen

1. Gegeben und gesucht

Alle bekannten Größen mit Einheiten notieren und die gesuchte Größe eindeutig benennen.

2. Einheitensystem festlegen

Bit oder Byte, dezimal oder binär, Sekunden oder Stunden sowie W oder VA bewusst unterscheiden.

3. Formel auswählen und umstellen

Zuerst symbolisch nach der gesuchten Größe auflösen. Dadurch bleiben Rechenweg und Einheiten nachvollziehbar.

4. Werte einsetzen

Nur kompatible Einheiten einsetzen. Prozentwerte als Faktoren schreiben: 80 % = 0,80; 30 % Aufschlag = 1,30.

5. Rechnen und Einheiten kürzen

Zwischenergebnisse nicht zu früh runden und kontrollieren, ob die verbleibende Einheit zur gesuchten Größe passt.

6. Plausibilität prüfen

Vorzeichen, Größenordnung und Alltagserwartung kontrollieren. Eine komprimierte Datei darf beispielsweise nicht größer als die berechnete Rohdatei sein, wenn nur ein Faktor größer eins angegeben ist.

7. Ergebnis formulieren

Sinnvoll runden, Einheit angeben und notwendige Annahmen ausdrücklich nennen.

Quellen zur fachlichen Prüfung

Unterlage mitnehmen

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